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04.08.2005 03:19 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
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04.08.2005 03:19 Zitieren Zitieren

Freundinnen meines Freundes

Liebe Monika, ganz generell laesst sich sagen, dass sehr viele Maenner ein besseres Verhaeltnis zu Frauen als zu Maennern haben. Das Ideal der wunderbaren, lebenslangen Maennerfreundschaft durch dick und duenn gehoert naemlich ins Reich der Legende. Es ist naemlich statistisch erwiesen, dass die meisten jungen Maenner ihre bisherigen Maennerfreundschaften dann sofort vernachlaessigen oder sogar ganz aufgeben, wenn sie die Frau fuers Leben gefunden haben.
Waehrend die meisten Frauen ihre Freundschaften pflegen und Wert auf den Kontakt zu ihren Freundinnen legen, auch wenn sie einen festen Partner haben, sieht das bei Maennern ganz anders aus. Fuer sie reicht die Beziehung zur festen Freundin oder Frau, um alle Beduerfnisse nach Naehe und Verstaendnis abzudecken. Ihr Verhaeltnis zu anderen Maennern ist oft von Konkurrenz gepraegt und sie haben meist auch nie gelernt, sich anderen Maennern anzuvertrauen oder mit ihren maennlichen Freunden ueber Sorgen und Gefuehle zu sprechen Daher werden Maenner oft erst wieder dann aktiv und graben alte Freunde aus, wenn ihre Partnerschaft zerbricht.
Du hast aber sicherlich auch Recht mit deiner Vermutung, dass dein Freund von seiner Kindheit stark gepraet ist. Du sagst, dein Freund ist mit einer strengen und sehr dominanten Mutter aufgewachsen. Er hat also schon frueh lernen muessen, alle Anstrengungen zu unternehmen, um mit Frauen zurechtzukommen. Vermutlich hat er auch feine Antennen entwickeln muessen, um rechtzeitig zu wissen, "woher der Wind weht", wie seine Mutter gelaunt ist und was sie erwartet, um Aerger und Bestrafungen zu entgehen, und sie wohlwollend zu stimmen.
Etwaige Versuche des kleinen Jungen, "nein" zu sagen, sind bestimmt nicht ermutigt, sondern moeglicherweise rigoros von seiner Mutter unterdrueckt worden. Dein Freund hat also sicherlich tatsaechlich nicht gelernt "nein" zu sagen, sondern die Erfahrung gemacht, dass er seine Wuensche und Beduerfnisse (wenn ueberhaupt) nur ueber Umwege durchsetzen kann. Er wird vermutlich auch Auseinandersetzungen und Konfrontationen aus dem Weg gehen und eher passiv aggressiv sein (Untreue?).
Sein Vater war entweder abwesend oder zu schwach, um ein Vorbild und ein Gegengewicht zur starken Mutter darzustellen. Und Brueder hat er offenbar auch nicht. Daher hat er einfach weniger Erfahrung im Umgang mit Maennern.
So ein frauengepraegter Partner hat seine Vor- und Nachteile. Wenn du seine positiven Eigenschaften (Aufmerksamkeit, Einfuehlungsvermoegen, Sensibilitaet) anerkennst und seine negativen (Nicht-Neinsagen-Koennen) weder ausnutzt noch laecherlich machst, kannst du mit einem sehr liebenswerten Partner rechnen. Ermutige ihn, seine Meinung zu sagen, auch wenn sie kontrovers ist, und achte darauf, dass Aerger in eurer Partnerschaft nicht unter den Teppich gekehrt wird,
Du hast es nicht noetig, eifersuechtig zu sein, weil er mit anderen Frauen gut klarkommt und beliebt ist. Schliesslich hat er doch dich ausgesucht, und liebt dich gerade deswegen, weil du so bist wie du bist.
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson

08.08.2005 13:02 Zitieren Zitieren

Monika
Gast

08.08.2005 13:02 Zitieren Zitieren

Hallo Frau Anderson,

ich danke Ihnen vielmals für Ihre ausführliche Antwort. Sie haben in vielen Dingen recht. Es tut gut, eine solche Meinung zu lesen.

