Mentoring verbessert die Arbeitsmarktchancen von stark benachteiligten Jugendlichen. Bei "Rock Your Life!" übernehmen Studenten ehrenamtlich die Patenschaften von Schülern (Symbolfoto: Hannah Busing/ Unsplah.com) Mentoring verbessert die Arbeitsmarktchancen von stark benachteiligten Jugendlichen. Bei "Rock Your Life!" übernehmen Studenten ehrenamtlich die Patenschaften von Schülern (Symbolfoto: Hannah Busing/ Unsplah.com)
ifo-Studie

Mentoring hilft benachteiligten Jugendlichen

Im Mentoren-Programm "Rock Your Life!" unterstützen Studierende Schüler aus stark benachteiligten Verhältnissen ehrenamtlich. Die wissenschaftliche Langzeitstudie des ifo Instituts zeigt nun, dass das Programm eine große Wirkung für die teilnehmende Jugendliche entfaltet. Schon nach einem Jahr Mentoring verbessern sich die Schulnote in Mathematik, die Geduld und die Sozialkompetenzen sowie die Arbeitsmarktorientierung der Acht- und Neuntklässler. "Stark benachteiligte Jugendliche bekommen oft wenig Hilfe von ihren Eltern. Das Programm schließt die Lücke in ihren Arbeitsmarktaussichten im Vergleich zu Jugendlichen mit günstigerem Hintergrund", sagte Ludger Wößmann, der Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomie, bei der Vorstellung der Studie am 3. Februar 2021.
 


Das "Rock Your Life!"-Programm richtet sich mit seinem Eins-zu-Eins-Mentoring vor allem an Jugendliche in Hauptschulen und vergleichbaren Schulformen in benachteiligten Stadtvierteln. Es stellt ihnen Studenten als ehrenamtliche Paten zur Seite. Das Ziel ist, ihnen einen erfolgreichen Übergang von der Sekundarstufe I in eine berufliche Ausbildung oder die schulische Oberstufe zu ermöglichen. "Die Studienergebnisse zeigen, dass wir durch unser Mentoring noch recht spät in der Bildungsbiographie der sozial benachteiligten Jugendlichen die Lücke schließen können, die sich qua Herkunft unverschuldet aufgetan hat", sagt Elisabeth Hahnke, Geschäftsführerin von "Rock Your Life!", laut Pressemitteilung zu den Studienergebnissen. Es motiviere die Organisation, ihr Engagement noch stärker auszuweiten, sagt sie weiter.

"Rock Your Life!" wurde 2008 von einer Gruppe von Studenten ins Leben gerufen und wird mittlerweile in 42 Städten in ganz Deutschland angeboten. Das Netzwerk besteht aus ehrenamtlich engagierten Studierenden, verantwortungsvollen Unternehmen und der Dachorganisation Rock Your Life! GmbH. Zusammen setzten sie sich für mehr Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit für junge Menschen ein. Seit der Gründung wurden mehr als 7.000 Schüler bis zu zwei Jahre lang gefördert.
 


An der Studie des ifo Instituts nahmen 308 Jugendliche aus 19 Schulen teil. Sie wurden in eine Teilnehmergruppe und eine Vergleichsgruppe eingeteilt, um die Unterschiede herauszuarbeiten. Dabei fiel der Anteil der Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei den Teilnehmern mit 58 Prozent mehr als doppelt so hoch aus wie der deutsche Durchschnitt. Zusätzlich lebte jeder vierte Jugendliche in der Stichprobe in einem alleinerziehenden Haushalt, zehn Prozent mehr als der deutsche Durchschnitt. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Unterstützung durch Stuierende die Berufs- und Bildungschancen der Jugendlichen verbessert. Ein wichtiger Aspekt dabei ist laut der Studie, dass die Jugendlichen ihre Mentoren als Ansprechpartner ansehen, um über ihre Zukunft zu reden.
 


Bei den Auswirkungen des Mentorings gibt es keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern, wie der Co-Autor der Studie, Sven Resnjanskij, in der Pressemitteilung erklärt. "Demgegenüber gab es bei Jugendlichen aus weniger benachteiligten familiären Verhältnissen keine positiven Effekte des Programms.", sagt er dort weiter. Wößmann weist im Bezug auf die Studie zusätzlich daraufhin, dass die familiären Umstände nicht selbst verschuldet seien und außerhalb der Kontrolle des Einzelnen lägen. Unterschiede in der familiären Unterstützung seien ein wesentlicher Faktor für soziale Ungleichheit. So könne es nach Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Deutschland sechs Generationen dauern, bis die Nachkommen einer einkommensschwachen Familie das Durchschnittseinkommen erreichen.
 

[PA]

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