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02.05.2012 11:27 Zitieren Zitieren

loslassen
Pointer-User

02.05.2012 11:27 Zitieren Zitieren

verliebt in den therapeuten..

...seit knapp einem Jahr bin ich psychotherapeutischer Behandlung.Der Grund war meine Coabhängigkeit zu meinem Cannabis abhängingem Sohn.Wärend dieser Zeit hat mein Therapeut mich als kleines, verheultes Elend erlebt und mir im Verhalten gegenüber meines Sohnes sehr geholfen und ist mit mir durch alle Tiefen gegangen. Inzwischen fühle ich mich stark genug und weiß, worauf ich achten muss.Doch wegen meiner selbstgewählen Isolation, des fehlenden sozialen Netzes wurde die Therapie auf weitere 20 Stunden ausgeweitet. Nun ist aber eine emotionale Schieflage entstanden; denn ich denke den ganzen Tag nur noch an meinen Therapeuten, halte Zwiegespräche, überlege, wie er in manchen Situationen handeln würde, habe sogar sexuelle Phantasien, die völlig absurd sind.Ich weiß es, kann mich aber nicht davon lösen, spüre, dass er zuviel Macht über meine Gefühle hat und ich mich davon lösen muss. Es fällt mir schwer, diese Gefühle direkt anzusprechen und habe deshalb auch beim letzten Gespräch aus Befangenheit nicht offen sprechen können. Es belastet mich zu sehr.
Nun habe ich ihm einen Brief geschrieben und ihm versucht, mein Verhalten zu erklären und dass ich die Therapie deshalb beenden möcht, weil ich mich nicht von diesen Gefühlen abhängig machen will.
Habe tagelang darüber gebrütet, ob dieser Schritt richtig war, bin zu der Erkenntnis gelangt, dass ich diese Gespräche mit ihm noch brauche und Offenheit der Schlüssel zum Erfolg der Therapie ist - habe ihn schliesslich in der Praxis angerufen und auf dem AB um einen Rückruf gebeten.
Ich weiß nicht, ob er den Brief schon gelesen hat, ob er den AB schon abgehört hat - möglicherweise macht er auch einen Kurzurlaub - jedenfalls habe ich bislang nichts von ihm gehört. Der nächste Termin ist nächste Woche. Jetzt muss ich abwarten. Nach meiner Einschätzung ist diese Gefühlsregung eher eine Ablenkung von meinen eigentlichen Problemen - aber wie komme ich davon los? Ich habe großes Vertrauen zu meinem Therapeuten und er hat mich auch nie zu diesen Phantasien ermutigt, also alles selbst gemacht.
Gruß loslassen

02.05.2012 20:50 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
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02.05.2012 20:50 Zitieren Zitieren

Hallo,
Du hast bisher doch sehr gute Erfahrungen mit deinem Therapeuten gemacht, und gelernt, dass du ihm vertrauen kannst.
Bitte, entziehe ihm jetzt in dieser schwierigen, aber wichtigen Therapiephase nicht dein Vertrauen, sondern baue auf seine Integrität und Professionalität.
Dir ist bereits selber der Verdacht gekommen, dass diese plötzliche Verliebtheit eher eine Ablenkung von deinen eigentlichen Problemen ist - damit liegst du vermutlich richtig.
Du hast in deiner Therapie offenbar bereits gute Fortschritte gemacht, aber sie ist noch nicht abgeschlossen.
Nachdem du dich weitgehend aus der Co-Abhängigkeit mit deinem Sohn hast befreien können, scheinen jetzt deine Schwierigkeiten mit Sozialkontakten überhaupt in den Vordergrund zu treten.
Ich habe meinen Patienten gegenüber diese Therapiephase gern mit folgendem Bild erklärt.
Du hast in dir einen gesunden erwachsenen Anteil und ein kleines, ängstliches, verstörtes Kind. Dieser kranke Anteil in dir möchte am liebsten nichts verändern, denn er hat Angst, dass jede Veränderung gefährlich ist, weil sie Enttäuschung und Verletzung nach sich ziehen kann.
Nach dem Motto "Besser ein bekannter Schrecken als ein unbekannter" wehrt sich das kranke kleine Mädchen gegen jeden neuen Schritt, und je mehr es ans "Eingemachte" geht, desto heftiger sträubt es sich.
Diese Gegenwehr deines kranken Anteils äussert sich in Symptomen, und die plötzliche Verliebtheit in deinen Therapeuten ist eins davon.
Die unbewusste Strategie deines kranken Anteils hat beispielsweise dann "Erfolg", wenn du die Therapie abbrichst, weil du dich zu sehr schämst. Dann bleibt der Status Quo erhalten, dein kranker Anteil hat gesiegt, und der gesunde muss dafür büssen und darf sich nicht weiterentwickeln.
Ich rate daher sehr dringend, dass du deinen gesunden Anteil (und deinem Therapeuten vertraust), deinen Mut zusammennimmst und deinem Therapeuten deinen Konflikt in der nächsten Sitzung offenbarst. Er wird mit Sicherheit in der Lage sein, damit professionell umzugehen, und dir dabei helfen, dir die Quelle, aus der diese Gefühle stammen, genauer anzuschauen - und dadurch innerlich wieder ein Stück weiterzukommen.
LG, Dr. Karin Anderson

