Neue Arzneimittel

Hohe Kosten statt medizinischer Fortschritt

published: 08.06.2013

Drei von vier neuen Medikamenten sind teurer als die bereits auf dem Markt befindlichen Präparate, so ein Ergebnis des Innovationsreports 2013 (Foto: vinz89/shutterstock.com) Drei von vier neuen Medikamenten sind teurer als die bereits auf dem Markt befindlichen Präparate, so ein Ergebnis des Innovationsreports 2013 (Foto: vinz89/shutterstock.com)

Lediglich zwei der Arzneimittel, die 2010 und Anfang 2011 neu auf den deutschen Markt gekommen sind, stellen einen relevanten therapeutischen Fortschritt dar. Zu diesem Ergebnis kommt der Innovationsreport 2013, den Wissenschaftler der Universität Bremen im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) erstellt haben. Die Studie hat insgesamt 23 Medikamente mit neuen Wirkstoffen daraufhin untersucht, ob bereits alternative Therapien zur Verfügung stehen, ob die Arzneimittel einen (Zusatz-)Nutzen für die Patienten haben, und wie hoch die Kosten im Vergleich zu den verfügbaren Arzneimitteln ausfallen.

Nicht alles Neue ist auch besser

"Der Innovationsreport zeigt einmal mehr, dass man nicht jedes neue Arzneimittel mit echtem medizinischen Fortschritt gleichsetzen darf. Denn nicht alles, was neu ist, ist auch tatsächlich besser", erklärt Dr. Jens Baas, Vorsitzender des TK-Vorstands. "Mit der Studie liegt erstmals eine strukturierte Übersicht vor, welche innovativen Medikamente überhaupt dazu beitragen, die Qualität der medizinischen Versorgung im Bereich der Arzneimitteltherapie zu verbessern. Der Report soll daher Ärzten, aber auch Versicherten eine bessere Orientierung geben, wenn es um den Einsatz von Arzneimitteln mit neuen Wirkstoffen geht", so Baas weiter.

AMNOG fördert echte Innovationen

Neben der Versorgungsqualität befasst sich der Innovationsreport auch mit den Kosten der neu zugelassenen Medikamente. "Drei von vier Medikamenten, die wir unter die Lupe genommen haben, waren teurer als die bereits auf dem Markt befindlichen Präparate", erläutert der Leiter der Studie, Professor Dr. Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen. "Und das, obwohl in den allermeisten Fällen überhaupt kein zusätzlicher Nutzen für die Patienten nachgewiesen werden konnte." Erst mit dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) hat der Gesetzgeber ein Verfahren etabliert, das die Frage beantworten soll, welcher Preis für ein neues Medikament angemessen ist. Die in der Studie untersuchten Medikamente wurden jedoch im Jahr vor beziehungsweise kurz nach Inkrafttreten des AMNOG in Deutschland zugelassen. "Das nachgewiesen geringe Innovationspotenzial dieser Arzneimittel macht deutlich: Die AMNOG-Nutzenbewertung ist ein notwendiges Instrument, um echte therapeutische Innovationen zu fördern", sagt Arzneimittelexperte Glaeske. "Langfristig betrachtet, lassen sich damit beitragssatzrelevante Einsparungen für die gesetzliche Krankenversicherung erzielen."

Ärzte verordnen regional unterschiedlich

Darüber hinaus zeigt die Studie auch, dass Ärzte in Deutschland sehr unterschiedlich mit Innovationen umgehen. So verordnen Mediziner in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und im Saarland häufiger neue Arzneimittel als ihre Kollegen in anderen Bundesländern. Außerdem hat eine ergänzende TK-Auswertung ergeben, dass der erste vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) bewertete Wirkstoff Ticagrelor bei jedem dritten Patienten falsch verordnet wurde. Das heißt: Ärzte verschreiben den Wirkstoff auch bei solchen Erkrankungen, bei denen das Medikament keinen zusätzlichen Nutzen im Vergleich zu bereits verfügbaren Therapien aufweist. "Aus diesem Grund unterstützt die TK die Ärzte mit verschiedenen Instrumenten, um eine möglichst wirksame, sichere und wirtschaftliche Arzneimitteltherapie zu gewährleisten", so TK-Chef Baas.

Dazu gehört bezogen auf den Umgang mit neuen Medikamenten neben dem Innovationsreport auch der TK-Arzneimittelreport (AMR). Mit dem AMR erhalten niedergelassene Mediziner auf Wunsch für jedes Quartal einen individuellen Verordnungsreport von der TK. Diese Übersicht wird unter anderem ergänzt durch kompakte Zusammenfassungen der Ergebnisse zur frühen Nutzenbewertung des G-BA. Außerdem zeigt der AMR den Ärzten an, ob sie neue Arzneimittel tatsächlich bei solchen Erkrankungen verordnet haben, bei denen das Präparat einen echten Zusatznutzen aufweist.

[TK]

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