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21.05.2005 20:45 Zitieren Zitieren


Gast

21.05.2005 20:45 Zitieren Zitieren

Immer noch Angst vor SVV

Hallo Elisa,
ich habe Deinen Beitrag in dem anderen Forum (zuindest teilweise) gelesen. Ich finde, du hast eine sehr reflektierende Artzu schreiben und siehst demnach deine Probleme größtenteils selsbt. Was mich ein wenig beunruhigtist die Tatsache, daß du erst 13 bist. Wenn ich daran zurückdenke wie ich mit 13 war, welchen Grad a Verantwortung ich getragen habe, dann unterscheidet sich dieser enorm von dem was du zur Zeit trägst. Das soll hier keineswegs abwertend für dich klingen, ich finde es richtig klasse wie du dein Leben praktisch ganz alleine bis hierhin gelebt hast. Und daran, daß du in diese Foren postest, mit deiner Lehrerin redest - und auch das Cutten selbst- ist an und für sich ein Hilferuf. Du merkst selbst, daß du mit der derzeitigen Situation total überladen bist und das nicht mehr kannst, deshalb suchst du dir in dieser Form Hilfe.
Ich kann dir nur empfehlen eine Therapie anzufangen. Leider schreibst du nciht welche Bedenken du hast. Aber ich glaube dir versichern zu können, daß es überhaupt nicht schlimm ist. Überlege dir, daß du eine Therapie nur für dich machst, daß es eine Menge gibt das du zu verarbeiten hast etc... Wenn ich mir deinen Beitrag so durchlese, würde ich fast schon zu dem Ergebnis kommen, daß dir deine Kindheit in gewissen Maße geraubt wurde und du da sicher noch sehr viel Nachholbedarf hast und dir diesen auch zugestehen sollst. Den ersten Schritt hast du schon getan, du hast dich hilfesuchend an veerschiedene Personen gewandt, jetzt mußt du den ncähsten tun und zu einer Therapeutin gehen.
Ich denke, daß eine Psychiatrische KLinik für den Anfang und vor allem in deinem Alter mehrals nur übertrieben ist. Lebst Du jetzt endgültig bei deinen Großeltern oder gehst du wieder zurück zu deiner Mutter?
Gegen das Cutten gibt es so ja kein Mittel. es gibt ja verschiedene Gründe weswegen es getan wird, einige tun es um sich wieder durch den Schmerz wahrzunehmen, in diese Fall bewährt es sich manchmal, wenn etwas alternativ getan wird, z. B. diese kleinen runden genoppten MAssagebälle (gibt es oft in Reformhäusern), wenn du diese in deinen Händen massierst spürst du dich in gewisser Weise auch... Aber die beste Möglöichkeit ist immernoch der THerapeut, denn nur er kann mit dir besprechen wie du es endgültig lassen kannst, wie du von dieser Sucht wegkommst...
Ich wünsche Dir ganz viel Glück und Kraft
Meld dich mal wenn du magst.

