Die Sinologie, auch als „Chinawissenschaften“ oder „Chinakunde“ (chinesisch 漢學 / 汉学, Pinyin hànxué ‚Han-Kunde‘) bekannt, ist ein Fachgebiet der Sprach- und Kulturwissenschaften, das im 16. Jahrhundert entstand, und sich mit den Sprachen, Schrift, Politik, Gesellschaft, Philosophie, Literatur, Wirtschaft und Geschichte der Han (漢人 / 汉人, hànrén ‚Han-Volk‘) befasst.

Die Sinologie ist in Deutschland eine noch recht junge Disziplin. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts begann man überhaupt, sich wissenschaftlich mit China zu beschäftigen. In den Jahren 1829–1831 erwarb der Orientalist Carl Friedrich Neumann in Guangzhou 12.000 chinesische Bände, die er nach München verschiffte und die die Grundlage der Ostasiatischen Sammlung der Bayerischen Staatsbibliothek sowie der Staatsbibliothek zu Berlin bildeten. Ab 1833 lehrte Wilhelm Schott in Berlin Chinesisch und chinesische Philosophie. Bahnbrechend in der Chinaforschung waren die geologisch-geografischen Forschungsreisen Ferdinand von Richthofens ab den frühen 1860er Jahren. 1887 wurden das u. a. dem chinesischen Sprachunterricht dienende Seminar für Orientalische Sprachen in Berlin und die ersten sinologischen Seminare eingerichtet. 1889 wurde der erste deutsche Lehrstuhl für Sinologie an der Universität Leipzig eingerichtet, erster ordentlicher Professor war Hans Georg Conon von der Gabelentz, erst 1912 folgte ein Lehrstuhl in Berlin unter J. J. M. de Groot und 1914 am Kolonialinstitut in Hamburg unter Otto Franke.

Während der Kolonialzeit, in der das deutsche Kaiserreich auch die chinesische Kolonie Kiautschou besaß, wuchs das Interesse an der chinesischen Kultur. Das Exil vieler Chinawissenschaftler in der Zeit des Nationalsozialismus schadete der deutschen Sinologie nachhaltig. Seit der Öffnungspolitik der Volksrepublik China in den 1980er Jahren zählt die Sinologie in Deutschland nicht mehr zu den Orchideenfächern und Sinologie-Studienanfängern dieser Zeit wurden gute Berufsaussichten prophezeit. Heute schließen jährlich etwas weniger als 200 Personen (davon mehr als 70 Prozent Frauen) das Studium ab. Sinologen sind weder Dolmetscher noch Wirtschaftsfachleute, allerdings gibt es mit beiden Fächern kombinierte Studiengänge.

Zurzeit sind in Deutschland etwa 1.900 deutsche und 440 ausländische Studierende im Fach Sinologie (inkl. Koreanistik) immatrikuliert[1]. Weniger als 500 Studienanfänger nehmen jährlich das Studium neu auf, während es z. B. in der Anglistik mit jährlich 10.000 Studienanfänger deutlich mehr sind. Die aktuelle Bedeutung Chinas und die häufige Erwähnung des Landes in den deutschen Medien tragen einen Teil dazu bei, dass die Studierendenzahlen in den letzten Jahren, vor allem in Bachelorstudiengängen, steigen.

Für das Studium der Sinologie werden in Deutschland in der Regel keine Vorkenntnisse erwartet, allerdings sind viele Lehrbücher nur auf Englisch verfügbar, was Kenntnisse darin empfehlenswert macht. Heute ist es gängig, einen Teil des Studiums in China oder Taiwan zu verbringen.

Durch die Einführung des Bachelor-Studiengangs an mehreren deutschen Universitäten konnte die Regelstudienzeit zwar auf drei Jahre deutlich gesenkt werden, allerdings geht diese Verkürzung mit einer Eingrenzung der Studieninhalte einher, daher ist in Bachelorstudiengängen eine Spezialisierung auf bestimmte Teilbereiche der Sinologie nötig. So klammert z. B. der Bachelor Modern China in Würzburg die klassische Schriftsprache aus und konzentriert sich inhaltlich auf die jüngste Geschichte und die gegenwärtige soziale, politische, wirtschaftliche und kulturelle Situation Chinas. Für Studierende, die sich umfassend mit China auseinandersetzen wollen, bietet sich im Anschluss ein Masterstudium an.

In den meisten Sinologie-Studiengängen ist das Lehrangebot in chinesischer Sprache nicht ausreichend, dass auch ein Masterstudium im chinesischen Sprachraum angeschlossen werden könnte (laut Fachverband Chinesisch wären dies 1200–1600 Kontaktstunden). Häufig konzentriert sich die Sprachausbildung mangels Personal daher immer noch primär auf passive Lesekompetenz im Chinesischen. Ein Chinaaufenthalt ist zwar selten fest im Studienplan vorgeschrieben, wird aber schon aus Gründen der Vertiefung der Sprachkompetenz empfohlen.

Besonders sozialwissenschaftlich arbeitende Sinologen sind sich bewusst, dass ihre Veröffentlichungen ihre Arbeitsbedingungen in der Volksrepublik China auch existentiell beeinflussen können, da in der Volksrepublik hinsichtlich der Freiheit der Forschung andere Voraussetzungen herrschen, als sie beispielsweise in Deutschland anzutreffen sind.[2] Dieser Umstand ist einerseits eine besondere Herausforderung für die betroffenen Forscher, bietet aber andererseits immer noch die Möglichkeit, in einer Meta-Sinologie durch die „Beobachtung der Beobachter“ (Niklas Luhmann) Kenntnisse über China zu gewinnen.

Quelle: Wikipedia

  • Studienfeld(er)
    Sinologie
  • Zulassungsmodus
    Keine Zulassungsbeschränkung, ohne NC
  • Studienbeginn
    nur Wintersemester
  • Weitere Informationen zu Zugangs- und Zulassungsbedingungen
    Obligatorischer Vorkurs im September vor Studienbeginn; Anmeldung bitte bis zum 15.Juli!
  • Weitere Informationen zu Zugangs- und Zulassungsbedingungen
    Weitere Informationen zu Zugangs- und Zulassungsbedingungen
Zugangsbedingungen
  • Meisterprüfung und/oder gleichwertige berufliche Aufstiegsfortbildung
    • einem Beratungsgespräch an der Hochschule
  • Mehrjährige Berufsausbildung und/oder Berufserfahrung mit fachlicher Nähe zum Studienfach
    • einem Beratungsgespräch an der Hochschule
    • einem Probestudium
  • Vorlesungszeit
    12.04.2021 - 16.07.2021
  • Bewerbungsfrist für Fächer mit Zulassungsbeschränkung
    02.07.2020 - 20.08.2020
  • Anmeldefrist für Fächer ohne Zulassungsbeschränkung
    20.07.2020 - 31.10.2020
  • Bewerbungsfrist für EU-Ausländer
    02.07.2020 - 20.08.2020
  • Bewerbungsfrist für Nicht-EU-Ausländer
    02.07.2020 - 20.08.2020
  • Die Informationen über die Hochschulen und deren Studienangebote werden durch Zugriff auf den Hochschulkompass der HRK erzeugt.
    Stand: 17.04.2021
Elisabeth Lehr
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