Nachdem seine Eltern sich früh haben scheiden lassen, war er nur zeitweise bei seinem Vater. Er hat in seiner Ehe kaum oder keine Zuneigung und Anerkennung erhalten, darum meint er, ist er auch fremdgegangen, um diese zu bekommen.

Ich tu mir wirklich schwer, seine Vergangenheit zu vergessen bzw. einfach hinzunehmen. Aber wieso tut sie MIR denn so weh, obwohl er das ja nicht mir angetan hat? Weil dieser Charakter eben in ihm steckt. Er ist ja zwar nicht mehr so, aber dennoch hab ich ein bissl Angst, daß sein Fremdgeh-Wille aus der Vergangenheit noch immer irgendwo in ihm tief verborgen steckt. Ich mein, wir reden ja über alles, selbst das hier, und er versichert und schwört mir, er würde nie etwas tun, was uns trennen könnte und mir wehtun würde. Das glaub ich ihm auch.

Und Sie es geschrieben haben, weil er so frauengeprägt ist, ist er dafür wirklich ein wunderbarer Partner. Er weint, wenn er glücklich ist, wenn er traurig ist ... kuschelt sich an mich, will mich immer drücken und abschnuddeln, macht mir viele kleine Geschenke, Anerkennungen, schreibt Zettelchen mit Liebesbotschaften ... also genau das Gegenteil von Matcho. Dann haben Sie wohl recht, daß das damit zusammenhängt! So habe ich das noch nicht wirklich gesehen.

Ich versuche ihm eh mal zu erklären, daß er auch mal Nein sagen kann, aber er kann es einfach nicht. Er gibt zig mal lieber, kann dafür aber nur schwer was annehmen. Ärger tun wir immer ausdiskutieren.

Wir sind irgendwie arg: wir kommen mal von 150% mal in minus 150%. Damit mein ich, wir lieben einander unendlich, haben nach 1,5 Jahren nach ein paar Stunden Nichtsehen schon wieder Sehnsucht, sagen einander zig mal am Tag wie sehr wir einander lieben und süchtig nacheinander sind, und auf der anderen Seite, wenn mal Streit ausbricht (meist wegen meiner Eifersucht oder wegen seinen Ausrutschern in seiner Vergangenheit), dann fliegen die Fetzen aber ordentlich. Dann hab ich fast das Gefühl ihn zu "hassen", wenn wir uns so anschreien und streiten.
Warum ist denn das so, obwohl wir doch einander lieben? Oder können wir nicht "richtig" streiten? Das endet dann immer so schmerzhaft, weil wir einander dabei oft verbal wehtun.

Warum ist das so?

Danke nochmal für Ihre Antwort, liebe Grüsse
Monika

13.08.2005 01:26 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
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13.08.2005 01:26 Zitieren Zitieren

Liebe Monika, bitte hab etwas Geduld. Ich bin derzeit auf einem Hypnotherapie-Kongress und auf den PC im "Business -Center" angewiesen. Daher muss ich mich erstmal auf kurze Antworten beschraenken. Ich werde dir antworten, wenn ich wieder zuhause bin.
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson

16.08.2005 23:40 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
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16.08.2005 23:40 Zitieren Zitieren

