Genetik

Hormone regeln das Berufsinteresse

published: 18.07.2011

Psychologen der Universität Konstanz konnten einen Zusammenhang zwischen dem vorgeburtlichen Hormonspiegel und den später ausgeprägten beruflichen Interessen von Frauen und Männern nachweisen. In einer Studie mit über 8.600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern konnte aufgezeigt werden, dass der Testosteronspiegel signifikant mit der Ausbildung eines eher technisch beziehungsweise eher sozial orientierten Berufsinteresses einhergeht.

Die Ergebnisse von Dr. Benedikt Hell und Katja Päßler bestätigen die Geschlechterstereotype von technisch ausgerichteten Männern und sozial engagierten Frauen. "Unsere Ergebnisse führen zu der Annahme, dass wir keine Gleichverteilung der Geschlechter in Studiengängen oder Berufen erwarten können oder gar fordern sollten", schlussfolgert Benedikt Hell. Die Studie "Are Occupational Interests Hormonally Influenced?" ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Personality And Individual Differences" veröffentlicht.

Technik und Testosteron

Gemäß der Ergebnisse von Päßler und Hell ist ein hoher vorgeburtlicher Testosteronspiegel mit einem erhöhten Interesse an technischen Gegenständen und Fragestellungen verbunden. Umgekehrt zeigte sich ein Zusammenhang zwischen einem niedrigen vorgeburtlichen Testosteronspiegel und einem erhöhten Interesse am Umgang mit anderen Menschen und sozialen Fragestellungen. Der Wissenschaftler betonte aber, dass seine Studie keine Rückschlüsse auf Einzelfälle zulasse, sondern es sich um Tendenzen handele, die aus einer umfangreichen Stichprobe gewonnen wurden.

Hell und Päßler griffen bei ihre Untersuchung auf Studien zurück, die nachweisen konnten, dass das Längenverhältnis zwischen Zeigefinger und Ringfinger Rückschlüsse auf den vorgeburtlichen Testosteronspiegel erlaubt: Fingerlänge und pränataler Hormonspiegel werden von derselben Gensequenz gesteuert, so dass die Längenverhältnisse der Finger ein Indikator für die vorgeburtliche Ausprägung des Hormonspiegels sind.

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