Studie der Bertelsmann Stiftung

Keine gleichen Bildungs-Chancen

published: 01.03.2017

Nicht jedes Kind hat in Deutschland die gleiche Chance auf Bildung. Der Erfolg hängt von sozialer Herkunft und Bundesland ab (Foto: Monkey Business Images/Shutterstock.com) Nicht jedes Kind hat in Deutschland die gleiche Chance auf Bildung. Der Erfolg hängt von sozialer Herkunft und Bundesland ab (Foto: Monkey Business Images/Shutterstock.com)

In kaum einem anderen reichen Land hängt der Bildungserfolg so massiv vom sozialen Hintergrund des Einzelnen ab wie in Deutschland. Hast sich die Chancengerechtigkeit in letzter Zeit verbessert? Dieser Frage sind die Bertelsmann-Stiftung, die Technische Universität Dortmund und die Friedrich-Schiller-Universität Jena nachgegangen. Für den Chancenspiegel 2017 analysierten die Wissenschaftler schulstatistische Daten von 2002 bis 2014. Das Ergebnis: Es geht aufwärts. Doch noch immer haben ärmere Kinder schlechte Karten. Vor allem ausländische Schüler aus sozial schwachen Familien haben weniger Chancen. Wer ein Jugendlicher mit ausländischem Pass ist, bricht mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit die Schule ab wie sein deutscher Mitschüler.


Der Chancenspiegel attestiert allen Bundesländern, ihre Schulsysteme insgesamt leistungsstärker und chancengerechter gemacht zu haben – wenn auch auf unterschiedlichem Niveau. Ging 2002 nur einer von zehn Schülern ganztags zur Schule, sind es heute knapp vier von zehn. 2002 besuchte lediglich jeder achte Förderschüler eine reguläre Schule, heute gilt das für rund jeden dritten. Und während 2002 nur 38,2 Prozent der Schulabgänger das Recht auf ein Hochschulstudium erwarben, gelingt dies heute 52,2 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss von 9,2 auf 5,8 Prozent.


Die Chancen benachteiligter Schüler haben sich ebenfalls verbessert, bleiben aber die große Herausforderung für die Schulpolitik. Dies gilt vor allem für den Zusammenhang von Bildungserfolg und sozialer Herkunft. Trotz leichter Verbesserungen liegen Neuntklässler aus sozioökonomisch schwächeren Milieus in ihrer Lesekompetenz immer noch mehr als zwei Schuljahre hinter ihren Klassenkameraden aus privilegierten Milieus zurück.


"Die generellen Verbesserungen hinsichtlich der Chancengerechtigkeit dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es große Unterschiede zwischen den Ländern gibt und diese seit 2002 noch gewachsen sind“, betont Professor Wilfried Bos von der TU Dortmund. So schwankt der Anteil der Ganztagsschüler zwischen 80 Prozent in Sachsen und 15 Prozent in Bayern. Der Abstand der Bundesländer mit den meisten und den wenigsten Ganztagsplätzen hat sich zwischen 2002 und 2014 beinahe vervierfacht. In Bremen bspw. besuchen 1,5 Prozent der Schüler eine Förderschule, in Mecklenburg-Vorpommern hingegen fast sieben Prozent.


[PA]

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