Neue Studie

Immer mehr Schüler von Cybermobbing betroffen

published: 07.12.2020

Digitales Mobbing nimmt zu, wie die Studie "Cyberlife III - Cybermobbing bei Schülerinnen und Schülern" ergeben hat (Foto: Antonio Guillem/Shutterstock.com) Digitales Mobbing nimmt zu, wie die Studie "Cyberlife III - Cybermobbing bei Schülerinnen und Schülern" ergeben hat (Foto: Antonio Guillem/Shutterstock.com)

Immer mehr Schülerinnen und Schüler sind von Cybermobbing betroffen. Die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen zwischen 8 und 21 Jahren ist seit 2017 um 36 Prozent gestiegen, von 12,7 Prozent auf 17,3 Prozent in 2020. In absoluten Zahlen sind das fast zwei Millionen Kinder und Jugendliche. Das zeigt die aktuelle Studie "Cyberlife III - Cybermobbing bei Schülerinnen und Schülern", die das Bündnis gegen Cybermobbing in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse (TK) am 2. Dezember auf einer digitalen Pressekonferenz vorgestellt hat. Für die Studie wurden im Zeitraum von Februar bis November 2020 mehr als 6.000 Eltern, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler zum Thema Mobbing und Cybermobbing befragt. Nach 2013 und 2017 ist das bereits die dritte Untersuchung.

Uwe Leest, Vorstandsvorsitzender des Bündnisses gegen Cybermobbing: "Ziel der Studie war es, die Veränderungen des Problems Cybermobbing und der Gewalt im Netz zu untersuchen. Es zeigt sich ganz deutlich, dass heute gezielter und härter gemobbt wird, als noch vor drei Jahren. Nach den Tatmotiven gefragt, sind es vor allem: "weil es die Personen verdient haben" und "weil ich Ärger mit der Person hatte", so Leest.

Die Studie "Cyberlife III - Cybermobbing bei Schülerinnen und Schülern" vermittelt neue Erkenntnisse (Bild: Die Techniker)Die Studie "Cyberlife III - Cybermobbing bei Schülerinnen und Schülern" vermittelt neue Erkenntnisse (Bild: Die Techniker)


Die Opfer werden immer jünger

Nach Aussage der Eltern ist bereits jeder zehnte Grundschüler einmal Opfer von Cybermobbing gewesen. In der Schülerbefragung gab in der Altersgruppe der 13- bis 17-Jährigen sogar jeder Vierte an (25 Prozent), schon mal Cybermobbing erlebt zu haben. Teilweise mit schweren Folgen. Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK: "Mobbing kann massive Folgen für die körperliche und seelische Gesundheit haben. Dazu gehören zum Beispiel Ängste, Schlafstörungen und Depressionen. Gerade Kinder und Jugendliche sind emotional besonders verletzlich. Nicht selten leiden die Betroffenen noch jahrelang an den Spätfolgen."

Laut Studie fühlen sich die Opfer durch Cybermobbing vor allem verletzt (61 Prozent), mehr als die Hälfte (53 Prozent) reagiert mit Wut. Besonders alarmierend: Jeder Fünfte hat aus Verzweiflung schon mal zu Alkohol oder Tabletten gegriffen und fast jeder vierte Betroffene äußerte Suizidgedanken. Das entspricht einem Anstieg von 20 Prozent zu 2017, beim Alkohol- und Tablettenkonsum sind es 30 Prozent.

Cybermobbing ist ein wachsendes Problem, Corona wirkt als Verstärker

Die Umstellung des Schulbetriebs auf Fernunterricht und Kontaktbeschränkungen in Folge der COVID-19-Pandemie haben die Situation noch verschärft, weil Jugendliche das Internet jetzt intensiver nutzen und sich ihre sozialen Kontakte noch mehr dahin verlagert haben. Uwe Leest: "Die Zahlen zeigen uns auch, dass sich das gelernte "negative Verhalten" der Jugendlichen nicht verändert hat, weil es nicht sanktioniert wurde. Die Täter kommen fast immer ungestraft davon. In vielen Fällen ist vor allem die Anonymität im Netz das Problem."
 

Tweet

Aktivierung erforderlich
Nach deiner Zustimmung werden alle Tweets von Twitter auf www.pointer.de aktiviert. Wir weisen dich darauf hin, dass dann Daten an Twitter übermittelt werden. Du kannst dies auf der Datenschutzseite rückgängig machen.

Datenschutz


Vorsorge ist besser als Nachsorge

Um Mobbing und Cybermobbing gar nicht erst entstehen zu lassen, setzt die TK auf Prävention. Dr. Jens Baas: "Im Rahmen der Prävention unterstützen wir bereits seit Jahren viele Projekte zur Förderung der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen. Denn neben dem technischen Know-how, ist auch der Umgang miteinander im Netz entscheidend", so Baas. Ein Angebot im Rahmen der Gewaltprävention ist das Antimobbing-Programm "Gemeinsam Klasse sein". Mit dieser kostenlosen Online-Plattform können Schulen eine ganze Projektwoche zum Thema Mobbing/Cybermobbing durchführen. Ziel ist die Stärkung der Klassengemeinschaft, so dass Mobbing gar nicht erst entsteht.

Prävention, Beratungsstellen, Aufklärung

Das Bündnis gegen Cybermobbing gibt folgende Handlungsempfehlungen: Die bisherige Präventionsarbeit muss verstärkt werden und bereits an den Grundschulen beginnen. Kinder müssen den "sozialen Umgang im Internet" lernen. Eine verbesserte Lehrerfortbildung ist ein weiterer wichtiger Baustein. Wenn notwendig, sollte man auch Experten von außen in die Schulen holen.

Eltern sollten sich intensiver mit den Inhalten und Funktionsweisen vom Internet und den Sozialen Medien auseinandersetzen. Hier sind Kommunen, soziale Träger und Schulen gefragt, Eltern mit konkreten Angeboten zu unterstützen. Wünschenswert wären für alle Betroffenen flächendeckende Mobbingberatungsstellen sowie anonyme Hotlines, an die sich Hilfesuchende wenden können - in Schulen oder im sozialen Umfeld. Neben den Schulen und der Gesellschaft, muss auch die Politik ihrer Verantwortung nachkommen. Zum Schutze der Opfer fordert das Bündnis gegen Cybermobbing ein (Cyber-)Mobbinggesetz, das es in Österreich schon seit 2016 gibt. "Täter und Opfer müssen wissen, dass Cybermobbing kein Kavaliersdelikt ist", so Leest.

[TK]

Links

Techniker Krankenkasse (TK) im Web

tk
Jetzt Mitglied werden
YouTube

Die Techniker (801 Videos)

Die Techniker Krankenkasse (TK) ist eine bundesweite gesetzliche Krankenkasse mit mehr als 11 Millionen Versicherten. Für ihre Leistungen und ihren Service wird die Techniker Krankenkasse immer wieder ausgezeichnet. Focus Money kürte sie 2020 zum vierzehnten Mal in Folge zur besten Krankenkasse Deutschlands. Die TK belegt Spitzenplätze in weiteren Kassenvergleichen: https://www.tk.de/techniker/2012454. Hinweise zum Datenschutz Veröffentlicht nichts an Daten und Informationen, was Ihr nicht wirklich öffentlich machen wollt. Überlegt, welche Daten Ihr bei YouTube einstellt und mit wem Ihr diese Daten teilen möchtet. Überprüft die Voreinstellungen zum Schutz Eurer Privatsphäre. Möglicherweise sind Eure Daten automatisch für alle Nutzer sichtbar. Informationen zum Datenschutz erhaltet Ihr über hwww.bfdi.bund.de. Alle Fragen, die Ihr uns auf YouTube stellt, dürfen wir nur datenschutzgerecht beantworten. Zum Impressum: https://www.tk.de/techniker/2013112

65.165.262 Aufrufe 65.165.262 Aufrufe

141.000 Abonnenten 141.000 Abonnenten

0 Kommentare 0 Kommentare

Corona-Lüften: Nur heiße Luft? (© Die Techniker)

Corona-Lüften: Nur heiße Luft?

4.330 Aufrufe 4.330 Aufrufe

Datum 15.01.2021

Lachs-Sauerkraut-Gratin (© Die Techniker)

Lachs-Sauerkraut-Gratin

713 Aufrufe 713 Aufrufe

Datum 15.01.2021

Pfannen-Gemüse-Quesadilla (© Die Techniker)

Pfannen-Gemüse-Quesadilla

3.676 Aufrufe 3.676 Aufrufe

Datum 01.01.2021

Wurzelgemüse-Quiche (© Die Techniker)

Wurzelgemüse-Quiche

14.062 Aufrufe 14.062 Aufrufe

Datum 18.12.2020

Gefällt's? Teile es.

Das könnte dich auch interessieren:

Services
Service

Hochschulkarte

Suche

Mimadeo / shutterstock.com
Über 19.000 Studiengänge an 747 Hochschulstandorten
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung