Studie

Viele Frauen in der "Minijob-Falle"

published: 17.11.2020

Minijobs sind für viele Frauen attraktiver als eine Teilzeit-Stelle, da diese aufgrund der Abgaben netto nur geringfügig mehr Geld einbringt. Das hat eine Studie der Bertelsmann Stiftung ergeben  (Foto: Aleksandar Malivuk/ Shutterstock) Minijobs sind für viele Frauen attraktiver als eine Teilzeit-Stelle, da diese aufgrund der Abgaben netto nur geringfügig mehr Geld einbringt. Das hat eine Studie der Bertelsmann Stiftung ergeben (Foto: Aleksandar Malivuk/ Shutterstock)

Viele Frauen und Mütter ziehen einen 450-Euro-Job einer Teilzeitbeschäftigung vor, da sie als Zweitverdienerin den vollen Satz Einkommenssteuer zahlen müssen. Grund dafür ist das Ehegattensplitting. Wenn der Ehemann beispielsweise 48.000 Euro brutto im Jahr verdient, bleiben bei einem Stundenlohn von zehn Euro bei einem abzugsfreien Minijob mit 10,4 Stunden die Woche am Ende des Jahres 5.400 Euro für die Zweitverdienerin übrig. Bei einem Teilzeitjob von 20 Stunden die Woche bleiben bei gleichem Stundenlohn 6.293 Euro übrig, also nicht einmal 1.000 Euro mehr. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie zur Partizipationsbelastung im deutschen Steuer-, Abgaben- und Transfersystem, die das ifo Institut im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt hat. Die Stiftung plädiert für die Einschränkung von Minijobs und eine Reform des Ehegattensplittings, um Anreize für die Teilnahme auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen und Frauen aus der "Minijob-Falle" zu befreien.

Für Konstellationen wie einen Haushalt mit der Frau als Zweitverdienerin wurde in der Studie die sogenannte Partizipationsbelastung untersucht. Sie gibt an, wie viel Prozent des individuellen Bruttoeinkommens als Steuern und Abgaben und durch Transferentzug vom Staat einbehalten werden. Für Ehefrauen bestehen nach Meinung der Studienautoren falsche Anreize, wenn eine Teilzeitbeschäftigung durch die Abgaben kaum lohnenswerter ist als ein Minijob. Insgesamt 6 Millionen Frauen in Deutschland haben ein geringeres Einkommen als ihr Ehemann und sind dadurch Zweitverdienerinnen.
 

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Bei Alleinerziehenden mit Kindern rechnet sich bereits eine Beschäftigung über den Kleinstjob mit einem Verdienst von 100 Euro pro Monat hinaus kaum. Für eine alleinerziehende Person mit zwei Kindern bleiben, verglichen mit dem Anspruch auf Arbeitslosengeld II, bei einem Mini-Job am Ende des Jahres 2.040 Euro übrig. Das sind 38 Prozent ihres zusätzlich verdienten Einkommens. Bei einem Bruttostundenlohn von zehn Euro sind es in einem Teilzeitjob mit 20 Wochenstunden 3.040 Euro und in einem Vollzeitjob mit 40 Wochenstunden 8.038 Euro jährlich und damit gerade einmal 29 Prozent beziehungsweise 39 Prozent des Brutto-Hinzuverdienstes.

Für Alleinstehende ohne Kinder bleibt bei Vollzeitbeschäftigung 25 Prozent des Bruttoeinkommens. Das sind bei einem Bruttostundenlohn von zehn Euro lediglich 5.283 Euro pro Jahr mehr als in Arbeitslosigkeit. In diesem Niedriglohnbereich seien die Hürden für die Aufnahme einer Beschäftigung hoch, so Studienautor Jörg Dräger. Hier seien aber gerade niedrige Hürden wichtig, damit die Stellen als Einstieg in den Arbeitsmarkt genutzt werden können.
 

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Die Bertelsmann Stiftung schlussfolgert aus den Ergebnissen der Studie, dass eine Anpassung der Hinzuverdienstregelung notwendig ist. Es müsse gelingen, dass Frauen und Mütter aus der Falle der Kleinst- und Minijobs befreit werden. Dazu bedürfe es einer Einschränkung von Minijobs und einer Reform des Ehegattensplittings. Momentan setze das Steuer- und Sozialversicherungssystem in Deutschland falsche Anreize. "Derzeit tragen Beschäftigte, die es ohnehin auf dem Arbeitsmarkt schwer haben, eine besonders große Last – das müssen wir ändern", so Dräger.
 

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[PA]

Links

Die Bertelsmann Stiftung im Web
Das ifo Institut im Web
Zur Studie "Für wen lohnt sich Arbeit?"

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