Neue Zahlen

ADHS bei Erwachsenen oft nicht erkannt

published: 18.07.2012

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Das Zappelphilipp-Syndrom ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) galt lange Zeit als Kinderkrankheit. Heute gehen Experten davon aus, dass auch über das Jugendalter hinaus etwa zwei bis vier Prozent der Erwachsenen von ADHS betroffen sind. Allerdings: Je älter die jungen Erwachsenen werden, desto seltener wird die Erkrankung diagnostiziert. Zahlen der Techniker Krankenkasse (TK) zeigen: Während im Jahr 2008 bei 3,2 Prozent der 17 - 20-jährigen TK-Versicherten die Diagnose ADHS gestellt wurde, waren in dieser Gruppe im Jahr 2011 nur noch 0,8 Prozent der nun 20 - 23-Jährigen von ADHS betroffen. Wie auch schon im Kindesalter tritt ADHS deutlich häufiger bei den männlichen erwachsenen Versicherten auf als bei den weiblichen. "ADHS hört nicht plötzlich mit der Volljährigkeit auf", erklärt Dr. Edda Würdemann, Apothekerin bei der TK. "Deswegen ist es besonders wichtig, dass die jungen Patienten auch über das Kinder-und Jugendalter hinaus eine dem Alter angemessene Therapie erhalten und von entsprechend qualifizierten Fachärzten lückenlos betreut werden."

Weiterführende Therapie

Die TK-Auswertung zeigt, dass es zurzeit noch nicht klar genug geregelt ist, welcher Facharzt in der Übergangszeit vom Jugend- ins Erwachsenenalter für die Behandlung zuständig ist. "Während die 17 - 20-Jährigen überwiegend weiterhin zum Kinderarzt gehen, suchen die Patienten in der Altersgruppe der 20 - 23-Jährigen eher einen Neurologen oder Allgemeinarzt auf", so Würdemann. Bei diesem Übergang sei eine besonders enge Zusammenarbeit der einzelnen Fachärzte notwendig. "Ein einfacher Arztbrief reicht da nicht aus", erklärt die Apothekerin. "Vielmehr sollten der Kinderarzt und der zukünftig behandelnde Mediziner gemeinsam darüber beraten, wie die Therapie weitergeführt werden soll. Eine besondere Rolle spielen dabei auch das individuelle Lebensumfeld des jungen Patienten sowie der Abkoppelungsprozess von den Eltern."

Medikamente sorgfältig einsetzen

Wie auch bei Kindern ist besondere Umsicht in der Behandlung mit Ritalin und Co. geboten. "Arzneimittel können immer nur ein Teil der Lösung sein", erklärt Würdemann. "Langfristig müssen auch die jungen Erwachsenen lernen, mit ihrer Erkrankung umzugehen - auch ohne Medikamente." Die TK begrüßt es daher, dass der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) einen verantwortungsbewussten Einsatz des Ritalin-Wirkstoffes Methylphenidat auch bei Erwachsenen in seine Arzneimittel-Richtlinien aufnehmen möchte. Neben einer sorgfältigen Protokollierung der Krankengeschichte von Patienten sieht der G-BA unter anderem vor, dass die Behandlung mit Methylphenidat auch für über Achtzehnjährige nur unter Aufsicht eines Spezialisten für Verhaltensstörungen durchgeführt werden darf.


[TK]

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