Wissenschaft

Grübler oder Macher?

published: 02.02.2012

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Hirnmechanismen von Menschen, die das Ziel stets vor Augen haben, und solchen, die sich leicht durch Überflüssiges ablenken lassen, unterscheiden sich. Das fand ein Team der RUB-Arbeitsgruppe Motivation um Psychologin Dr. Marlies Pinnow heraus. Die Forscher stellten fest, dass "Grübler" (lageorientierte Personen) länger für die Bearbeitung einer bestimmten Aufgabe brauchten als "Macher" (handlungsorientierte Personen). Gleichzeitig registrierten sie mittels EEG, dass im Gehirn das Kontrollzentrum für Handlungssteuerung bei lageorientierten Menschen später aktiviert wurde als bei handlungsorientierten.

Irrelevantes ausblenden

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bestimmten zunächst mit Fragebögen, welche ihrer 42 Probanden sich als lageorientiert und welche sich als handlungsorientiert einschätzten. Aufgabe der Versuchsteilnehmer war es dann, eine Taste zu drücken, sobald ein "X" in einem von zwei Kästchen erschien. Bevor das "X" auftauchte, wurde eines der Kästchen gelb markiert. In 50 % der Fälle wurde das "X" in demjenigen Kästchen gezeigt, das nicht markiert war ("invalide Folge"). Um gut abzuschneiden, durften sich die Probanden also nicht von der Markierung ablenken lassen. Handlungsorientierten Personen gelang das besser als lageorientierten Probanden. Sie reagierten deutlich schneller in den schwierigen, invaliden Durchgängen, da sie irrelevante Informationen leichter ausblenden.

Unterschiede in der Psychotherapie beachten

Die Unterschiede zeigten sich auch in der EEG-Ableitung im präfrontalen Kortex, dem Zentrum für Handlungssteuerung. Diese Hirnregion wurde bei lageorientierten Personen später aktiv. "Das heißt aber nicht, dass man sich selbst hilflos ausgeliefert ist", betont Pinnow. "Wenn man sich selbst bewusst ist, wie man sich in bestimmten Situationen verhält, kann man sein eigenes Verhalten besser steuern, durch bewusste Maßnahmen den Kopf überlisten." Die Psychologin fordert daher, Lage- und Handlungsorientierung auch in der Psychotherapie zu berücksichtigen. Zusammen mit dem Adipositaszentrum für Kinder und Jugendliche in Oberhausen hat sie spezielle Therapieansätze für Übergewichtige entwickelt. "Ein Lageorientierter kann nicht ausblenden, dass es überall um ihn herum Nahrungsmittel gibt, die rufen ‚Iss mich! Iss mich!‘", illustriert sie. Die neue Therapie fördert daher gezielt die Selbststeuerungskompetenzen.

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www.rub.de/rubin

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