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12.03.2012 11:46 Zitieren Zitieren

seerose
Pointer-User

12.03.2012 11:46 Zitieren Zitieren

Freundin mit den Nerven am Ende

Hallo!

Ich habe ein großes Problem mit meiner Freundin, bei dem ich mit meinem Latein am Ende bin und nichtmehr weiß was ich machen soll.

Ich bin 27, meine Freundin ist 22 und wir wohnen seit c.a. 2 Jahren zusammen.

Im Jahr 2007 hatte meine Freundin (lange bevor ich Sie kannte) versucht sich umzubringen. Glücklicherweise wurde Sie rechtzeitig von Ihrem Stiefvater gefunden, sie wurde dann in eine geschlossene Psychatrie eingewiesen, soweit ich dass sagen kann das volle Programm.

Ich lernte Sie als fröhlichen und offenherzigen Menschen kennen und es war soweit auch alles ok, nur unsre Diskussionen wurden immer recht schnell zu handfesten streits, aber sonst war soweit immer alles noch ok.
In den letzten 2 jahren wurde es allerdings (schleichend)immer schlimmer, sodass sie schon bei kleinigkeiten regelrecht ausgeflippt ist und dass ganze damit endete dass sie weinte und sich für alles mögliche die schuld gab oder richtig apathisch und wimmernd in der badewanne saß. Für mich war das ein sehr schlimmer anblick und die ersten male schob ich das auf unseren Streit. mittlerweile nehmen die Abstände zwischen solchen Zwischenfällen immer mehr ab und ich mache mir große Sorgen, dass sie sich irgendwann wirklich was antun könnte.
Zu einem Therapeuten will sie nicht und auch eine Einweisung oder dass ich mich an Ihre Eltern wende will Sie nicht.
Sie hat z.b. Angst ihre Ausbildung zu gefährden.
Ich denke es muss dringend etwas passieren, aber ich fühle mich selber recht hilflos mit dem ganzen Thema.

13.03.2012 11:43 Zitieren Zitieren

seerose
Pointer-User

13.03.2012 11:43 Zitieren Zitieren

Ich möchte noch ergänzen, dass Sie sich normal verhält wenn Sie sich mit irgendwelchen Beschäftigungen ablenken kann, wenn wir was zusammen machen, oder wenn sich bei Ihrer Familie ist, oder 'zockt'. Gerade nach einem Streit oder wenn Sie zulange alleine ist(und anfängt zu grübeln) kommt dann wieder alles hoch.

Vielen Dank im vorraus schonmal für die Mühe und die Aufmerksamkeit!
Sebastian

13.03.2012 18:49 Zitieren Zitieren

Unregistriert
Gast

13.03.2012 18:49 Zitieren Zitieren

Hi Sebastian,
wenn ich mir das so durchlese, was du schreibst, schüttelt es mich heftig durch.
Es gibt ein Kompetenznetz-Depressionen, da kannst du dich über Hilfe und Selbsthilfe, erste Hilfe, Adressen von Krisendiensten informieren. Das könnte dir helfen. Der Vorteil ist die Anonymität - es ist ganz wichtig, dass sie anonym bleiben kann.


Ich war selbst mal drei Wochen lang in so einem "Badewannenzustand", als mir alles zu viel geworden war und ich würde deine Freundin auch als suizidal einschätzen, nicht weil sie sterben, sondern weil sie leben will, nur nicht mit einer Last, die sie nicht tragen kann und die sehr wahrscheinlich überhaupt nichts mit dir zu tun hat - und sie hat vielleicht eine Mordswut - wahrscheinlich eine berechtigte, die sie aber nicht umdrehen und als Kraft zur Austragung ihrer Konflikte einsetzen kann - klingt vielleicht abstrakt - nur, so sehe ich das heute.

Ihre Ausbildung gefährdet sie sowieso schon,und rückblickend kann ich aus meiner Erfahrung sagen: einE wirklich passendE TherapeutIn einmal pro Woche ließe sich auch mit Studium vereinbaren, denn wenn das Vertrauensverhältnis stimmt und die Wege und Termine kurz genug, geht man/frau gern hin (ich hatte zum Glück jemand gefunden - mit Hilfe einer Heilpraktikerin)

In meiner Situation hatten meine Eltern mehr geschadet als genützt, und zu respektieren, dass deine Freundin sie nicht einbinden will, halte ich für wichtig. Auch für eine Therapie muss sie selbst bereit sein, sonst bringt die nämlich nichts.
Eins noch: auch ein Suizid ist ein Weg, den jemand wählt, begründet und wohlüberlegt.

