Weltreise-Blog

"Ich habe Fernweh!"

published: 08.11.2016

Kaja Falkenhain auf "White Island" vor Whakatane auf der Nordinsel Neuseelands (Foto: Kaja Falkenhain) Kaja Falkenhain auf "White Island" vor Whakatane auf der Nordinsel Neuseelands (Foto: Kaja Falkenhain)

"Pekafinevis" - schon mal gehört? Dieses Wort findest du nicht im Wörterbuch und deine Großeltern werden es dir wahrscheinlich auch nicht erklären können. Doch bei Google eingegeben, stößt du auf einen Blog und verschiedene Onlineshops, bei denen du ein Buch mit diesem Titel kaufen kannst. "Pekafinevis" ist eine Wortschöpfung von Kaja Falkenhain, jetzt 21 Jahre alt, Boxerin, Perfektionistin und Bandwurmsatzschreiberin. Das Wort entstand, als die Schülerin Kaja beschloss, nach dem Abitur die Welt zu bereisen. Es beschreibt die Route, die sie sich damals vorstellte: Peru, Kanada, die Fiji-Inseln, Nepal und Vietnam. Und während Andere vier Jahre vor Schulende noch gar nicht wissen, was sie danach mal machen wollen, begann Kaja an ihrem Traum zu arbeiten.

Denn "Arbeiten" war eine Voraussetzung, um der Weltreise näherzukommen - schließlich musste die ja finanziert werden. Auch wenn Kaja sich zu Beginn kaum vorstellen konnte, einen ausreichenden Betrag anzusparen, legte sie einfach los: "Manchmal braucht es nur den ersten Schritt, damit sich weitere Türen öffnen." Kaja jobbte als Boxtrainerin für Kinder, aber auch als Babysitterin und Tresenkraft, hatte sehr schnell elf Nachhilfeschüler und zog sonntags noch eine 12-Stunden-Schicht als Pizzalieferantin durch.

Je mehr Geld sie ansammelte, je näher rückte die Reise. Und damit weitere Aufgaben: Visum beantragen, Impfungen, Einkäufe erledigen. Und langsam stellte sich die Frage, wie sie ihre Familie und Freunde an ihrer Reise teilhaben lassen könnte. Also startete Kaja ihren Blog. Und da "Pekafinevis" sowieso in ihrem Kopf herumschwirrte, taufte sie ihr digitales Tagebuch genau so.

Am 4. Juli 2015 war es dann so weit: Der Tag der Abreise war gekommen. "Herrlich. Ich bin nur noch am Grinsen", schrieb Kaja in ihrem Blog. Die damals 19-Jährige stieg in den Flieger nach Südafrika, wo sie zunächst bei einer Gastfamilie in Kapstadt leben und eine Sprachschule besuchen würde. Danach sollten vier Wochen als Volontär in einem Wildlife-Reservat folgen. Als nächster Punkt auf der Liste stand Kathmandu/Nepal mit zwei Wochen freiem Aufenthalt und anschließenden vier Wochen Freiwilligendienst in einem sozialen Projekt. Weiter ging es nach Hanoi/Vietnam, von wo aus eine Inlandrundreise starten sollte. Danach solle es sie für längere Zeit nach Neuseeland und zum Schluss nach Nicaragua und Costa Rica führen.

Erste Station: Kapstadt, Südafrika (Foto: Kaja Falkenhain)Erste Station: Kapstadt, Südafrika (Foto: Kaja Falkenhain)

"Die Reise war das beste Erlebnis bisher und ich kann das einfach nur jedem empfehlen", sagt Kaja, über die ereignisreichste und wie sie es beschreibt, intensivste Zeit in ihrem Leben. Jeden Tag gab es neue Eindrücke, andere Städte, andere Menschen und andere Übernachtungsmöglichkeiten. Das laute Nepal, mit dem ständigen Verkehrslärm im Hintergrund. Der der Geruch von Rauch, gepaart mit dem nach Essen, weil die Leute hier über offenem Feuer kochten. Die vietnamesische Küche und die Nudelsuppe, die es dort an jeder Ecke, zu jeder Tageszeit gab. Das einzig Vertraute war der tägliche Blick auf ihren Rucksack. Aber nicht nur er wurde zu einem wichtigen Gegenstand. Unverzichtbar waren die Wanderschuhe, die sie durch die halbe Welt getragen haben. Und ihr Laptop. Auch wenn Kaja kein Fan von ständiger Erreichbarkeit ist, so war er doch das Tor zu ihrem Blog.

