Plagiate im Studium

Jeder vierte Student schummelt

published: 14.05.2012

Fast jeder vierte Student hat laut einer Umfrage schon einmal bei einer wissenschaftlichen Arbeit geistigen Diebstahl begangen (Foto: shutterstock.com/Guy Ben) Fast jeder vierte Student hat laut einer Umfrage schon einmal bei einer wissenschaftlichen Arbeit geistigen Diebstahl begangen (Foto: shutterstock.com/Guy Ben)

Knapp jeder vierte Student hat sich laut einer Umfrage der Universität Leipzig schon einmal bei einer wissenschaftlichen Arbeit mit fremden Federn geschmückt. Bei einer empirischen Studie von Ben Jann, Julia Jerke und Ivar Krumpal des Instituts für Soziologie, die kürzlich in der Zeitschrift "Public Opinion Quarterly" veröffentlicht wurde, gaben 22 Prozent der befragten Studierenden an, schon einmal bewusst eine Textpassage aus einem fremden Werk übernommen zu haben, ohne diese als Zitat zu kennzeichnen.

Erhöhter Leistungsdruck

"Aufgrund der Fülle von Informationen im Internet war es noch nie so leicht wie heute, fremde Gedanken, Ideen und Konzepte in die eigene Arbeit einzubauen und unter Anmaßung der Autorenschaft fälschlicherweise als Eigenleistung auszugeben", so Studienautorin Julia Jerke. Zugleich habe sich mit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge der Leistungsdruck erhöht, von Beginn des Studiums an gute Prüfungsnoten zu sammeln und nicht erst wie früher am Ende in den Abschlussprüfungen.

Mehr als ein Prozent der anonym Befragten gestanden sogar ein, dass jemand anderes den Großteil einer wissenschaftlichen Arbeit für sie geschrieben habe oder sie eine fremde Arbeit vollständig übernommen hätten. "Auf den ersten Blick erscheint diese Zahl nicht hoch", sagt Voss. Doch unterstelle man eine vergleichbare Bereitschaft zur Einreichung von Plagiaten auch für Abschlussarbeiten, so könne man für eine große Universität, an der jährlich etwa 5000 Abschlussarbeiten angefertigt werden, damit rechnen, dass den Prüfungsbehörden neben 1100 Arbeiten mit einzelnen plagiierten Textpassagen auch mindestens 50 vollständige Plagiate vorgelegt würden.

Richtlinien und Zitierknigge

Die Forscher formulierten auch Leitlinien für die Hochschulen: Universitäten sollten "noch klarere Richtlinien und einen Zitierknigge formulieren", die für alle Fakultäten vereinheitlicht seien.

Für die Untersuchung wurden an der Universität Leipzig, der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und der Ludwig-Maximilians-Universität München 474 Studierende verschiedener Fächer befragt, 310 davon anonym.

[PA]

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