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Europakongress

Spannungsfeld zwischen Wettbewerb und Staatsmedizin

published: 21.05.2011

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"Was können Deutschland und England voneinander lernen, wenn es um das Gesundheitswesen geht?" Diese Frage stand heute im Mittelpunkt des zweiten Europakongresses in Hamburg. Rund 300 Experten aus Wissenschaft und Politik aus 20 Ländern trafen sich an der Alster, um Systeme und Trends diesseits und jenseits der Nordsee miteinander zu vergleichen und zu diskutieren. Eingeladen hatten die Techniker Krankenkasse (TK), das Wissenschaftliche Institut der TK (WINEG) und die Europäische Gesundheitsmanagement Vereinigung (EHMA).

In England gegenteilige Entwicklung

Während die jüngsten Reformen das deutsche Gesundheitssystem immer weiter in die Nähe staatlicher Regulierung geführt haben, erlebt England gerade die gegenteilige Entwicklung: "In den letzten zehn Jahren haben die Reformen des britischen Gesundheitssystems neue gewinnorientierte und gemeinnützige private Dienstleister auf den Plan gerufen. Das hat dazu geführt, dass nun auch staatliche Anbieter unabhängiger wurden und weniger unter der direkten Kontrolle des Gesundheitsministeriums stehen", erläuterte Professor Kieran Walshe von der Universität in Manchester.

Das Gegenteil beobachtet Professor Dr. Norbert Klusen auf dieser Seite des Ärmelkanals: "Deutschland ist Weltmeister im Bereich Gesundheitsreformen. Nicht alles daran war schlecht. Doch behindern zu viele einzelne Gesetze, zu viel Regulierung und ein zu fein gesponnenes Netz zentralistischer Kontrolle die Innovationsfähigkeit und Veränderungsbereitschaft aller Beteiligten. Wir brauchen weniger Staatsnähe und mehr Freiheit im Wettbewerb", mahnte der Vorsitzende des Vorstandes der Techniker Krankenkasse.

Mehr Wettbewerb führt zu Erfolg

Eine derartige Abkehr von zentralistischer Staatsmedizin erfährt gegenwärtig Großbritannien. "Mit Erfolg", berichtet Dr. Jennifer Dixon, Direktorin des 'Nuffield Trusts' in London: "Im Vergleich zu anderen sechs Ländern des Commonwealth ist England in den letzten Jahren in punkto Pflegequalität und Effizienz des Eigenkapitals auf Platz eins vorgerückt." Auch die Wartezeiten seien dramatisch gesunken. "Der National Health Service war nie besser aufgestellt als heute", so Dixon weiter. Dennoch müssten Effizienz und Produktivität weiter steigen, um die Herausforderungen der Zukunft wie den demografischen Wandel meistern zu können.

Auch Dr. Jens Baas, Mitglied des Vorstandes der Techniker Krankenkasse, forderte mehr Wettbewerb als Motor für Innovationen und Effizienz an: "Im Interesse von Transparenz und Bestleistung brauchen Krankenkassen keine Wettbewerbsrhetorik, sondern verlässliche Wettbewerbsbedingungen", so Baas. Nur so könne ein Gesundheitssystem entstehen, in dem der individuelle Patient das Handeln bestimmt und Qualität zum Wettbewerbsfaktor Nummer eins wird.

Neue Zusammenarbeit

Ein weiteres zentrales Thema des Kongresses war eine neue Richtlinie der Europäischen Union (EU), die Patienten EU-weit eine sichere und qualitativ hochwertige Behandlung in allen Mitgliedsländern und die entsprechende Erstattung der Kosten zusichert. Annika Nowak: "Die Richtlinie bietet nicht nur einen schlüssigen und einheitlichen Rahmen zur Kostenerstattung bei grenz-überschreitender Gesundheitsversorgung", betonte die Direktorin der Abteilung Gesundheit und Verbraucher der Europäischen Kommission in Brüssel. Nowak verspricht sich von der Richtlinie auch, dass diese eine neue Phase der Zusammenarbeit zwischen den 27 nationalen Gesundheitssystemen einläutet.

Weitere Informationen zum Thema gibt es im Internet unter www.healthcareconference.eu.



[TK]

Links

www.healthcareconference.eu

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