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14.11.2010 19:07 Zitieren Zitieren

Skyline
Gast

14.11.2010 19:07 Zitieren Zitieren

Muss ich eine Therapie machen?

Liebe Frau Dr. Anderson,

aufgrund meiner Vergangenheit, weiß ich nicht, ob ich eine Therapie machen soll, oder nicht. Es ist eine sehr lange Geschichte und ich ich konnte bisher mit niemandem darüber sprechen, da ich mich für meine Kindheit und Jugend sehr schäme. Ich versuche es trotzdem sehr kurz zu halten.

Meine Mutter war damals mit meinem Vater (Tunesier) verheiratet. Die Ehe war aber alles andere als glücklich und hat auch nur bis zu meinem 4-5. Lebensjahr gehalten.

Mein Vater war gegenüber meiner Mutter sehr gewaltätig und hat sie damals auch mit einem Messer bedroht und hat ihr gedroht sie umzubringen. Sachen, die ich als Kind mitbekommen habe. Meine Mutter war immer arbeiten und sie arbeitet in einer geschlossenen Psychiartrie. Während meine Mutter arbeiten war, hat mein Vater mich öfter in meinem Zimmer eingesperrt, damit er sich mit seinen Bekannten ein Bier trinken gehen konnte (er war Alkoholiker). Für mich als Kind war es eine sehr schwierige Zeit, da ich immer sehr aktiv, lebendig und neugierig war, eben eine Froh natur.

Als die Scheidung meiner Eltern lief, durfte mich mein Vater jedes 2. WE im Monat sehen. Auch an diesen Wochenenden, sah die welt für mich nicht rosig aus. Mein Vater hat mich immer zu seinen Alkoholiker-Freunden mitgenommen. Er wollte von mir, dass ich meiner Mutter Geld aus dem Portemonait stehle oder, dass ich auf einem Aufnahmegerät sage, dass ich nicht zu meiner Mutter möchte und dass ich sie hasse.

Dies ist nur ein kleiner Einblick in meine Kindheit. Letztendlich hat meine Mutter das Sorgerecht für mich erkämpft, da das Jugendamt mich erst zu meinem Vater versetzen wollte. Meine Mutter musste allerdings ihre Arbeit niederlegen, damit sie das Sorgerecht für mich erhalten konnte. Mein Vater hat irgendwann aufgehört sich bei mir zu melden.

Wir lebten, während meiner Grundschulzeit von der Sozialhilfe. Als meine Grundschullehrerin dies erfahren hatte, war sie plötzlich unfreundlich zu mir und zu meiner Mutter. Im Unterricht habe ich oft geträumt und nicht aufgepasst. Trotzdem habe ich die Grundschulzeit locker hinbekommen. Meine damalige Grundschullehrerin hat mich damals als dumm abgestempelt und sagte zu meiner Mutter, dass gerade ich es mir nicht erlauben kann nicht im Unterricht aufzupassen (aufgrund unserer finanziellen Lage). Ich wollte unbedingt in den Flötenunterricht, dies hat meine Grundschullehrerin mir lediglich untersagt, was mich als Kind sehr traurig machte.

Durch die Empfehlung meiner Grundschullehrerin wurde ich in die Hauptschule versetzt. Dies war für mich eine sehr schlimme Zeit. Ich hatte das Gefühl, dass mich niemand verstand.Ich habe öfter die Leistung verweigert (z.B., wenn wir Hausaufgaben machen sollten, oder ich bin teilweise, was aber selten vorkam überhaupt nicht zur Schule gegangen). Die Mitschüler mochten mich nicht, weil ich nicht so "cool" war. Deshalb wurde ich öfter nach der Schule von meinen Mitschülern verprügelt. Meine Mutter, die zu dieser zeit wieder arbeiten ging, hatte Depressionen und zugleich Probleme mit einer Schilddrüsenüberfunktion.Sie hatte mich in meiner Kindheit öfter angeschrien und gesagt, dass ich zu nichts zu gebrauchen bin und viele ähnliche sachen. Auslöser für solche Übergriffe war dann ein verschütteter Tropfen Milch oder ähnliches. Sie hatte sich damals therapieren lassen. Meine Mutter war zudem auch damit überfordert, da ich ein sehr aktives, wissbegieriges und lebhaftes Kind war, allerdings nicht hyperaktiv, da ich mich die meiste Zeit alleine beschäftigen musste.

