Community

Foren-Suche

Login

Forum > Forum

Tausche dich hier mit der Pointer-Community über Fragen zu Uni und Studium, Job, Ausbildung und Freizeit aus. Das Pointer-Forum wird moderiert, weshalb die Beiträge zeitverzögert online gehen.

21.03.2011 17:14 Zitieren Zitieren

Hilke
Gast

21.03.2011 17:14 Zitieren Zitieren

Was soll ich nach dem Abi machen?

Hallo Dr. Anderson,
ich wende mich an Sie mit einem Anliegen. Also ich mache dieses Jahr Abi und danach soll ich studieren. Das wird von meiner Familie so erwartet und auch meine Freundinnen studieren alle. Ich habe auch nichts dagegen zu studieren, aber ich weiß nicht so recht was. Ich habe, ehrlich gesagt, insgesamt keinen richtigen Plan, was ich später machen will. Aber ein Jahr ins Ausland zu gehen, finde ich irgendwie auch doof. Wohin denn genau? Und was soll ich da dann machen? Da studiere ich doch lieber und verliere nicht noch ein Jahr durch das Ausland. Naja, also wieso ich mich jetzt an Sie wende ist, dass ich am Wochenende ein Gespräch mit einem bekannten hatte, das mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Der ist dabei, seine Magisterarbeit zu schreiben und hat ziemlich gestöhnt. Er meinte, wenn er gewusst hätte, wie viel Arbeit das ist, hätte er nie studiert. Und das Thema würde ihn auch nicht wirklich interessieren, er mache das nur, um seinen Abschluss zu kriegen. Das stellte und stellt sich mit wie ein Horror dar. So will ich in einigen Jahren nicht dasitzen! Aber wenn ich ein Studium anfange, das mich eigentlich nicht interessiert, kann das doch nur so enden, oder? Leider was ich nicht, was mich wirklich interessieren würde. Ob es da etwas gibt? Und wenn ja, wie kann ich das herausfinden?
Danke
Hilke

