Die Biochemie-Studentin Katharina Tartler klärt mit der Iniative "VACCtion" über Impfungen auf (Foto: U. Benz/TUM) Die Biochemie-Studentin Katharina Tartler klärt mit der Iniative "VACCtion" über Impfungen auf (Foto: U. Benz/TUM)
Initative "VACCtion"

Studentin gegen Fake News über Impfungen

Entscheidungen zu Impfungen basierend auf wissenschaftlich belegten Informationen fällen - das sollen die Menschen können. Dabei helfen die Online-Vorträge der Initative "VACCtion". Das ist eine Initiative von Studierenden der Technischen Universität München (TUM), wie die Hochschule mitteilt. Das Ganze startete 2019 als Einzelprojekt der Biochemie-Studentin Katharina Tartler. Als in ihrem Umfeld immer mehr Verschwörungstheorien zum Thema Impfen auftauchten, machte sie das traurig, da sie Impfungen zu einer der größten Errungenschaften der Wissenschaft zählt. 2019 stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Impfgegner als eine der zehn größten Bedrohungen der globalen Gesundheit ein. Die 24-Jährige wollte diese Bedrohung nicht widerstandslos hinnehmen, wie sie in einer Pressemitteilung ihrer Hochschule ausführt.
 


Das Problem beim Image von Impfungen liegt ihrer Ansicht nach im Paradoxon, das Impfungen mit sich bringen. Zwar sinken mit steigenden Impfquoten die Krankheitsinzidenzen. Dies bedeutet allerdings gleichzeitig, dass ist die Krankheit dann in den Köpfen der Menschen auch weniger präsent ist. Daher wird sie weniger gefürchtet, und die Impfquoten sinken, was die Krankheit wieder gefährlich macht. Als Beispiel nennt Tartler die USA, die in den frühen 2000ern für masernfrei erklärt wurde. Dennoch wurden beim Masernausbruch 2019 dann in den ersten vier Monaten des Jahres über 700 Fälle in den USA gemeldet.
 


Anfangs wurde Tartler bei ihrem Projekt, wissenschaftlich über Impfungen aufzuklären, nur von ihrem Freund unterstützt. Der Chemiedoktorand las Korrektur und schnitt Videos für die Vorträge. Im August 2019 hielt Tartler dann ihren ersten Vortrag beim Seniorenclub ihres Pfarrverbands. Inzwischen hat sie durch Werbung nach den Vorlesungen acht weitere Gruppenmitglieder angeworben. Alle kommen aus der Naturwissenschaft, jedoch aus unterschiedlichen Richtungen. Es sind Doktoranden und auch Lehramtsstudierende dabei.

Fast jeder der Gruppe hat inzwischen selbst einen Vortrag gehalten. Diese Vorträge unterscheiden sich von Publikum zu Publikum. Zuerst beschreiben die Vortragenden allgemein, wie das menschliche Immunsystem und wie die aktiven und passiven Impfungen funktionieren, dass Impfungen die natürlichen Mechanismen des Körpers ausnutzen und das Immunsystem quasi "vorwarnen". Tartler sagt: "Wir unterscheiden die aktiven Impfungen nach Lebend-, Tot- und genbasierten Impfstoffen, wie die Corona-Impfungen". Bei Schulvorträgen erklärt die Gruppe das Immunsystem und die verschiedenen Krankheitserreger ausführlicher. Sie versucht zudem, interaktiver zu sein, indem sie mit der mentimeter-App von den Schülern ein Echtzeit-Feedback einholt, das in einer Word-map für alle sichtbar wird.

Auch mit Impfbedenken setzt sich die Gruppe laut Tartler in ihren Vorträgen auseinander. Oft begegnet Tartler beispielsweise die Ansicht, dass schädliche Zusatzstoffe enthalten seien, oder Menschen haben Angst vor starken Nebenwirkungen. Zur Ansicht "Impfungen sind nur eine Masche der Pharmaindustrie, um Geld zu verdienen" bezieht die Gruppe ebenfalls Stellung. Sie versucht dann, diess Vorurteil zu entkräften beziehungsweise in Relation zu setzen, indem sie etwa Grafiken zu den umsatzstärksten Arzneimitteln zeigt. Da ist unter den Top Ten nämlich nur eine einzige Impfung dabei und zwar die gegen Pneumokokken. Allerdings befindet sich auch diese Impfung im hinteren Umsatzbereich. Bei den genbasierten Corona-Impfungen ist die größte Befürchtung der meisten Menschen laut Tartler, dass sie sich in das Erbgut einbauen. Die mRNA-Impfungen kommen jedoch nicht mit dem eigenen Erbgut in Kontakt und werden auch sehr schnell wieder abgebaut, wie Tartler erklärt. Das ist übrigens auch bei der AstraZeneca-Impfung der Fall.
 

[PA]

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