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26.01.2005 21:05 Zitieren Zitieren

Uli
Gast

26.01.2005 21:05 Zitieren Zitieren

Ernährung

Hallo Frau Dr.Andersen!
Ich weiß jetzt wirklich allein nicht mehr weiter!Mein Problem liegt in meiner Ernährung. Es ist ein ständiges auf und ab und macht mich langsam total fertig. Ich bin 23 Jahre,170cm groß;54kg.Ich möchte einfach wieder richtig essen lernen ohne schlechtes Gewissen und ohne zuzunehmen, lieber noch ein paar Kilo weniger. Ich habe Tage, an denen ich mich super gesund ernähre, Obst und Gemüse,Vollkornprodukte.Darauf folgen Tage an denen ich Appetit auf Süßigkeiten habe und dann esse ich wieder fast gar nix.Das schlimme bei Süßigkeiten ist, daß ich es einfach nicht schaffe nur ein Stück zu essen, irgendwie muß ich dann immer alles essen was ich im Haus habe, obwohl mein Kopf "Nein" sagt. Bitte, bitte geben sie mir einen Tip, wie ich das wieder in den Griff bekomme,daß kann doch alles nicht normal sein, vor allen Dingen,daß ich nach allem was ich zu mir genommen habe ein furchtbares Reuegefühl habe. Ich möchte einfach nur wieder normal essen können.Ich habe auch, wenn ich esse gar nicht mehr das Gefühl satt zu sein, ich kann dann immer weiter und immer mehr essen.Natürlich schwankt mein Gewicht dadurch von Tag zu Tag sehr, was mich auch sehr deprimiert.Ich esse übrigens kein Fleisch.Bitte helfen sie mir!

10.02.2005 20:45 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
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10.02.2005 20:45 Zitieren Zitieren

Liebe Uli, mit einem BMI von 18,7 bist du bereits untergewichtig (Normalgewicht = BMI von 19 - 25), solltest daher auf keinen Fall noch mehr abnehmen. Nach deiner Beschreibung hast du ganz sicher ein Problem mit dem Essen.
Als erste Hilfsmassnahme wuerde ich dir dringend davon abraten, dein Gewicht jeden Tag mit der Waage zu kontrollieren. Damit machst du dich naemlich ganz unnoetig verrueckt. Taegliche Schwankungen sind naemlich etwas ganz Normales, schon allein die Fuellung von Blase und Darm beeinflussen das Gewicht. Auch der Menstruationszyklus spielt eine Rolle dabei, wieviel Wasser im Koerper zurueckgehalten wird. Und ausserdem ist eine Badezimmerwaage kein Praezisionsmessgeraet!
Als Zweites solltest du versuchen, von deinem Alles oder Nichts Prinzip abzuruecken. Nach deiner Beschreibung isst du entweder supergesund - oder superungesund - oder gar nichts. Durch diesen Drang zur Perfektion (supergesund) staut sich bei dir offenbar ein Drang nach "verbotenen Geluesten" (Suessigkeiten) auf, sodass ein Fressanfall folgt. Da du dich selbst offenbar aber unter grossen Druck stellst, und Perfektion erwartest, ueberkommt dich danach Reue und ein furchtbar schlechtes Gewissen. Dann bestrafst du dich fuer deine "Verfehlungen" und verbietest dir das Essen ganz.
Gegen viel Obst, Gemuese und Vollkornprodukte ist natuerlich ueberhaupt nichts einzuwenden, im Gegenteil. Und wenn du dich fleichlos ernaehren moechtest, ist das auch nicht verkehrt, solange du deinen Proteinbedarf auf andere Weise deckst (Milchprodukte, Soja). Aber dir Suesses ganz zu verbieten, schiesst uebers Ziel hinaus, und loest eine unbewusste "Trotzreaktion" aus. Die fuehrt dann dazu, dass du dich nicht mehr bremsen kannst, wenn Suessigkeiten in Reichweite sind, und dich entsprechend vollstopfst.
Kannst du versuchen, dir taeglich etwas Suesses zu erlauben? Etwa einen Schokoriegel? Wenn du befuerchtest, nicht aufhoeren zu koennen, koenntest du dieses Problem loesen, indem du jeden Tag nur eine kleine Portion Suesses kaufst. Und echte "Suechtigmacher" (bei mir sind das Schokocrossies) nur dann besorgst, wenn du genuegend Freunde zum Teilen eingeladen hast.
Mehr Sorgen macht mir deine etwas gestoerte Selbstwahrnehmung (zu dick!) und dein starkes Schuldgefuehl, sobald du "gesuendigt" hast. Wie kommt es, dass du eigentlich am liebsten noch ein paar Kilo abnehmen moechtest, obwohl dein Body-Mass-Index doch zeigt, dass du eher zu wenig wiegst? Warum legst du dir so ein striktes Ernaehrungsprogramm auf, obwohl du weder zu dick, noch krank bist? Warum moechtest du dich so sehr kontrollieren, dass du mit deinen Fressanfaellen das Gegenteil provozierst?
Hinter solch einer Kontrolle mit Fressdurchbruechen verbergen sich oft seelische Probleme. Vielleicht solltest du dir ueberlegen, ob eine Therapie dir helfen koennte, aus diesem Teufelskreis von Esskontrolle und Masslosigkeit herauszukommen.
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson

