Neue Studie

Schüler versagen bei Wahrscheinlichkeiten

published: 04.07.2011

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Grundschulkinder haben große Schwierigkeiten, Wahrscheinlichkeiten richtig zu beurteilen. Dies zeigt eine Studie von Wissenschaftlern der Technischen Universität München (TUM) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Die Hochschulen berichten darüber in einer Pressemitteilung.

160 Schüler untersucht

Im Alltag muss jeder Mensch immer wieder Wahrscheinlichkeiten einschätzen und Schlussfolgerungen aus wissenschaftlichen Ergebnissen ziehen – egal ob es um den Einsatz beim Lotto oder die Erfolgschancen medizinischer Therapien geht. Die Grundlagen für diese Fähigkeiten werden in der Schule gelegt. Um herauszufinden, wie erfolgreich Kinder Verständnis für wissenschaftliche Beweisführungen und Wahrscheinlichkeiten entwickeln, haben Didaktiker der TUM und Entwicklungspsychologen der LMU die Fähigkeiten von insgesamt rund 160 Schülern aus den Klassen zwei, vier und sechs untersucht.

Differenz statt Porportionen

Auf einer sogenannten Kontingenztafel mit vier Feldern zeigten die Forscher den Kindern etwa, wie Bäume auf zwei verschiedene Sorten Dünger reagierten: Mit Dünger aus einer blauen Packung wuchsen 24 Bäume gut, 12 gingen ein. Mit Dünger aus einer gelben Packung wuchsen drei Bäume gut, einer ging ein. Die meisten Schüler hielten jedoch den Dünger aus der blauen Packung für besser. "Sogar viele Sechstklässler wählen die falsche Strategie und missachten die Proportionen", sagt TUM-Didaktikerin Prof. Kristina Reiss. "Sie vergleichen stattdessen die Differenz aus 24 und 12 mit der Differenz aus 3 und 1. Deshalb kommen sie auf einen vermeintlich besseren Wert für den blauen Dünger."

Auch zwischen unmöglich und unwahrscheinlich zu unterscheiden, fällt den Schülern schwer. Noch in der vierten Klasse halten es viele Kinder für unmöglich, aus einem Sack mit 99 blauen und einem roten Würfel den roten zu ziehen.

Verständnis für Wahrscheinlichkeit fehlt

"Den Kinder fehlen das Verständnis für Zufall und Wahrscheinlichkeit sowie Strategien, um Daten zu analysieren – obwohl sie in diesem Alter bereits ausgeprägte kognitive Kompetenzen entwickelt haben", sagt LMU-Entwicklungspsychologin Beate Sodian. Beispielsweise verstehen schon Zweitklässler intuitiv, dass eine große Datenmenge aussagekräftiger ist als eine geringere. Die Wissenschaftler wollen nun solche Kompetenzen der Kinder identifizieren und darauf aufbauend Methoden entwickeln, wie das Wahrscheinlichkeitsverständnis im Unterricht gefördert werden kann.

Ihr Forschungsprojekt gehört zum DFG-Schwerpunktprogramm "Wissenschaft und Öffentlichkeit – Das Verständnis fragiler und konfligierender Evidenz". Zwischenergebnisse des Programms wurden auf der Konferenz "Public Understanding and Public Engagement with Science" im German Center for Research and Innovation in New York diskutiert und präsentiert.

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