Community

Foren-Suche

Login

Forum > Forum

Tausche dich hier mit der Pointer-Community über Fragen zu Uni und Studium, Job, Ausbildung und Freizeit aus. Das Pointer-Forum wird moderiert, weshalb die Beiträge zeitverzögert online gehen.

14.10.2010 10:44 Zitieren Zitieren

Enno
Gast

14.10.2010 10:44 Zitieren Zitieren

Wenn das Glück in den Kopf schießt

Hallo Frau Dr. Anderson,

ich habe mal eine Frage zum Thema Joggen: Seit einigen Monaten gehe ich etwa dreimal die Woche laufen. Zwar habe ich davor intensiv Volleyball gespielt, aber noch laufe ich nicht besonders schnell.

Meist laufe ich ziemlich genau 10 Kilometer, wofür ich bei lockerer Belastung etwa 55 Min. brauche, eher selten laufe ich etwas längere Strecken.

Gestern Abend bin ich etwas schneller und länger gelaufen (etwa 13 Kilometer). Dabei hatte ich nach etwa 50 Minuten plötzlich ein unglaubliches Hochgefühl, das ich richtig im Kopf spüren konnte. Fast so, als hätte ich Drogen genommen. War aber auch schnell wieder weg, und kam nachher nochmal zurück, als ich an einer Stelle nochmal schneller gelaufen bin. Dabei fühlte ich mich nicht mal erschöpft – ich wollte einfach immer weiter laufen.


Mich interessiert, was das für ein Effekt war, wenn das Glück so in den Kopf schießt. So etwas habe ich vorher noch nie gespürt. Ich habe mal gehört, dass es so etwas wie ein Runners High geben soll, wobei der Körper Endorphine ausschüttet. Aber das passiert doch erst, wenn man weitere Strecken läuft, oder?

Ich würde mich über eine Antwort freuen. War jedenfalls ein tolles Gefühl.
Vielen Dank