Mit 13 hatte ich dann meinen ersten Freund außerhalb der Schule, mit dem ich fast 2 Jahre zusammen war. Dies war eine sehr schöne Zeit und ich erinnere mich gerne daran zurück. Als jedoch die Trennung kam, fiel ich in ei schwarzes Loch. Ich lerne ältere Leute kennen, die aber Drogen (Extasy) genommen haben. Um dazuzugehören nahm ich eine Zeitlang (einen Sommer) auch welche. Nicht regelmäßig, sondern ab und zu. Ich glaube, dass ich es nur gemacht habe, weil ich mich wertlos gefühlt habe. Meine Mutter hat davon nichts mitbekommen, da sie sehr oft arbeiten war und Schichtdienst hatte. Jedoch habe ich mich von diesen Leuten distanziert und gemerkt, dass es nicht das war, was ich im Leben wollte. Heute schäme ich mich sehr dafür und würde diese Zeit al Liebsten wieder rückgängig machen.

Nach der Hauptschule wechselte ich in die Oberstufe und machte dort mein Abitur ohne Probleme. Diese Zeit war die schönste Zeit meiner Schullaufbahn. Ich hatte viele Freunde und alle Mitschüler aus meiner Klasse waren sehr nett.

Was ich noch ergänzen muss ist, dass ich trotz allem immer sozial und gesellschaftspolitisch engagiert war.

Nach dem Abitur machte ich eine Ausbildung, die für mich nicht die Erfüllung bedeutete. Ich lernte dort einen Arbeitskollegen kennen, in den ich mich dann verliebte. Dort stellte ich dann zum ersten Mal fest, dass ich mich aufgrund meiner Vergangenheit so sehr schäme und mir denke, dass ich es nicht wert bin von dieser Person geliebt zu werden. Ich habe Schuldgefühle, aufgrund meiner Vergangenheit (Drogen ect.)und fühle mich minderwertig. Ich kann keine Person an mich heran lassen, da ich Angst vor einer Ablehnung.

Nach der Ausbildung begann ich mein Studium an einer Wissenschaftlichen Hochschule. Es ist zwar viel Arbeit, aber es fällt mir nicht wirklich schwer. aufgrund meiner Leistungen habe ich ein Vollstipendium bekommen und stehe gerade in der Studienabschlussphase. Mir macht mein Studium riesig Spaß und ich habe regelrecht Freude daran. An der Uni habe ich viele Freunde und Bekannte und ich fühle mich dort wie zu Hause.

Mein Problem ist es, dass ich es im Leben, trotz meiner Vergangenheit so weit geschafft habe und ich mich regelrecht in anderen Kreisen bewege. Aber sobald ich jemanden toll finde und ich mich verliebe, weiß ich nicht, wie ich damit umgehen soll. Einerseits ist das Gefühl der Liebe schön, aber andererseits begleitet mich immer ein negatives Gefühl, wie oben bereits beschrieben.

Wie gehe ich damit um? Muss ich meinem Partner gegenüber so ehrlich sein und von meiner Vergangenheit erzählen? Was ist, wenn er mich deshalb ablehnt? Am liebsten würde ich diesen Teil meiner Vergangenheit einfach ausblenden. Was mache ich wenn Nachfragen kommen?

Ich bin mittlerweile 25 Jahre alt und will irgendwann auch einmal eine Familie gründen und meinen Kindern eine bessere Perspektive bieten, als ich sie hatte, so dass sie sich frei entfalten können.

Aber wie soll ich jemanden näher kennenlernen, wenn ich Angst habe diese Person zu nah an mich heran zu lassen.

Des Weiteren kommt noch hinzu, dass ich in den Staatsdienst möchte und eine vorangegangene Therapie nicht so gerne gesehen wird. Andereseits versuche ich die Sache ein wenig lockerer zu sehen und zu hoffen, dass sich alles wieder einpendelt.