24.04.2011 01:13 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

24.04.2011 01:13 Zitieren Zitieren

Hallo, Hilke,
Vielleicht solltest du das wichtige Thema der Berufswahl einmal von einem anderen Blickwinkel aus betrachten. Bisher hast du dich nur gefragt, was dich interessieren könnte, und dir ist dabei nichts Rechtes eingefallen. Offenbar fällt dir das Lernen nicht allzu schwer, denn du bist dabei, Abitur zu machen, und möchtest danach auf jeden Fall studieren.
Anstatt dir nur den Kopf darüber zu zerbrechen, wozu du Lust hast und wozu nicht, solltest du dir erst einmal überlegen, wo deine speziellen Stärken liegen. Wenn du das in deinen zukünftigen Beruf einbringen kannst, worin du gut bist, wird dir die Arbeit nämlich auch Spass machen und dich befriedigen.
Als nächstes solltest du dir Gedanken darüber machen, in welchem Rahmen deine spätere Tätigkeit stattfinden soll. Welche Kriterien sind dir wichtig? Möchtest du selbständig sein, deine Arbeitsbedingungen selbst gestalten, oder ist dir die Sicherheit eine Anstellung mit geregelten Arbeitszeiten wichtig? Wie gut kannst du dich unterordnen, mit Autoritäten umgehen?
Möchtest du gern Menschen um dich herum haben, in einem Team arbeiten? Oder liegt es dir mehr, dich in Ruhe ganz auf dein Projekt zu konzentrieren, ohne durch zuviel Aktivität in deiner Umgebung abgelenkt zu werden.
Möchtest du später Kinder haben? Dann ist es wichtig, einen Beruf zu ergreifen, bei dem du entweder über deine Arbeitszeiten selbst entscheiden oder aber halbtags arbeiten kannst. Mach dir dabei aber auch klar, dass es passieren kann, dass du deine Kinder notfalls allein erziehen musst, denn ein Drittel aller Ehen (in Grossstädten die Hälfte) wird geschieden. Deine Arbeit sollte dir also erlauben, dich auch ohne die Hilfe eines Partners zu finanzieren.
Ich will dir ruhig einmal meine eigene Berufswahl als Beispiel darlegen. Ich wusste nämlich nach dem Abi zunächst auch nicht, was ich machen wollte. Meine Stärken waren: eine gewisse künstlerische Begabung, ein recht gutes Wissen über Tiere und Pflanzen, viel Fantasie, ein gutes Einfühlungsvermögen, ein Interesse an psychologischen Hintergründen, die unser menschliches Verhalten beeinflussen, und eine gute Intuition.
Mir war klar, dass ich keine grosse Lust hatte, mich Chefs unterzuordnen, die ich unter Umständen nicht respektieren konnte, ich zog es ausserdem vor, meine Arbeitsbedingungen selbst zu gestalten, deswegen erschien mir eine selbständige Tätigkeit wesentlich attraktiver als eine Angestelltenverhältnis. Mir fällt es schwer, mich zu konzentrieren, wenn viele Aussenreize auf mich einwirken, daher erschien mir ein hektischer Arbeitsplatz oder gar ein Grossraumbüro als der reinste Horror.
Ich war zwar nicht an einem hohen Verdienst interessiert, aber ich wollte für meine Arbeit doch schon angemessen bezahlt werden.
Berufe, die ich mir aufgrund dieser Vorgaben vorstellen konnte, waren Grafikerin, Landschaftsgärtnerin oder Psychotherapeutin. Nach einem Gastsemester an einer Werkkunstschule wurde mir klar, dass ich, obwohl ich gut zeichnen konnte, einfach nicht kreativ genug war, um in einem Feld Karriere zu machen, wo damals, wie mir der Kursleiter erklärte, “ein weniger begabter Mann immer noch einer begabteren Frau” vorgezogen wurde.
So sehr ich mich auch für die Natur begeistern konnte, um als Gartengestalterin erfolgreich zu machen, musste man, wie ich erfuhr, auch noch über eine gewisse Geschäftstüchtigkeit verfügen, “dem Kunden gleich noch reichlich Torf und Dünger verkaufen”, und, wenn es nicht genügend zu planen gab, in jedem Wetter Beete umgraben und Unkraut jäten.
Da ich mich weder zu dem einen noch dem anderen berufen fühlte, blieb also die Psychotherapeutin übrig. Zum damaligen Zeitpunkt erhielten nur ärztliche Psychotherapeuten eine Kassenzulassung (später wurden auch Psychologen zugelassen). Also fing ich ein Medizinstudium an, mit dem erklärten Ziel, später die Zusatzqualifikation zur Psychotherapie zu erwerben. Diese Entscheidung habe ich keinen Tag bereut!
Wenn du für dich herausgefunden hast, welche der obengenannten Punkte für dich zutreffen, bekommt du vielleicht schon ein konkreteres Bild, welches Studienrichtung für dich infrage kommt. Du kannst aber auch zu einer Berufsberatungsstelle deines örtlichen Arbeitsamts gehen, und aufgrund deiner Vorgaben schauen, auf welche Berufe sie überhaupt zutreffen - es gibt möglicherweise Karrieren, von denen du noch nie etwas gehört hast.
Und noch eins - ein Jahr im Ausland ist nie “verlorene Zeit”! Der Spracherwerb durch “Eintauchen” und die Erfahrungen, die du dabei sammeln kannst, sind ganz bestimmt ausserordentlich wertvoll, und werden dir zugute kommen, egal für welchen Beruf du dich entscheidest.
LG, Dr. Karin Anderson

Aktuell im Forum gelesen

Thema / Erstellt von

Letzter Beitrag

Antw.

Hits

Tennis
Unregistriert

23.10.2014 um 12:18
von Unregistriert Direkt zum letzten Beitrag springen

3

532

06.09.2016 um 17:01
von expertin Direkt zum letzten Beitrag springen

17

9.333

29.09.2016 um 15:53
von Tara Direkt zum letzten Beitrag springen

1

5.316

beste youtuber Seiten 1, 2, 3
Unregistriert

04.09.2016 um 16:02
von expertin Direkt zum letzten Beitrag springen

21

2.650

Klausur durchgefallen
Unregistriert

06.09.2016 um 16:58
von expertin Direkt zum letzten Beitrag springen

6

6.641

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung