Schuleschwänzen ist es nicht....

Darum geht es den "Fridays for Future"-Demonstranten

published: 25.03.2019

Am 15. März kam es wie hier in Hamburg zu Schülerstreiks und Demonstrationen für mehr Klimaschutz (Foto: Mirko Hannemann / Public Address) Am 15. März kam es wie hier in Hamburg zu Schülerstreiks und Demonstrationen für mehr Klimaschutz (Foto: Mirko Hannemann / Public Address)

Eine Umfrage unter Schülerinnen und Schülern beim Konstanzer "Fridays for Future"-Schulstreik zeigt: Die Teilnehmenden sind politisch, wissbegierig und idealistisch. Viele der Demonstrierenden sind gern bereit, nicht nur Unterricht zu versäumen, sondern auch Strafen in Kauf zu nehmen, um für ihre Sache einzutreten. Einfach mal die Schule schwänzen? Darum geht es der überwältigenden Mehrheit der "Fridays for Future"-Teilnehmer überhaupt nicht, wie das Team von Sebastian Koos vom Exzellenzcluster "Politische Dimension von Ungleichheit" der Universität Konstanz zeigt.
 

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Der Konstanzer Soziologe und Organisationsforscher untersucht in seinem von der Robert-Bosch-Stiftung geförderten Projekt "Our Common Future: Warum engagieren sich Menschen für Nachhaltigkeit?" Motive und Barrieren nachhaltigen Handelns bei jungen Menschen. Am 15. März befragte Koos' Team die Schüler direkt während eines Streiks. An diesem Tag kam es zur bis dahin größten Kundgebung in der Region. Bis zu 2.000 Schüler vorwiegend der Gymnasien, aber auch der Real-, Gemeinschafts- und Waldorfschulen, dazu zahlreiche Studierende gingen in der Konstanzer Innenstadt auf die Straße. 145 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden im Rahmen der Studie befragt.
 

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"Die üblichen kleinen Belohnungen für ausgefüllte Fragebögen haben wir gar nicht gebraucht", berichtet die Studierende Franziska Lauth, die die Befragung mitkoordinierte. "Wir haben etwa jeden Zehnten dort befragt. Die Schüler waren froh, dass mal jemand nachhakt und wirklich fundiert wissen will: Wer seid Ihr eigentlich, woher kommt Ihr? Warum macht Ihr das? Und: Habt Ihr nicht Angst vor Strafen in der Schule?"
 

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Die Ergebnisse der ad-hoc-Studie zeigen: Die Demonstrierenden sind engagiert, informieren sich und wollen etwas bewegen. Insbesondere der oft gehörte Vorwurf, die gute Sache sei nur ein Deckmantel für massenhaftes Schuleschwänzen, findet sich in der Umfrage nicht bestätigt: Über 95 Prozent der Befragten waren der Meinung, ihr Engagement könne etwas verändern – aber nur jeder Zehnte fand auch, es sei außerdem eine gute Gelegenheit zum Schwänzen. Die große Mehrheit (83 Prozent) verpasste zwar Unterricht, aber das war für sie ebenso zweitrangig wie das Teilnahmeverbot durch die Schule, das immerhin fast die Hälfte der Demonstrierenden betraf. Die Schüler sind sogar bereit, Sanktionen wie Nachsitzen in Kauf zu nehmen, mit denen mehr als ein Drittel der Befragten durchaus rechnete.




Woher kommt diese Bereitschaft, dieser Einsatz? Sebastian Koos erklärt es sich so: "Das Fundament ist da: Schülerinnen und Schüler sind heute gut informiert, an Nachhaltigkeitsthemen interessiert und über den Zustand der Welt empört. Ein großer Teil der Befragten sagt, sie hätten sich auch schon vor Beginn der Bewegung mit dem Klimawandel auseinandergesetzt. Viele waren bereits politisch engagiert, hatten etwa schon an einer Demonstration oder Petition teilgenommen. Es brauchte nur ein Vorbild wie die schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg und eine wirksame Protestform: den Schulstreik. Der 'Greta-Effekt', die Überzeugung, dass das eigene Engagement etwas bewirken kann, ist dann ein wichtiges Motiv für die Teilnahme am Schulstreik. Außerdem bekommen die jungen Leute viel Rückendeckung von ihren Eltern und trotz offizieller Verbote sogar von zahlreichen Lehrern. Unsere Umfrage zeigt, dass die Mobilisierung vor allem in der Schule (45 Prozent), über Freunde (60 Prozent ´) und über Aufrufe in sozialen Netzwerken (75 Prozent) geschieht."
 

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XR Rebel Fehinti - “The turnout at House of Commons climate change debate was disgusting. Nothing has happened. The concern isn’t focussed on climate change although it’s our biggest problem. I want children but I don’t want to bring them into this world. We don’t know what this future holds. We have a responsibility to support the younger generations to show them they’re not alone.” . This is part of the #HumansOfXR campaign where we will be putting names and stories to the faces of the rebel’s involved with XR; we are all normal people, fighting for something we should all be fighting for. . ???? @roxythezoologist . #humansofxr #extinctionrebellion #rebelforlife #ecologicalcollapse #climatechange #globalwarming #environmentalscience #internationalrebellion #endextinction #tellthetruth #climatebreakdown #risingup #systemchange #saveearth #savetheearth #fridaysforfuture

— extinctionrebellion March 23, 2019

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Die Konstanzer Wissenschaftler hoffen, dass sie mit ihren Umfragen einen Beitrag zur Versachlichung der teils schrillen Debatte um die schuleschwänzenden Demonstranten leisten können. Wenn am 29. März die nächste große Schülerdemo in Konstanz erwartet wird, wollen mehr als acht von zehn Befragten wieder streiken gehen – unterstützt von immer mehr Eltern, Lehrern, Wissenschaftlern und Studierenden.

[PA]

Links

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Zur Umfrage
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