02.05.2012 23:04 Zitieren Zitieren

loslassen
Pointer-User

02.05.2012 23:04 Zitieren Zitieren

Hallo Frau Dr. Anderson,
vielen Dank für Ihre Erklärung und ich sehe es ähnlich. Heute Nachmittag hat er versucht, mich zu erreichen und es wird vorraussichtlich so sein, wie Sie es vermuten. Ich bin bereit, diese Therapie fortzusetzen und glaube auch, dass er mir aus dieser Krise helfen wird.
Ich freue mich schon sehr auf unser nächstes Gespräch, das anders sein wird als die vorherigen; denn ich kann jetzt ohne Scham offen über dieses Thema reden.
Ich weiß, dass er dieses Vertrauen, was ich in ihn setze, nie ausnutzen würde.
Trotzdem ist es für mich schwierig, da er Dinge über mich weiß, die ich noch niemanden anvertraut habe und das macht mich verletzlich.
Ihnen danke ich sehr; denn Sie haben mir durch Ihre Ratschläge, auch für die anderen User, eine große Angst genommen und es mir erleichtert, auf meinen Therapeuten zu reagieren.
Herzlichen Gruß loslassen

03.05.2012 12:06 Zitieren Zitieren

loslassen
Pointer-User

03.05.2012 12:06 Zitieren Zitieren

Hallo Fr. Dr. Anderson,
heute morgen hat er nochmal angerufen und wir werden die Therapie am Dienstag fortsetzen.Ich freue mich sehr und bin sicher, dass er mir helfen wird.
Danke nochmal für Ihre Hilfe.
Gruß loslassen

03.05.2012 15:09 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
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03.05.2012 15:09 Zitieren Zitieren

Schön, dass meine Erklärungen dir in dieser schwierigen Situation helfen konnten.
Natürlich hast du Recht, dass du gegenüber einem Menschen, der so viel von dir weiss, verletzlich bist.
Aber dieser Mensch ist eben auch der Einzige, der dich wie kein anderer kennt. Er kann dich wohlwollend und verständnisvoll begleiten, so lange du mit ihm zusammen in der Therapie arbeitest, aber auch nach Therapieabschluss - als freundliche innere Stimme, wie von einem guten Vater oder einer guten Mutter.
Du wirst sehen, dass die Bearbeitung dieses Koflikts dich einen grossen Schritt weiterbringen wird.
LG, Dr. Karin Anderson

03.05.2012 21:11 Zitieren Zitieren

loslassen
Pointer-User

03.05.2012 21:11 Zitieren Zitieren

...hab mich schon häufiger gefragt, ob ich vielleicht einen Vaterkomplex habe, obwohl mein Therapeut bestimmt 10 Jahre jünger ist?
Aber er hat eben väterliche Eigenschaften, die mir gut tun.
Herzliche Grüße, loslassen

04.05.2012 17:18 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
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04.05.2012 17:18 Zitieren Zitieren

Nein, das hat nichts mit einem "Vaterkomplex" zu tun. Ein guter Therapeut hat väterliche (oder mütterliche) Eigenschaften, egal wie alt er (oder sie) ist.
Ich habe meinen Lehranalytiker auch wie einen guten Vater empfunden, wohlwollend und annehmend.
LG, Dr. Karin Anderson

 
 

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