Forschung am Universitätsklinikum Rostock

"Zappelphilipp-Syndrom" bei Erwachsenen

published: 03.12.2011

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"Ob Menschen Frühaufsteher oder Nachtschwärmer sind, ist zumindest teilweise genetisch vorprogrammiert; und dieses 'genetische Programm des Tag-Nacht-Rhythmus' scheint bei Menschen mit ADHS fundamental gestört zu sein", sagt Professor Dr. Dr. Johannes Thome, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Rostock. Das ADHS genannte "Zappelphilipp-Syndrom" bei Erwachsenen? Die Erwachsenenpsychiatrie beschäftigt sich weltweit mit diesem Thema erst seit wenigen Jahren“, sagt Professor Thome. Seine Erkenntnisse veröffentlichte der Wissenschaftler zusammen mit Dr. Andrew Coogan von der National University of Ireland, Dr. Alison Baird und weiteren Wissenschaftlern aus Swansea in der Fachzeitschrift "Molecular Psychiatry".

Konzentrationsschwierigkeiten

"Bei Kindern ist AHDS sehr gut erforscht", so Thome. "Viele Patienten verlieren diese psychische Störung aber nicht, wenn sie 18 sind". Bei etwa einem Drittel der Patienten wächst sich ADHS nicht aus. Für sie gibt es kaum fachärztliche Betreuung in Deutschland. Die Betroffenen haben erhebliche Konzentrationsschwierigkeiten, Probleme im Beruf und Privatleben, verpassen Termine. Sie leiden unter Schlafdefizit und Stimmungsschwankungen, sind überaktiv und impulsiv, haben ihr Leben nicht im Griff. Wenn diese Patienten dann zum Alkohol greifen, gesellt sich ein Suchtproblem dazu. Etwa drei bis fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind schätzungsweise von ADHS betroffen.

Gestörter Rhythmus

"Wir haben beobachtet, dass der 24-Stunden-Rhythmus bei psychisch Kranken häufig gestört ist", so Thome. "Es gibt Hinweise, dass der Rhythmus bei ADHS-Patienten verkürzt ist". Sie schlafen wenig und fühlen sich morgens müde. Auch finden sich in dieser Patientengruppe sehr viel häufiger "Nachtschwärmer" als in der Normalbevölkerung.

Am Uni-Klinikum Rostock wird jetzt der Lebens-Rhythmus von erwachsenen ADHS-Patienten untersucht. Die Medizin-Forscher suchen nach den genetischen, zellulären und molekularen Veränderungen, die für den gestörten Zeitrhythmus bei ADHS im Erwachsenenalter verantwortlich sind. Den Aktivitätszustand von Patienten verfolgen die Rostocker Forscher über eine Acti-Watch, einen Miniaturcomputer, der aussieht wie eine Quarzuhr und am Handgelenk getragen werden kann. So wird der Tag-Nacht-Rhythmus aufgezeichnet.

Die Forscher untersuchen zusätzlich nach einer eigenständig entwickelten Methode die sogenannten Clock-Gene. "Das ist kein Gentest", stellt Thome klar. Vielmehr wird die Menge des Genproduktes gemessen, das für die innere Uhr des Menschen verantwortlich ist. "Erhalten wir den Nachweis, dass die Genproduktion für den 24-Stunden-Rhythmus gestört ist, haben wir die wissenschaftliche Erklärung dafür, warum Erwachsene mit ADHS häufig Probleme mit ihrem Tages- und Nachtrhythmus haben". Diese Erkenntnisse könnten auch zur Entwicklung neuer Therapieansätze beitragen.

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