12.02.2005 20:59 Zitieren Zitieren

Uli
Gast

12.02.2005 20:59 Zitieren Zitieren

Hallo Frau Anderson!
Erstmal tausend Dank, daß sie auf mein Problem eingegangen sind!Ich fühle mich zu füllig, weil ich vor kurzer Zeit noch etwas weniger Gewicht hatte und mich damit weitaus wohler gefühlt habe!Ein Aspekt, der mich vielleicht auch in diesen Teufelskreis getrieben hat ist, daß sich mein Leben ziemlich geändert hat in den letzten Monaten! Ich war ein halbes Jahr arbeitslos und hatte derzeit noch einen Partner, der sich vor 4Monaten von mir getrennt hat, was mir natürlich immernoch sehr weh tut.Dann bin ich wegen meiner neuen Arbeitsstelle in eine Großstadt gezogen, die 500 km von meiner Familie und von meiner gewohnten Umgebung entfernt ist.Somit kenne ich hier keine Menschen außer meine Arbeitskollegen und verbringe die meiste Zeit allein mit mir und beschäftige mich ständig mit dieser verfluchten Ernährung! Was meinen Sie mit Therapie?Ich wünsche mir nichts sehnlicher als diese Geschichte wieder in den Griff zu bekommen!Meine Familie weiß nichts davon und ich weiß sie wären sehr enttäuscht wenn sie wüßten wie schlecht es mir hier geht!Sie denken es geht mir hier gut!Es macht mich langsam echt wahnsinnig, ständig ist in meinem Kopf nur Essen, Essen, Essen drin!Ich will endlich wieder normal werden und meine Gedanken anderen Dingen widmen!

13.02.2005 16:59 Zitieren Zitieren

Dr. Karin AndersonExpoerte
Pointer-Expertin
Benutzerbild

13.02.2005 16:59 Zitieren Zitieren

Liebe Uli, all diese grossen Veraenderungen in deinem Leben reichen vollkommen aus, um deinen seelischen Druck zu erklaeren. Da kommt ja so vieles zusammen, Trennung von Freund, Trennung von Familie und gewohnter Umgebung, Anpassungsanforderungen an Grossstadt und neuen Arbeitsplatz.
Die zwanghafte Beschaeftigung mit dem Essen ist da als Symptom fuer diese schwierige Umgewoehnungsphase zu sehen. So ein Neubeginn, auch wenn er noch so wuenschenswert sein mag, stellt immer eine grosse Krise dar. Sie zu meistern, dauert Zeit und bereitet seelische Schmerzen.
Ich wuerde dir raten, dich ausser deinem Job vor allem darauf zu konzentrieren, dir einen neuen Bekanntenkreis zu schaffen. Wenn dir eine Arbeitskollegin oder ein paar Kollegen sympathisch sind, geh auf sie zu, bitte sie um Rat, was die Arbeit angeht, lade sie in deine neue Wohnung ein, und schlag gemeinsame Aktivitaeten vor. Falls dir kein geeigneter Kollege einfaellt, melde dich zu irgendeinem Fortbildungskurs, Sport, oder einer Interessengruppe an. Irgendetwas, das dich interessiert und unter Leute bringt.
Auch wenn du jetzt 500 km weit weg wohnst, pfleg auch deine alten Freundschaften. Regelmaessiges Telefonieren oder mailen ist ja zum Glueck nicht mehr sehr teuer und haelt dich auf dem Laufenden.
Eine Therapie koennte dir ausserdem dabei helfen, diese problematische Zeit besser zu bewaeltigen. Deine Symptome sind als eine reaktive depressive Verstimmung zu bewerten und eine Behandlung wuerde mit Sicherheit von deiner Krankenkasse uebernommen werden. Schau in die Gelben Seiten unter Aerzte fuer Psychotherapeutische Medizin oder unter psychologische Psychotherapeuten nach. Qualifizierte Therapeuten, seien es Aerzte oder Psychologen, haben eine Kassenzulassung.
Auch wenn aller Anfang schwer ist, dein Entschluss, einen neuen Berufsanfang in einer neuen Umgebung zu wagen, war sicherlich richtig, und wird dich, wenn du diese Uebergangszeit erst einmal ueberwunden hast, bestimmt innerlich weiterbringen und reifen lassen.
Liebe Gruesse, Dr. Karin Anderson

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