Liebe Monika, zum Glueck hat jeder von uns ein grosses Entwicklungspotential und kann aus seinen Erfahrungen lernen - auch wenn das oft recht schmerzhaft ist. Dein Freund muss sicherlich lernen, seine negativen Gefuehle besser wahrzunehmen, und Grenzen zu setzen, anstatt zu oft nachzugeben und dann Aerger in sich aufzustauen.
Du musst deinerseits an dir arbeiten, dass du deinem Freund nicht Dinge vorwirfst, die unabaenderbar sind, weil sie in der Vergangenheit passiert sind, wie sein frueheres Fremdgehen. Diese Befuerchtungen haben ja, wie du auch weisst, mehr mit deinen eigenen Selbstwertzweifeln zu tun, als mit dem Verhalten deines Freundes heute, in eurer Beziehung. Ihr habt ja darueber gesprochen, was in seiner damaligen Ehe schiefgegangen ist. Er hat dir erzaehlt, dass er sich von seiner Ex-Frau nicht ausreichend geliebt und anerkannt gefuehlt hat und darum fremdgegangen ist. Nun hat er sich ja aber in dich verliebt und du bist doch anders als seine Ehemalige. Und ihr redet ja auch offenbar ueber eure Gefuehle!
Streiten will tatsaechlich gelernt sein. Zwar ist es manchmal gut, "Dampf abzulassen", wenn danach die Luft wieder rein ist. Aber, wie du beschreibst, knallt es bei euch oft so heftig, dass ihr im Eifer des Gefechts Dinge sagt, die wirklich verletzen. Du kannst aber etwas dazu tun, um diese Situation in eine fruchtbarere Art der Auseinandersetzung umzuwandeln.
Wenn du merkst, dass du wuetend wirst: bevor du etwas sagst, hol erst dreimal ganz tief Luft und atme langsam wieder aus. Damit versorgst du dein Gehirn mit einer Extraportion Sauerstoff und entspannst dich dadurch ein bisschen. Ausserem gewinnst du Zeit, um dir zu ueberlegen, ob dein Aerger wirklich etwas mit deinem Freund - oder aber mehr mit dir selbst zu tun hat. Und ob die Intensitaet deiner Gefuehle wirklich dem akuten Anlass entspricht, oder ob sich alter Aerger mitentladen will. Wenn du dir ueber deine Gefuehle ein bisschen klarer geworden bist, hast du bereits mehr Abstand gewonnen. Dann kannst du dich fragen, ob der jetzige Moment wirklich der geeignete Zeitpunkt ist, um eine fruchtbare Diskussion zu fuehren, oder ob du das heikle Thema lieber auf eine ruhigere Minute verschieben solltest. Das gibt dir naemlich die Moeglichkeit, dir deine Fragen und Argumente zu ueberlegen und sehr viel gelassener anzusprechen.
Wenn es dir gelingt, ruhiger und sachlicher zu argumentieren, wird sich dein Freund auch weniger in die Enge getrieben fuehlen und bereit sein, sich auf das Thema einzulassen. Wenn ihr eure Auseinandersetzungen auf solche "erwachsenere" Weise fuehren koennt, ist auch eine echte Klaerung moeglich und ihr habt einen wichtigen Beitrag fuer die Stabilitaet eurer Beziehung geleistet, auf den ihr stolz sein koennt.
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson

17.08.2005 13:59 Zitieren Zitieren

Monika
Gast

17.08.2005 13:59 Zitieren Zitieren

Danke Frau Anderson vielmals für die ausführliche Antwort.

Ich glaube, das ist ein guter Tipp, vor dem Ausbrechen schlechter Gefühle und Belanglosigkeiten aus der Vergangenheit tiiieeef Luft zu holen. Ich werde es bestimmt nicht vergessen und versuchen beim nächsten Anbahnen eines Streites anzuwenden.

Es ist dann aber leider oft das Problem, daß ich wie im Affekt handle, ich fühl mich so ferngesteuert, es strudelt aus mir heraus, und nachher tut es mir leid. Mir kommt es so vor, wie den das mein "böses" ICH, das kleine Täufelchen die Herrschaft dann über mich hat und es kommt alles nur so aus meinem Mund ohne mal darüber nachzudenken.

Es ist dann umso schlimmer, da er seine Ausreisser auch noch nicht verkraftet hat, da er deswegen und wegen der Scheidung ein schlechtes Gewissen hat. Drum ist gerade dieses Thema furchtbar heikel bei uns beiden.

Ach mei, ich tu halt leider zu viel grübeln. Meine Gedanken schweifen immer von A bis Z und wieder retour, und das zig mal. Noch Monate später denk ich an Kleinigkeiten, die mich mal geärgert haben. Ich merke mir irrsinnig viele Kleinigkeiten, vergesse eigentlich nur sehr wenig (außer das in der Schule Gelernte .. hihi). Ich wünschte, ich würde vergessen bzw. verdrängen können.
Dazu hab ich mir jetzt ein Buch gekauft mit dem Titel: "Warum Frauen zu viel denken" von Susan Nolen-Hoeksema.
Scheint gut zu sein, sie beschreibt nämlich genau das Problem des zu viel Nachdenkens. Ich hoffe, es hilft.

Danke auf alle Fälle, ich werde Ihren Vorschlag bestimmt ausprobieren.

Liebe Grüsse, Monika

 
 

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