Aufgrund der Corona-Krise fürchten Jugendliche vermehrt um ihre Ausbildungsperspektiven (Foto: Heylagostechie/unsplash.com) Aufgrund der Corona-Krise fürchten Jugendliche vermehrt um ihre Ausbildungsperspektiven (Foto: Heylagostechie/unsplash.com)
Umfrage

Corona: Jugendliche bangen um ihre Ausbildung

Die Corona-Krise führt zu wachsender Verunsicherung bei jungen Menschen hinsichtlich der Situation am Ausbildungsmarkt. Das hat eine Befragung der Bertelsmann Stiftung im Auftrag des Meinungsforschungsinstituts iconkids & youth im Februar und März 2021 ergeben. Jugendliche, die demnächst ein Studium anfangen wollen, sehen die Situation hingegen deutlich positiver.

Insgesamt 71 Prozent der befragten 14- bis 20-Jährigen in Deutschland beklagen, dass sich die Chancen auf dem Ausbildungsmarkt durch Corona verschlechtert hätten. Das sind 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders besorgniserregend ist die Situation demnach für Jugendliche mit niedriger Schulbildung, wo 78 Prozent die Situation negativ bewerten. Entspannter sehen das Jugendliche, die demnächst ein Studium anfangen wollen. Dort glauben nur 24 Prozent, dass die Chance auf einen Studienplatz durch Corona beeinträchtigt ist.
 


Diese Unterschiede sind laut Jorg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, berechtigt. Ein Abitur sei quasi eine Studiengarantie. Jugendliche mit niedrigen Schulabschlüssen würden in Krisenzeiten dagegen allein gelassen. Das sei "nicht gerecht".

Das Gefühl, allein gelassen zu werden, zeigt sich auch in der Umfrage. 53 Prozent der Jugendlichen sind der Meinung, dass die Politik wenig oder gar nichts für Ausbildungsplatzsuchende tue. Das sind drei Prozent mehr als bei der Befragung im August 2020. Weitere 20 Prozent sagen, dass die Politik zwar eher viel tue, aber noch nicht genug. Dräger fordert hinsichtlich dessen eine Ausbildungsperspektive für alle, um Chancengleichheit und Fachkräftesicherung zu garantieren.
 


Insgesamt ist das Interesse an einer Ausbildung trotz allem hoch. 41 Prozent der 14- bis 20-Jährigen, die Schüler an einer allgemeinbildenden Schule sind, wollen auf jeden Fall eine Ausbildung machen. Weitere 36 Prozent sind noch unentschieden. Das bedeutet, dass vier Fünftel der Schülerinnen und Schüler eine Ausbildung zumindest als Möglichkeit in Betracht ziehen. Außerdem sind die Jugendlichen mit Ausbildungsplatz oder Zusage zu diesem äußerst zufrieden: Mehr als 80 Prozent geben auf einer fünfstufigen Skala eine positive Bewertung ab. Besonders hoch ist dabei die Zufriedenheitsquote der Jugendliche mit niedriger Schulbildung mit ganzen 95 Prozent.
 


Etwas kritischer wird das Informationsangebot zur Berufswahl bewertet. So halten etwa 79 Prozent der Jugendlichen in Deutschland das Informationsangebot über die Berufswahl insgesamt für ausreichend, allerdings beklagen 54 Prozent, dass sie Schwierigkeiten hätten, sich in der Fülle von Informationen zurechtzufinden. Besonders gut schneiden Hauptschulen hinsichtlich des schulischen Angebots zu Berufsbildung ab: 43 Prozent der Jugendlichen mit niedriger Schulbildung geben an, gut bis sehr gut über Berufe informiert zu sein. Umgekehrt zeigt sich die größte Unzufriedenheit bei den jungen Menschen mit hoher Schulbildung: Hier fühlen sich lediglich 23 Prozent gut bis sehr gut informiert und fast 47 Prozent von ihnen nicht so gut oder gar nicht gut informiert.
 


Befragt wurden 1.700 repräsentativ ausgewählte 14- bis 20-Jährige, davon 1.593 mittels Online-Befragung und ergänzt um Face-to-Face-Interviews mit 150 Hauptschülerinnen und Hauptschülern. Die Daten wurden nach Schulbesuch und -abschluss gewichtet.

[PA]

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