13.03.2012 22:39 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

13.03.2012 22:39 Zitieren Zitieren

Hallo, Sebastian,
Ich kann deine Ratlosigkeit sehr gut verstehen, denn deine Freundin stellt dich vor ein unlösbares Problem.
Was du auch machst, es wird in keinem Fall “richtig” sein. Und du hast leider Recht, es ist tatsächlich nicht auszuschliessen, dass sie sich doch etwas antut.
Deine Freundin leidet unter einer psychischen Erkrankung mit erhöhter Reizbarkeit und depressiven Stimmungschwankungen, und bedarf dringend einer ärztlichen Behandlung!
Mit ihrer Weigerung, zum einem Arzt oder Therapeuten zu gehen, oder ihre Eltern darüber zu informieren, gefährdet sie sich selbst, und bringt dich in eine unhaltbare Situation. Lässt du dich nämlich darauf ein, um ihr Vertrauen nicht zu verlieren, wird ihr Zustand wahrscheinlich immer schlimmer werden. Wenn dann etwas mit ihr passiert, wirst du dir sicher grosse Vorwürfe machen.
Wenn du dich aber an ihre Eltern wendest, wird sie dir einen Vertrauensbruch vorwerfen, und zum Arzt oder Therapeuten kannst du sie ohnehin nicht schleppen, wenn sie nicht freiwillig mitgeht.
So, oder so, du kannst diese seelische Belastung nicht aushalten. Mit jemandem zusammenzuleben, der derartige Stimmungstiefs erlebt, mit der unausgesprochenen (oder ausgesprochenen) Drohung, sich das Leben zu nehmen, mit dem man sich ständig wie auf rohen Eiern bewegen muss, um ja kein “Ausflippen” hervorzurufen - was dann doch passiert - zieht dich selbst herunter und zerstört schliesslich eure Beziehung.
Du bist nicht ihr Therapeut, ihre seelische Bedürftigkeit kannst du nicht heilen, auch wenn du sie noch so sehr liebst. Ein professioneller Helfer kann einen innerlichen Abstand bewahren, um mit solchen emotionalen Anforderungen umzugehen, für einen Partner ist das ganz unmöglich.
Um diesen Teufelkreis zu beenden, musst du das tun, was das einzig Vernünftige und Sinnvolle ist - auch wenn es ihr nicht gefallen wird, und dir vielleicht ein schlechtes Gewissen bereitest.
Du musst ihre Eltern über den verschlechtertes Zustand deiner Freundin informieren. Sie haben möglicherweise die nötige Autorität, um ihre Tochter zu ärztlicher Behandlung zu nötigen oder in eine Klinik einweisen zu lassen.
Und du solltest deiner Freundin ganz klar sagen, dass sie sich entweder behandeln lässt, oder du dich von ihr trennen wirst. Das klingt zwar hart, ist aber die einzige Möglichkeit, sie zur Einsicht zu bringen. Und wenn sie dir mit Suizid droht, sag ihr ganz deutlich, dass du in diesem Fall zwar alles unternehmen wirst, um sie zu retten, aber eure Beziehung damit endgültig beendet sein wird.
Diese Empfehlungen stammen von dem bekannten Psychoanalytiker Prof. Otto Kernberg, der sehr viel Erfahrungen mit Störungen dieser Art hat. Ich habe immer wieder festgestellt, dass solch scheinbare Härte die einzige Möglichkeit war, um den Teufelkreis von Depressivität, Schuldgefühlen und Selbstmorddrohungen zu unterbrechen, und die Betroffenen zu einer Behandlung zu bewegen - und ihnen dadurch unter Umständen sogar das Leben zu retten.
Da deine Freundin, wie du sagst, noch gelegentlich von ihren quälenden Gefühlen und Gedanken abgelenkt werden kann, ist sie zum Glück noch nicht so tief in ihr Tief abgerutscht, und ihr Zustand kann sich möglicherweise auch schneller wieder bessern. Ihre Ausbildung ist mit Sicherheit dann mehr gefährdet, wenn sie noch kränker wird, und sich ihre Symptome schliesslich unweigerlich auch am Ausbildungsplatz bemerkbar machen.
LG, Dr. Karin Anderson

 
 

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