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen, denn ich weiß absolut nicht, was ich tun soll. Ich habe dieses Problem absolut nur in Liebesbelangen.

Vielleicht würde es auch einfach nur reichen, wenn mir jemand sagen kann, wie ich am besten damit umgehe.

Ich bedanke mich schon einmal für das aufmerksame Lesen und im Voraus für eine Antwort.

09.12.2010 03:40 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

09.12.2010 03:40 Zitieren Zitieren

Hallo, Skyline,
Wenn ich deine Geschichte so lese, empfinde ich grosse Hochachtung. Du hast es ohne jede fremde Hilfe geschafft, dich selbst am Schopf aus dem Sumpf dieser widrigen Umstände deiner Herkunft zu ziehen!
Das ist wirklich eine enorme Leistung, denn da kommt ja so vieles zusammen, ein sehr schwieriger Familienhintergrund, mangelnde Förderung durch die Schule, Schikanen der Klassenkameraden, und dazu die Auseinandersetzung mit Drogen.
Diese sehr ungünstigen Umstände hätten dich leicht zum Schulversager und sozialen Aussteiger machen, in endgültige Drogenabhängigkeit treiben, oder dich depressiv werden lassen können.
Im Gegensatz dazu hast du aber zu deiner innere Stärke gefunden, dich durch die negativen Erwartungen deiner Umgebung nicht irremachen lassen. Du hast nicht nur die Schule beendet, sondern das Abitur gemacht, ein Studium angefangen und dir dadurch die Möglichkeit geschaffen, Karriere zu machen und einem Beruf nachzugehen, der dich erfüllt und befriedigt.
Aufgrund deiner Biografie ist es aber leider naheliegend, dass du trotz dieser grossartigen Leistungen kein gutes, stabiles Selbstwertgefühl entwickeln konntest, dich wegen deiner Vergangenheit schämst, und das Gefühl hast, dass dieser problematische Hintergrund in der Meinung anderer mehr zählen könnte, als die bemerkenswerten Erfolge, die du vorweisen kannst.
Um zu verhindern, dass deine alten Kindheitswunden, die zwar oberflächlich vernarbt, aber nicht wirklich geheilt sind (denn dann würdest du nicht mehr schämen), als ständiger Störfaktor deine Partnerbeziehung beeinflussen, ist es ausserordentlich wichtig, dass du es lernst, zu deiner Vergangenheit zu stehen. Du bist zwar das Opfer dieser Umstände gewesen - aber du hast dich doch aus deiner Opferrolle hinausentwickelt! Du wärest ohne die Widrigkeiten, die du überwinden musstest, doch nicht zu der Person geworden, die du heute bist! Deine Reife und deine Einsichten wären nicht die gleichen, wenn du diese Erfahrungen nicht gemacht hättest.
Deine Kämpfe und Irrwege deiner Vergangenheit sind ein Grund, stolz auf dich zu sein, keine Schande!
Damit meine ich natürlich nicht, dass du jedem, der danach fragt, Einzelheiten aus deiner Vergangenheit offenbaren musst, natürlich darfst du dich vor unerwünschter Neugier schützen, und kannst solchen Fragen dadurch begegnen, dass du sagst, dass du es oft nicht einfach gehabt hast. Punkt!
Freunden und deinem Partner gegenüber solltest du aber offen zu deiner Vergangenheit stehen, und nicht versuchen, sie zu verschweigen. Offenheit ist für Freundschaft und Partnerschaft unerlässlich, sonst kann keine wirkliche Nähe entstehen und auch kein echtes Verständnis.
Es wäre sicher sehr empfehlenswert, sich durch therapeutische Gespräche dabei helfen zu lassen, die Wunden deiner Kindheit endgültig zu heilen. Du solltest dir das auf jeden Fall überlegen, besonders dann, wenn du merkst, dass Scham, Hemmungen oder Misstrauen dir zu grosse Angst machen, um dich wirklich auf engere Beziehungen einzulassen.
LG, Dr. Karin Anderson

 
 

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