Zehn-Jahres-Studie der Universität Hohenheim

Online-Shopping verdoppelt

published: 26.08.2011

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2010 haben 86 Prozent aller Internet-Nutzer das Web für einen elektronischen Einkauf genutzt, mehr als doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Ein Beispiel für den weltweiten Siegeszug des Internets, den die Forscher der Universität Hohenheim jährlich in aktuellen Zahlen erfassen. Die Studie zu Internetnutzung und E-Commerce ist Bestandteil eines Langzeit-Forschungsprojektes der Forschungsstelle für Medienwirtschaft und Kommunikationsforschung der Universität Hohenheim.

Waren im Jahr 2000 kaum 20 Prozent der Deutschen im Internet aktiv, sind es heute 71,9 Prozent, darunter immer mehr Ältere, wie die Universität mitteilte. Ostdeutsche liegen im Bundesvergleich hingegen etwas weiter zurück als noch im Jahr 2005. "Die Verbreitung des Mediums setzt sich ungebrochen fort – in Deutschland wie weltweit", resümiert Prof. Dr. Michael Schenk, Professor für Kommunikationswissenschaft und Sozialforschung der Universität Hohenheim, die Zehn-Jahres-Bilanz der Langzeitstudie. "In manchen Bevölkerungsgruppen – wie etwa bei den jungen, hochgebildeten Menschen – sind inzwischen nahezu 100 Prozent online."

Europäer sind die fleißigsten Surfer

Weltweit zeigt sich heute hingegen ein ähnliches Bild wie in Deutschland im Jahr 2000: Gerade einmal 23 Prozent der Weltbevölkerung oder 1538 Millionen Menschen nutzen aktuell das Internet. Die meisten leben in der Volksrepublik China (298 Millionen) und in den USA (231 Millionen). In absoluten Zahlen weist China folglich die meisten Internetnutzer auf. In relativen Zahlen erreicht das Internet in China im weltweiten Vergleich allerdings nur einen durchschnittlichen Verbreitungsgrad von 22 Prozent.

Die größte prozentuale Verbreitung besitzt das Internet in nordeuropäischen Staaten – angeführt von Schweden mit 88 Prozent, gefolgt von den Niederlanden, Dänemark, Finnland und Norwegen. Deutschland liegt gleich mit Japan, dicht gefolgt von den USA.

Innerhalb Deutschlands wird vor allem in den Stadtstaaten wie Bremen (74,2 Prozent) und Berlin (73,3 Prozent) im Internet gesurft. Baden-Württemberg ergattert mit 72 Prozent den dritten Platz. "Erstaunlich, denn im Gegensatz zu den technologischen Ballungsräumen der Stadtstaaten musste Baden-Württemberg in den ländlichen Räumen zunächst eine entsprechende Infrastruktur aufbauen", urteilt der Leiter der Studie, Prof. Dr. Schenk.

Bücher und Eintrittskarten sind die Topseller

Besonders beliebt sind Anbieter, die Möglichkeiten zur Onlinekommunikation bereitstellen, wie beispielsweise T-Online, Web.de, Yahoo! Deutschland oder MSN und GMX. Auch die klassischen Medien – allen voran die Bildzeitung – sind sehr beliebt bei den Usern. E-Commerce hat sich inzwischen fest etabliert, was an der starken Nutzung von eBay deutlich wird: Hinter T-Online mit einem Nutzungsgrad von 53,1 Prozent nimmt eBay.de mit 45,4 Prozent den zweiten Platz der Top20 Internetangebote ein.

"Die Deutschen kaufen vor allem Bücher, CDs, DVDs und Eintrittskarten im Netz. Auch Flug- und Bahntickets, Hotelreservierungen, Reiseangebote und Bekleidung werden immer häufiger im Netz geordert", weiß Prof. Dr. Schenk. Hinzu kommt ein weiterer Trend: "Viele User kaufen zwar nach wie vor im Laden, nutzen das Web jedoch, um sich Informationen und Vergleichsangebote zu beschaffen." Bei dieser Gruppe handle es sich, laut den Experten, um die potentiellen Online-Shopper von morgen.

Digitale Spaltung der Gesellschaft

Dennoch kaufen nicht alle Bürger gleichermaßen im Netz, so das Ergebnis der Hohenheimer Wissenschaftler. "Gingen wir vor ein paar Jahren noch davon aus, dass der Trend in Kürze alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen erfassen wird, stellen wir auch im Jahr 2010 erneut fest, dass junge Männer zwischen 20 und 29 mit gehobenem Bildungsniveau weit häufiger von den Verkaufsangeboten im Netz Gebrauch machen als andere", erklärt Prof. Dr. Schenk.

Positiv bewertet der Forscher, dass gerade ältere Nutzer in den letzten Jahren zusehends ihre Scheu gegenüber dem neuen Medium abgelegt hätten. Auch Frauen wiesen starke Zuwachsraten auf. Jedoch: Der Abstand zwischen Ost und West sei gegenüber dem Jahr 2005 wieder etwas größer geworden.

Für die meisten Deutschen noch sehr exotisch sind öffentliche Internet-Tagebücher, die sogenannten Blogs, oder Podcasts, Plattformen für den Austausch privater Fotos, Videos und Musikdateien übers Netz. Diese neuen Möglichkeiten des Web 2.0 werden bisher fast ausschließlich in den jungen und modernen Milieus genutzt.

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