In Neuseeland wohnte Kaja in ihrer ersten WG, hatte ihren ersten richtigen Job und kaufte ihr erstes eigenes Auto. Außerdem erlebte sie hier eine Wanderung, die sie, wenn sie sich auf eines beschränken müsste, das schönste Erlebnis ihrer Reise nennen würde: eine viertägige Wanderung, bei der sie täglich bis zu 13 Stunden unterwegs war und insgesamt nur zwei Menschen begegnete. "Man ist nah bei sich selber und bei der Natur und hat das Gefühl, dass alles andere nicht mehr existiert - auch, weil ich stark an meine körperlichen Grenzen gekommen bin", beschreibt Kaja ihre damalige Unternehmen. "Vorher hatte ich tatsächlich keine Angst vor Einsamkeit oder vor dem alleine Reisen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es bei einigen Situationen auch hätten schiefgehen können. Aber es ist nie schiefgegangen, ich bin einfach immer positiv rangegangen." Ausnahmen waren Tage wie Weihnachten, die sie alleine verbringen musste. "Ich muss sagen, dass ich mich da nie nach meinem Zuhause gesehnt habe, sondern eher nach Kontakten, nach Menschen. Manchmal konnte ich dann skypen. Meine Familie und Freunde haben mich dann auch immer bestärkt und mir Kraft gegeben." Angst hatte sie während der gesamten Zeit nur zwei Mal: Bei einem heftigen Umwetter in Nepal, als sie ganz alleine in einer Hütte war und auf einer Fahrt mit einem Minibus. Unterwegs auf einer Serpentinenstraße geriet ein Reifen über den Abhang und der Bus rutschte ein kleines Stück hinunter. Nach einem kurzen Schock ging die Fahrt aber weiter.

Kaja beim Paragliden in Pokhara, Nepal (Foto: Kaja Falkenhain)Kaja beim Paragliden in Pokhara, Nepal (Foto: Kaja Falkenhain)

Als Kaja wieder zu Hause angekommen war, hatte sie Probleme damit, zu begreifen, dass die Reise und alles, was sie erlebt hat, wirklich passiert war. "Da fand ich die Vorstellung schön, einfach ein Buch in der Hand zu haben und in den Erinnerungen schwelgen zu können. Deshalb dachte ich mir, veröffentliche ich eins für mich selber." Gesagt, getan. Online fand sie schnell den richtigen Anbieter und ließ "Pekafinevis" ohne große Veränderungen drucken. "Zunächst war es ja nur für mich gedacht. Jetzt kann es jeder kaufen. Die Vorstellung alles mit anderen Leuten zu teilen und auch gedanklich mit auf die Reise zu nehmen ist schön", sagt die Buchautorin.

"Pekafinevis" steht nicht nur für den Trip an sich, sondern für alles von der Idee über die Vorbereitungen bis zum Ende des Abenteuers. Deshalb wird Kaja ihren Blog auch nicht weiter schreiben. "Die Leute haben ihn schließlich nur für diese Reise abonniert. Ich will es außerdem als ein Ereignis, das jetzt abgeschlossen ist, stehen lassen." Aber das letzte Abentuer soll es nicht gewesen sein. "Ich wünsche mir häufig wieder auf Reisen zu sein", meint die derzeitige Studentin für Kognitivwissenschaften. "Ich habe Fernweh!" Bis es wieder soweit ist, kann sie sich durch ihre Blogeinträge oder Buchseiten blättern. Oder sich ihre Wanderschuhe ansehen. Die haben, mit Blumen bepflanzt, auch einen festen Platz auf dem Bücherregal gefunden.

 (Foto: Kaja Falkenhain)(Foto: Kaja Falkenhain)



[Anne Harnischmacher]

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