Das "MINT Nachwuchsbarometer 2021" zeigt einen Anstieg der Ausbildungsabbrüche im naturwissenschaftlichen Bereich (Bild: acatech) Das "MINT Nachwuchsbarometer 2021" zeigt einen Anstieg der Ausbildungsabbrüche im naturwissenschaftlichen Bereich (Bild: acatech)
Studie

"MINT Nachwuchsbarometer": Jede fünfte MINT-Ausbildung wird abgebrochen

MINT steht für die Fachbereiche Mathematik, Informatik, Natur- und Ingenieurswissenschaften und Technik. Mithilfe des "MINT Nachwuchsbarometers" messen die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) und Körber-Stiftung jährlich die Situation der technisch-naturwissenschaftlichen Bildung in Deutschland. Dieses Jahr zeigt sich: Jedes fünfte MINT-Ausbildungsverhältnis in Deutschland wird abgebrochen. Zurückzuführen ist die hohe Abbruchquote demnach teils auf eine fehlende Passung, teils auf eine fachliche Überforderung im Ausbildungsberuf. Außerdem wurden letztes Jahr mit 160.000 Ausbildungsverträgen im MINT-Bereich rund 21.000 Ausbildungsverträge weniger abgeschlossen als im Vorjahr 2019. Ein Viertel des Rückgang ist laut der Bundesagentur für Arbeit auf die Corona-Pandemie zurückzuführen.
 


Gründe für diese negative Entwicklung sehen die Studienautoren unter anderem in den Kompetenzen der Grundschulkinder. Ihrer Auffassung nach gibt es zu viele leistungsschwache MINT-Schülerinnen und Schüler in Deutschland. Die Kompetenzen der Grundschulkinder im Vergleich zur EU und OECD seien mittlerweile sogar unterdurchschnittlich. So erreiche ein Viertel der Kinder nicht einmal die für die weiterführende Schule erforderlichen mathematischen Kompetenzen. In den Naturwissenschaften – in der Grundschule im Sachkundeunterricht integriert – sei diese Gruppe seit 2015 sogar angewachsen.
 


Außerdem ist die Wahl der MINT-Bereiche offenbar immer noch "Männersache". Deutlich wird das an der Wahl der Leistungskurse. Immer noch werden Physik-Leistungskurse in Deutschland von Schülern dominiert: Nur jedes vierte Kursmitglied ist weiblich. Zudem wurden nur 11 Prozent der neu abgeschlossenen MINT-Ausbildungsverträge von jungen Frauen abgeschlossen, ein ingenieurwissenschaftliches Studium beginnen nur zu 25 Prozent Studentinnen. Immerhin bleibt die Zahl der MINT-Studienanfängerinnen und -anfänger weitestgehend stabil. Doch auch wenn sich Studienanfängerzahlen im Lehramtsstudium Informatik seit 2015 fast verdoppelen, sind es mit 159 Studienabschlüssen im Jahr 2020 zu wenige, um angemessen auf die erhöhten Bedarfe zu reagieren.
 


Angesichts dessen und auch im Hinblick der Pandemiesituation fordern die Studienautoren eine Weiterentwicklung der digitalen Bildung. Wichtig seien dafür neben Lehrkräftebildung auch die Investition und Entwicklung von intelligenten Lernsystemen, den Intelligenten Tutoriellen Systeme (IST). Tatjana König, Vorständin der Körber-Stiftung, betont in einer Pressemitteilung der acatech: "Die Schulschließungen aufgrund der Pandemie führen uns besonders schmerzhaft vor Augen, dass chancengerechte Bildung für alle Kinder und Jugendliche unabhängig von ihren kulturellen und sozialen Hintergründen sowie ihrem Geschlecht noch lange nicht erreicht ist."

acatech-Präsident Jan Wörner stellt an selber Stelle den Wert von MINT-Bildung heraus: "Die Herausforderungen der Gegenwart wie der Zukunft sind ohne MINT nicht zu lösen: Für Pandemie-Bekämpfung, Klimaschutz oder digitale Transformation braucht es technische und naturwissenschaftliche Bildung. MINT-Wissen macht die Welt aber ganz allgemein zu einem noch interessanteren Ort – diese Perspektive müssen wir den Menschen eröffnen."

[PA]

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