06.06.2005 04:04 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

06.06.2005 04:04 Zitieren Zitieren

Liebe Elisa, es tut mir leid, dass ich dir nicht gleich antworten konnte. Ich nehme dein Problem sehr ernst und moechte deswegen auch ausfuehrlich darauf eingehen.
Weisst du, dass die Selbstverletzung bei jungen Maedchen inzwischen haeufiger vorkommt, als Magersucht oder andere Essstoerungen? Du hast ja die Website "Rote Traenen" besucht, und weisst daher, dass du viele Leidensgenossinnen hast.
Ich kann mir gut vorstellen, wie belastet du durch die Wiederholung von Trennungen und Verlassenwerden in deiner Familie bist. Dein Vater leidet, wie du sagst, an schweren Depressionen, und vor der Trennung deiner Eltern hat es ja offenbar schon lange grosse Konflikte in deiner Familie gegeben. Auch deine Mutter kann dir, wie ich aus deiner Beschreibung vermute, aufgrund ihrer eigenen Probleme nicht genuegend Halt oder seelische Unterstuetzung geben, Und dann auch noch die Trennung deiner geliebten Grosseltern!
Mir scheint, dass du viel reifer bist als deine 13 Jahre, weil du bereits soviele schwierige und traurige Erfahrungen machen musstest. Du sagst, du haettest eine Zeit lang viel "Mist gebaut". Du hast also auf eure haeusliche Situation mit Verhaltensstoerungen reagiert, was ein deutliches Zeichen fuer deine seelische Ueberforderung war. Von deinen Eltern konntest du keine Hilfe erwarten, haben sie vielleicht anstatt dessen eher Trost und Unterstuetzung von dir erwartet?
Jugendliche, die sich selbst verletzen, haben sehr oft einen koerperlichen oder seelischen Missbrauch erlitten. Du sagst, es ging in deiner Familie "ziemlich heftig zu". Gab es gewalttaetige Auseinandersetzungen? In jedem Fall bist du mit Sicherheit seelisch und moeglicherweise auch koerperlich verletzt worden, und hast viel Trauer, Enttaeuschung und Wut hinunterschlucken muessen. Auf solche Gefuehle reagieren Menschen unterschiedlich. Entweder sie wenden sie nach aussen gegen ihre Umwelt, etwa in Form von Gewalt oder Zerstoerung. Oder sie richten ihre Aggressionen gegen sich selbst, als Depressionen oder als selbstbestrafendes Verhalten, wie z.B. Selbstverletzungen.
Manche Maedchen erleben das Schneiden, Ritzen oder andere Selbstverletzungsformen als Ventil, durch das der innere Druck herausgelassen werden kann. Oder sie brauchen den Schmerz, um ueberhaupt etwas fuehlen zu koennen, weil sie nur innere Leere spueren. Bei dir war ja dein erstes Mal Ritzen eine Reaktion auf den enormen seelischen Druck, dem du ausgesetzt warst, als sich nun auch noch deine Grosseltern trennten und du damit deine "Ersatzfamilie" verloren hast.
Ich finde es sehr reif und mutig von dir, dass du dich deiner Klassenlehrerin offenbart und ihr von deinem Problem erzaehlt hast. Dieser Schritt, der dir ja sicherlich nicht leicht gefallen ist, zeigt mir, dass du einen starken gesunden Anteil hast und nicht nur ein verstoertes und aengstliches Kind bist. Du hast ja auch die Hilfe deiner Lehrerin annehmen koennen und mit ihr gesprochen oder ihr geschrieben, wenn die Belastung fuer dich wieder unertraeglich wurde. Du hast dich dann nicht wieder selbstverletzen muessen, weil du eine bessere Moeglichkeit gefunden hattest, deine innere Spannung abzubauen.
Wie du sagst, bist du in der Zwischenzeit nur einmal rueckfaellig geworden, nachdem du bei deiner Oma eingezogen bist. Koennte das auch damit zusammenhaengen, dass dich dort vieles an die gluecklicheren Zeiten erinnert hat, als deine Grosseltern noch zusammen waren?
Ich finde es schon eine grossartige Leistung, dass es dir, bis auf dieses eine Mal, fast immer gelungen ist, mit deinen negativen Gefuehlen auf bessere Weise umzugehen, als dich selbst zu verletzen. Ich bin sicher, dass auch deine Klassenlehrerin es so sieht, und froh ist, dass du ihr so sehr vertraust, dass du ihr wieder geschrieben hast. Bitte glaub nicht, dass deine Briefe oder die Gespraeche mit dir eine unzumutbare Belastung fuer sie sind, oder dass sie enttaeuscht von dir sein koennte, weil du einmal rueckfaellig geworden bist! Du darfst stolz auf dich sein, weil du schon ein ganzes Stueck auf deinem Weg, gesund zu werden geschaffst hast. Ihr (oder hier ans Forum) zu schreiben ist kein Zeichen von Schwaeche, sondern von Mut und Staerke!
Du sagst, dass du Angst hast, dich wieder selbst zu verletzen, wenn es dir mal wieder richtig schlecht geht. Eine Therapie waere natuerlich eine gute Moeglichkeit, deine schwierigen Erfahrungen zu verarbeiten. Es muesste aber ein Kinder- und Jugendlichentherapeut sein, zu dem (oder der) du Vertrauen haben koenntest, und wo du dich verstanden fuehlst. Eine solche Vertrauensbasis kam bei deinem Schulpsychologen offenbar nicht zustande.
Um nicht wieder ins selbstverletzenden Verhalten zu geraten, ist es wichtig, etwas anderes zu finden, mit dem du Spannungen, Aerger und traurige Gefuehle abbauen kannst. Mit anderen ueber seine Gefuehle zu sprechen, ist eine Moeglichkeit. Eine andere ist es, seine Gedanken und Empfindungen aufzuschreiben -als Brief, in Tagebuchform, oder auch als Gedicht. Eine andere, sehr gute Moeglichkeit ist es, zu musizieren, Musik zu hoeren, zu zeichnen oder zu malen. Wenn du Lust hast, ein Instrument zu lernen - Musik hat eine starke harmonisierende Wirkung. Und viele Kuenstler haben sich durch Malen oder Zeichnen ueber Depressionen hinweggeholfen.
Eine weitere, sehr empfehlenswerte Methode, Spannungen und Depressionen abzubauen, ist Sport. Wenn du an irgendeiner Sportart Spass hast - koerperliche Betaetigung setzt im Gehirn antidepressive, stimmungsaufhellende Hormone frei, das kennt jeder Athlet aus eigener Erfahrung. Wenn du z. B. eine halbe Stunde joggst, oder radfaehrst, oder schwimmst, wirst du merken, dass der innere Druck ploetzlich fort ist.
Du wirst sehen, jedes Mal, wenn du wieder unter starker Spannung stehst, und eine andere, gesuendere Moeglichkeit findest, damit umzugehen, als dich zu verletzen, wirst du innerlich staerker werden. Du verhinderst damit auch, dass du nach Selbstverletzungen suechtig wirst, wie es leider viele Betroffene werden. Der Schmerz kann naemlich auch bestimmte Stoffe im Gehirn freisetzen, die dann wie eine Droge wirken und auf die Dauer suechtig machen.
Ich traue dir, nach dem, was du geschrieben hast, zu, dass du das schaffen wirst, und dein gesunder Anteil wird dir helfen.
So wichtig es sein kann, zu wissen, dass es auch andere Betroffene gibt, die an diesem Symptom leiden - bei vielen Websites ueber Selbstverletzungen hatte ich den Eindruck, dass dort selbstverletzendes Verhalten nicht mehr als Ausdruck eines seelischen Leidens angesehen wird, sondern dass das Schneiden, Ritzen usw. geradezu idealisiert und als etwas ganz "Besonderes" dargestellt wird, was die Betroffenen interessant macht und aus der Masse der "gewoehnlichen" Menschen heraushebt. Darum sind diese Foren oft keine Hilfe zur Selbsthilfe, sondern bestaerken im Gegenteil eher noch das selbstverletzende Verhalten.
Wenn du magst, kannst du gern wieder schreiben. Ich wuensche dir alles Gute und druecke dir den Daumen.
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson

 
 

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