12.11.2010 01:06 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

12.11.2010 01:06 Zitieren Zitieren

RUNNERS’ HIGH

Jeder Läufer hat schon mal etwas vom sogenannten “Runner’s High” gehört, dem unerklärlichen Hochgefühl, das Athleten beim Laufen überkommen kann, und viele sagen auch, sie hätten so etwas schon mal erlebt. Aber bisher haben Wissenschaftler sich zu diesem Phänomen nicht äussern wollen, denn es gab dafür keinerlei wissenschaftlichen Beweis.
Die Beschreibungen wie Läufer das Runner’s High erleben, sind dabei auch durchaus unterschiedlich. Einige Jogger berichten, sie fühlten sich beim Laufen so wohl, als hätten sie bewusstseinsverändernde Drogen genommen, sie spürten ein unbeschreibliches Hochgefühl und ein Maximum an Energie. Andere meinen, sie würden sich eher sehr entspannt und zufrieden fühlen, und nur ganz gelegentlich wirklich ausgesprochen euphorisch.
Viele, die von einer regelrechten Euphorie berichten, sagen, sie hätten sie unmittelbar nach einer langen Daueranstrengung erlebt, wie etwa einem Marathonlauf. Dieses Hochgefühl sei dann auch noch mit einem wahren Gefühltaumel einhergegangen, so dass ihnen bei geringster Gelegenheit vor Rührung die Tränen kamen.
Dagegen behaupten etliche andere Sportler, ein Runner’s High sei nur im Zusammenhang mit einer kurzen, aber enorm intensiven Anstrengung aufgetreten, wie etwa einem Fünfkilometer-Rennen.
Nach diesen Berichten lag zwar die Vermutung nahe, dass maximale sportliche Belastung - sowohl beim Laufen, als auch bei anderen Kraft- oder Ausdauersportarten - das Belohnungssystem im Gehirn aktiviert und dazu veranlasst, Endorphine auszuschütten. Diese körpereigenen Opiate haben, wie alle Opiumderivate, eine bewusstseinsverändernde Wirkung und lösen euphorische Gefühle und Wohlbefinden aus.
Bis vor kurzem gab es aber keine wissenschaftlichen Methode, um diese Hypothese zu untermauern, denn dazu hätte man, so die gängige Meinung, unmittelbar vor und nach einer sportlichen Belastung die Wirbelsäule der Athleten punktieren müssen, um die Spinalflüssigkeit auf das Vorhandensein von Endorphinen zu testen.
Eine solcher Eingriff, der zur Diagnose beispielsweise einer Meningitis notwendig ist, erfordert nicht nur grosse fachliche Erfahrung, sondern auch, dass der Proband anschliessend eine Zeitlang liegen bleiben muss, damit er nicht unter unangenehmen Nachwirkungen (starken Kopfschmerzen) leidet. Verständlicherweise sind derartige Tests an Sportlern aus diesem Grund nicht durchführbar.
Zwar können nach einem Rennen durchaus Endophine im Blut von Läufern nachgewiesen werden, diese sind aber nur ein Teil der Stressreaktion des Körpers und haben keinen Einfluss aufs Gehirn.
Inzwischen haben deutsche Forscher aber mit einem anderen wissenschaftlichen Ansatz den Beweis für das Runner’s High gefunden. Laufen löst tatsächlich die Ausschüttung von Endorphinen im Gehirn aus. Je mehr dieser körpereigener Opiate produziert werden, desto stärker ist ihre bewusstseinsverändernde Wirkung.
Dr. Henning Boecker (Uni Bonn) erklärt, ihm sei die Idee, die Runner’s High-Hypothese zu testen, gekommen, als er sich mit Schmerzstudien befasste. Er führte seine Untersuchungen mit Gehirn-Scans durch, die mit Hilfe von neuentwickelten Chemikalien nicht nur darstellen können, dass tatsächlich während eines Rennens Endorphine produziert werden, sondern auch, dass sie sich in genau den Gehirnarealen ansammeln, die für die Stimmung zuständig sind.
Die getesteten Dauerläufer in dieser Studie wussten nur, dass die Tests Opioid-Rezeptoren im Gehirn galten. Sie hatten keine Ahnung davon, dass es den Wissenschaftlern dabei um den Nachweis von Endorphinen, und damit das Runner’s High, ging. Zusätzlich zu den Gehirn-Scans wurden sie auch psychologischen Tests unterzogen, die sich mit ihrer Stimmungslage zwei Stunden vor und nach den Rennen befassten.
Wie die Untersuchungen zeigten, wurden das Limbische System und der Präfrontalbereich durch die Endorphine beeinflusst, also genau diejenigen Gehirnareale, die beispielsweise Verliebtheitsgefühle erzeugen oder den wohligen Schauer, der einen beim Hören bestimmter Musik überkommt. Die Intensität der erlebten Gefühle stand dabei in direktem Zusammenhang zu der Menge der vorhandenen Endorphine.
Wie du siehst, passt dein Erlebnis also genau zu den geschilderten Vorbedingungen für ein Runner’s High. Nicht nur sehr lange Dauerleistungen wie ein Marathonlauf, sondern auch kürzere, intensive Anstrengungen können das Belohnungssystem im Gehirn aktivieren und zu dem berühmten euphorischen Hochgefühl führen.
LG, Dr. Karin Anderson

Aktuell im Forum gelesen

Thema / Erstellt von

Letzter Beitrag

Antw.

Hits

Auswandern
Kathie 22 Jahre

28.08.2005 um 16:45
von Dr. Karin AndersonExpoerte Direkt zum letzten Beitrag springen

2

9.235

29.09.2016 um 15:53
von Tara Direkt zum letzten Beitrag springen

1

5.522

06.09.2016 um 17:01
von expertin Direkt zum letzten Beitrag springen

17

9.540

Auf welchen Kinofilm freut ihr euch? Seiten 1, 2 ... 6
Liebste_Chantal

06.09.2016 um 16:52
von expertin Direkt zum letzten Beitrag springen

65

12.415

04.06.2008 um 18:45
von Marlene Direkt zum letzten Beitrag springen

12

7.801

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung