Zahlen des Bundeskriminalamts

Internet-Verbrechen nehmen zu

published: 27.08.2014

Wer seinen Rechner ans Netz anschließt, sollte sich auch um die Sicherheit seines Computers kümmern (Foto: Public Address) Wer seinen Rechner ans Netz anschließt, sollte sich auch um die Sicherheit seines Computers kümmern (Foto: Public Address)

Die Fälle von Computer- und Internetkriminalität nehmen weiter zu. Das zeigen das "Lagebild Cybercrime" des Bundeskriminalamtes (BKA) und aktuelle Umfragen des Hightech-Verbands BITKOM. Einen deutlichen Anstieg der amtlich gemeldeten Fälle gab es im Jahr 2013 bei der Computer-Sabotage und der Erpressung von Internetnutzern. Nach einem vorübergehenden Rückgang erlebt das Phishing mit immer raffinierteren Methoden ein Comeback.

Das BKA warnt

"Die Cyberkriminellen reagieren professionell und flexibel auf neue Sicherheitsstandards und passen ihre Methoden schnell den geänderten Rahmenbedingungen an. Das Gefährdungspotenzial für jeden Internetnutzer bleibt daher weiterhin hoch", sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke.

Nach einer repräsentativen BITKOM-Umfrage unter 1.000 Internetnutzern in Deutschland sind mit 55 Prozent mehr als die Hälfte in den vergangenen zwölf Monaten Opfer von Cybercrime geworden. Das entspricht rund 29 Millionen Betroffenen. "Cyberkriminalität kann jeden treffen", sagte BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf. Dagegen müssten Staat und Internetwirtschaft gemeinsam vorgehen. Kempf: „Internetnutzer können sich gut schützen, wenn sie die Gefahren kennen und sich achtsam verhalten."

Wie schützt du deinen Computer?

  • Ich nutze ein Virenschutzprogramm.

  • Ich setze zusätzlich auf ein Verschlüsselungsprogramm

  • .Ich achte, worauf ich klicke und brauche keinen Schutz.

  • Ich kümmere mich eigentlich nicht um die Sicherheit meines Rechners.

Zwar verzeichnet die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2013 mit insgesamt 64.426 Fällen von Cybercrime lediglich eine Steigerung von rund einem Prozent gegenüber dem Vorjahr (63.959). Polizeiliche Ermittlungen und verschiedene Studien weisen jedoch auf ein großes Dunkelfeld hin. Bei einzelnen Deliktsformen sind deutliche Anstiege bei den Fallzahlen zu verzeichnen: in den Bereichen "Fälschung beweiserheblicher Daten, Täuschung im Rechtsverkehr bei Datenverarbeitung" eine Steigerung von 15 Prozent auf 9.779 Straftaten sowie bei der "Datenveränderung/Computersabotage" ein Anstieg um 18 Prozent auf 12.766 Straftaten.

Gefahren beim Online-Banking

Auch beim Phishing im Zusammenhang mit Onlinebanking, der wohl bekanntesten Variante des digitalen Identitätsdiebstahls, gab es erhebliche Anstiege. Für 2013 wurden dem Bundeskriminalamt 4.096 Phishing-Sachverhalte gemeldet. Das entspricht einer Zunahme der Fallzahlen um rund 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nachdem 2012 durch Schutzmaßnahmen der Kreditinstitute - wie die Einführung des mTAN-Verfahrens - die Sicherheitsstandards beim Onlinebanking erhöht wurden, haben nach Feststellung des Bundeskriminalamtes die Täter reagiert und neue Schadsoftware und Vorgehensweisen entwickelt, um diese zu überwinden. Auffällig ist außerdem die Zunahme der Delikte, bei denen das Bundeskriminalamt das Internet als Tatmittel registrierte. 2013 wurden hier 257.486 Fälle gemeldet und damit rund 12 Prozent mehr als im Vorjahr.

Nach den Ergebnissen der BITKOM-Umfrage wurden bei 40 Prozent der befragten Internetnutzer in den letzten zwölf Monaten die Computer mit Schadprogrammen infiziert. Knapp ein Fünftel (19 Prozent) gibt an, dass ihre Zugangsdaten zu Internetdiensten ausspioniert wurden. Bei 16 Prozent sind im Namen der Nutzer bzw. von ihrem Account illegal E-Mails versendet worden.

Nicht mehr im Netz shoppen?

14 Prozent wurden von einem Geschäftspartner betrogen, zum Beispiel beim Online-Shopping oder bei einer Auktion. "Die Sorge vor Cyberkriminalität führt dazu, dass viele Verbraucher auf die Nutzung bestimmter Online-Dienste verzichten", sagte Kempf. Laut Umfrage verschicken 47 Prozent vertrauliche Dokumente nicht mehr per E-Mail, fast ein Drittel (29 Prozent) verzichtet auf Online-Banking und ein Viertel (24 Prozent) auf das Einkaufen im Internet. Ebenfalls ein Viertel macht einen Bogen um soziale Netzwerke, ein Fünftel (21 Prozent) nutzt keine Cloud-Dienste und 17 Prozent buchen weder Reisen noch Mietwagen im Netz. Kempf: „Das sind alarmierende Zahlen, weil dieser Trend die digitale Entwicklung bremst."

Zu ihrem eigenen Schutz sind die Computer nahezu aller Internetnutzer mit Virenschutzprogrammen und Firewalls ausgestattet. Aus der Nische kommen Verschlüsselungssysteme, die den Zugriff auf persönliche Daten unterbinden. Laut der BITKOM-Umfrage verschlüsseln immerhin 16 Prozent der Internetnutzer E-Mails und 15 Prozent Dateien. Zum Vergleich: Vor einem Jahr verschlüsselten erst 6 Prozent E-Mails und 8 Prozent Dateien. 16 Prozent geben an, dass sie mit Anonymisierungsdiensten wie Tor im Internet surfen (Vorjahr: 11 Prozent).

Für viele zu viel Aufwand

"Die stärkere Nutzung von Diensten zur Verschlüsselung und Anonymisierung ist eine direkte Folge der Abhöraffäre“, sagte Kempf. Allerdings sind die technischen Hürden hoch. 61 Prozent derjenigen, die keine Verschlüsselung nutzen, geben als Begründung an, dass sie sich damit nicht auskennen. 54 Prozent nennen als Grund für ihren Verzicht, dass ihre Kommunikationspartner ebenfalls keine Verschlüsselung einsetzen. Einem Drittel ist die Nutzung schlicht zu aufwändig.

[BKA/PA]

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