Hirnforschung

Wie das Hirn zum Experten wird

published: 18.05.2011

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Ein deutsches Wissenschaftlerteam von der Berliner Charité hat herausgefunden, wie ein Mensch zum Fachmann wird. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Neuron" zeigen sie: Nicht durch das visuelle Verarbeiten von immer mehr Details wird man zum Experten, sondern durch die Fähigkeit, Feinheiten immer besser zu unterscheiden.

Hirn lernt nicht mit dem Auge

Die Forscher um Prof. John-Dylan Haynes, Leiter des Berlin Center For Advanced Neuroimaging an der Charité, haben am Beispiel visueller Reize untersucht, wie sich die Hirnaktivität im Laufe des Lernprozesses verändert. Dafür maßen sie Änderungen der Nervenzellaktivität im Gehirn mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT). Ihre Überlegung lautete: Beruht der Lerneffekt vor allem auf einer detaillierteren Darstellung der Reize, so sollte in erster Linie das Sehzentrum aktiv sein. Ist hingegen die Interpretation der Reize im Gehirn der Grund für die Fortschritte der Lernenden, so sollte sich das in den Bereichen zeigen, die für Entscheidungen eine Rolle spielen. "Die fMRT-Messungen zeigten deutlich, dass die Aktivität im Sehzentrum während des gesamten Lernvorgangs gleich blieb", erklärte Prof. Haynes.

Immer mehr Details

Eine Region im Präfrontalen Kortex aber, die bei der Interpretation von Reizen eine wichtige Rolle spielt, wurde stetig aktiver. Daraus schlossen die Forscher, dass der Lernvorgang auf der Ebene der Entscheidungsfindung stattfindet. "Wenn sich unsere Wahrnehmung beim Lernen schärft, dann liegt dies nicht so sehr daran, dass mehr Information das Gehirn erreicht", folgerte Prof. Haynes. "Stattdessen lernen wir, mit der gegebenen Information immer mehr anzufangen. Wir sehen nach und nach in Bildern Details, die uns zu Beginn nicht bewusst sind."

Auf der Basis der Studie könne nun untersucht werden, ob ähnliche Effekte auch bei Weinkennern oder Spitzenköchen gelten.

[TK]

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