Neue Studie

AfD und die PARTEI dominierten digitalen Europawahlkampf

published: 25.06.2019

Martin Sonneborn (PARTEI) war unter den Spitzenkandidaten in den sozialen Netzwerken im Europawahlkampf am erfolgreichsten (Foto: Markus Wissmann / Shutterstock.com) Martin Sonneborn (PARTEI) war unter den Spitzenkandidaten in den sozialen Netzwerken im Europawahlkampf am erfolgreichsten (Foto: Markus Wissmann / Shutterstock.com)

Dass sich die Parteien CDU und SPD in sozialen Netzwerken schwertun, hat nicht zuletzt das erfolgreiche Video "Die Zerstörung der CDU" des YouTubers Rezo gezeigt. Die CDU rang tagelang um eine Antwort und machte im digitalen Raum keine gute Figur. Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) zeigt nun: Im digitalen Wahlkampf zur Europawahl 2019 investierten CDU und SPD zwar viele Werbegelder für Reichweite in sozialen Netzwerken. Erfolgreicher waren trotzdem die AfD und die PARTEI, welche mit organischer Reichweite große Teile des digitalen Wahlkampfs dominierten.

Im Fokus der Studie standen die Social-Media-Accounts der Bundestagsparteien und deren Spitzenkandidaten für die Europawahl. Außerdem wurde die Satirepartei PARTEI und ihr Spitzenkandidat Martin Sonneborn in die Analyse einbezogen. Für die Studie wurden vom 14. April bis zum 26. Mai 2019 1769 Beiträge und 365.016 Kommentare auf Facebook, 10.077 Tweets mit 17.547 Hashtags, 270 YouTube-Videos mit 41.997 Kommentaren und 902 Instagram-Beiträge mit 72.817 Kommentaren analysiert und ausgewertet.
 

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AfD und die PARTEI erfolgreich - auch ohne Werbung

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass insbesondere die AfD und die PARTEI im Wahlkampf in sozialen Netzwerken sehr erfolgreich waren. Die AfD dominierte dabei im Vergleich zu den anderen Parteien auf Facebook. Von den To-100-Facebook-Posts mit den meisten Interaktionen stammten 84 von der AfD. Danach folgt mit deutlichem Abstand die PARTEI, die restlichen Parteien sind nur mit zwei oder einem Post vertreten. Bei den Spitzenkandidaten zeigt sich ein ähnliches Bild. Jörg Meuthen von der AfD sorgte für 61 der 100 sehr erfolgreichen Beiträge, gefolgt von PARTEI-Spitzenkandidat Martin Sonneborn mit 30. Zurückzuführen sind diese Ergebnisse auch auf die Followerzahlen: Die AfD und die PARTEI haben auf ihren Parteiseiten und Seiten der Spitzenkandidaten die meisten Follower, verglichen mit den anderen Parteien.

Auf Twitter hat Sonneborns Partei dagegen die wenigsten Follower von allen untersuchten Parteien. Trotzdem stammen 53 der 100 am häufigsten gelikten Tweets von der PARTEI. Beim Spitzenkandidaten Sonneborn sind es sogar 70 Tweets. Dahinter folgen die AfD beziehungsweise Jörg Meuthen. Auch bei Instagram ist die PARTEI mit Abstand am erfolgreichsten. Unter den Spitzenkandidaten sorgte Katarina Barley (SPD) für die meisten erfolgreichen Bilder. AfD und PARTEI dominieren also bei Facebook und auf Twitter mit vielgesehenen und vielgelikten Beiträgen. Und das, obwohl sie fast kein Geld für Werbung auf Social Media ausgaben. Die AfD investierte für Facebook- und Instagramwerbung vom 29. März bis 26. Mai 2019 rund 21.000 Euro und liegt damit auf dem vorletzten Platz. Nur die PARTEI gab noch weniger aus, nämlich gar nichts. Diesen Wert der Studie korrigierte Martin Sonneborn etwas später auf Twitter: So habe der Landesverband NRW 30,92 Euro für Werbung ausgegeben. Währenddessen investierten CDU, SPD und Grüne jeweils 200.000 bis 300.000 Euro für Social-Media-Werbung.
 

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Woher kommt der Erfolg?

Warum ist die AfD also so erfolgreich in sozialen Netzwerken? Die Autoren machen zum einen die emotionale Ansprache der AfD dafür verantwortlich. Sie ruft mit ihren Posts oft negative Reaktionen hervor. Von den fünf Emojis, mit denen man bei Facebook auf Posts reagieren kann, wurde die "Angry"-Reaction bei AfD-Posts mit Abstand am häufigsten genutzt (71,9 Prozent). Bei den anderen Parteien ist das nicht der Fall. Die AfD kann sich außerdem auf eine sehr aktive Community verlassen. Ihre Beiträge erhielten auf Facebook durchschnittlich über 2500 Likes und 1000 Kommentare. Zum Vergleich: Bei der CDU waren es nur rund 300 Likes und knapp 600 Kommentare. AfD-Posts wurden außerdem im Schnitt 1800-mal geteilt, fast doppelt so oft wie bei allen anderen Parteien zusammen. Die PARTEI ist laut den Autoren aufgrund ihrer satirischen Beiträge erfolgreich. Ein großer Faktor ist auch Spitzenkandidat Martin Sonneborn. Dieser hat bei Facebook, Twitter und Instagram von allen Spitzenkandidaten mit Abstand die meisten Fans.

Europawahlkampf ohne Europa?

Interessanterweise beschäftigten sich AfD und die PARTEI im digitalen Europawahlkampf am wenigsten mit dem Thema Europa. Ausgerechnet bei den beiden erfolgreichsten Parteien ging es inhaltlich oft um anderes. Die Facebook-Posts der AfD im Wahlkampf handelten nur zu 49 Prozent von Europa. Bei der PARTEI waren es sogar nur 15,3 Prozent. Alle anderen Parteien setzten dagegen mehrheitlich europäische Schwerpunkte.

Inwieweit sich der Erfolg im digitalen Wahlkampf auf das Wahlergebnis auswirkte, ist unklar. AfD und die PARTEI gewannen im Vergleich zur vorherigen Europawahl zwar Stimmen dazu. Das gilt aber auch und insbesondere für die Grünen, die in sozialen Netzwerken lange nicht so erfolgreich waren. Deswegen ist der Einfluss auf das tatsächliche Wahlergebnis schwer zu bemessen.

Der Autor: Jonas Bickel

Der Autor: Jonas Bickel

Leben, wo andere Urlaub machen: Jonas ist auf der Nordseeinsel Föhr aufgewachsen. Jeden Tag am Meer zu sein, ist zwar schön. Früh war aber klar: Journalismus auf der Insel - da kommt man nicht weit. Also nach dem Abitur ab in die Medienstadt Hamburg, wo Jonas seit 2015 Politikwissenschaft studiert. Für Pointer schreibt er oft über seine großen Hobbys: Sport - insbesondere Fußball - und Gaming.

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