Deutscher Industrie- und Handelskammertag

Corona-Krise bedroht Berufsausbildung

published: 05.05.2020

Ausbildungen sind durch die Corona-Krise bedroht. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag schlägt zehn Punkte zur Rettung von Ausbildungsplätzen vor (Symbolbild: Pressmaster/Shutterstock.com) Ausbildungen sind durch die Corona-Krise bedroht. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag schlägt zehn Punkte zur Rettung von Ausbildungsplätzen vor (Symbolbild: Pressmaster/Shutterstock.com)

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnt vor einer schwierigen Lage für die Berufsausbildung in der Corona-Pandemie. Mit einem 10-Punkte-Plan soll die Ausbildung sichergestellt werden. Von Seiten der IG Metall gibt es Kritik am Vorstoß. Das Anliegen sei gut, die Wahl der Mittel aber oftmals nicht, heißt es von Seiten der Gewerkschaft.

Besonders das Hotel- und Gastronomiegewerbe, aber auch Tourismus, Einzelhandel und Industrie sind durch Kurzarbeit und Umsatzeinbußen von der Corona-Krise betroffen. DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks warnt, es werde "von Tag zu Tag schwieriger, Ausbildung aufrechtzuerhalten und Ausbildungsplätze für das kommende Ausbildungsjahr anzubieten." Auch die geschlossenen Berufsschulen machten die Aufrechterhaltung der Ausbildung schwierig. Die Betriebe würden die Fachkräfte in der Zeit nach der Krise aber umso dringender brauchen. Vor allem aber benötigten die Auszubildenden und Schulabsolventen Perspektiven. Mit einem 10-Punkte-Plan will der DIHK dabei helfen, möglichst viele bestehende Ausbildungsverhältnisse und zu besetzende Ausbildungsplätze zu erhalten.

Die Betriebe sind nach dem Plan aufgefordert, alle Mittel auszuschöpfen, die bestehenden Ausbildungen zu erhalten. Dazu können Lehrpläne umgestellt, Teilzeitvereinbarungen getroffen und Homeoffice-Lösungen umgesetzt werden. Solange die Ausbildung sichergestellt bleibe, könnten Auszubildende aus kleinen Einzelhandelsgeschäften auch in Supermärkten beschäftigt werden.
 

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Homeoffice-Lösungen werden auch für die theoretische Ausbildung an den Berufsschulen angedacht. Diese sind aufgefordert, möglichst schnell die digitale Lehre zu ermöglichen. Gerade in den Abschlussklassen sei eine schnelle Wiederaufnahme des Betriebs unerlässlich, denn bisher verschobene Abschlussprüfungen sollen schnellstmöglich nachgeholt werden können.

Für bereits strauchelnde Betriebe fordert der DIHK eine Aufhebung der Wartefrist bei Kurzarbeit für Auszubildende. Stattdessen sollten diese rückwirkend ab dem 1. März Kurzarbeitergeld erhalten. Das Berufsbildungsgesetz garantiert die Fortzahlung der Ausbildungsvergütung für sechs Wochen. Dieses Gesetz müsste für die Umsetzung des DIHK-Plans geändert werden. Die Azubis insolventer Betriebe sollen vermittelt werden, dabei soll die Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammern helfen. Für übernehmende Betriebe schlägt der DIHK eine Prämie vom Bund vor.

Auch Betriebe, die zusätzliche Ausbildungsplätze schaffen, sollen nach dem Willen des DIHK vom Bund finanzielle Unterstützung erhalten. Als Vorbild könne der Ausbildungsbonus der Bundesagentur für Arbeit von 2008 dienen. Schulabgänger sollen indes von den Berufsberatern der Arbeitsagenturen möglichst gezielt beraten und vermittelt werden. Es müssten aber, so der DIHK-Plan, auch Alternativen zu einem Ausbildungsstart in diesem Sommer geprüft werden. Konkret sehen die letzten drei Punkte des Plans hier betriebliche Einstiegsqualifizierungen, vorübergehend außerbetriebliche Ausbildungen, aber auch den Ausbau von Angeboten wie dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) vor.
 

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Kritik am Plan äußerte die IG Metall Baden-Württemberg. Zwar begrüße man die Initiative zur Sicherung der Ausbildung in der Corona-Pandemie. Das Programm zeige aber in die falsche Richtung und bediene sich lediglich alter Schlupflöcher. Beispielsweise führe eine Teilzeitausbildung zur Halbierung der Ausbildungsvergütung, während die Ausgaben gleich blieben und sich der Ausbildungszeitraum entsprechend verlängere. Auch den Vorschlag, Auszubildende sofort in Kurzarbeit schicken zu können, lehnt die Gewerkschaft ab. Es dürfe keinen Angriff auf Schutzrechte Auszubildender geben, so Christian Herbon, Bezirksjugendsekretär der IG Metall Baden-Württemberg.

Der Autor: Hauke Koop

Der Autor: Hauke Koop

In Lüneburg geboren und aufgewachsen, zog es Hauke für die Ausbildung nach Hamburg. Im Anschluss begann er in der Hansestadt ein Studium der Politikwissenschaft. Der Cineast und Serienjunkie fährt gerne lange Strecken mit dem Fahrrad und findet Radrennen auch im Fernsehen spannend. Für Pointer schreibt er unter anderem über Filme, Musik und aktuelle (Uni-)Themen.

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