Studierenden-Projekt

"Mit Sicherheit Verliebt"

published: 03.10.2019

Das Studierenden-Projekt "Mit Sicherheit Verliebt" betreibt Aufklärungsarbeit an Schulen (Foto: StepanPopov/Shutterstock.com) Das Studierenden-Projekt "Mit Sicherheit Verliebt" betreibt Aufklärungsarbeit an Schulen (Foto: StepanPopov/Shutterstock.com)

Welche sexuellen Orientierungen gibt es? Was ist Analsex? Und wie verhütet man richtig? Das 2001 gegründete Sexualaufklärungs-Projekt "Mit Sicherheit Verliebt" (MSV) der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) hat es sich zur Aufgabe gemacht, Schülerinnen und Schülern der sechsten bis zehnten Klasse diese und viele weitere Fragen zu beantworten. MSV ist mittlerweile an 39 Standorten in ganz Deutschland vertreten. Pointer hat mit den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen Klara Benninghoven-Frey und Lisa-Marie Wille aus Münster über das Projekt gesprochen.

Jeder kann mitmachen

Zwar steht MSV unter einem medizinischen Dachverband, und auch Klara und Lisa sind angehende Ärztinnen. Um mitzumachen, muss man allerdings keineswegs für den Studiengang Medizin eingeschrieben sein. "Bei uns in Münster haben wir auch einige engagierte Studierende, die Lehramt oder BWL studieren." Man muss nicht einmal studieren, um mitmachen zu können. "Wir haben zum Beispiel auch einen Auszubildenden in unserem Projekt", sagt Klara. Was zähle, sei das Engagement. Zu den Hauptvoraussetzungen gehörten zudem Offenheit und Verantwortungsbewusstsein. "Man sollte Lust haben, mit Kindern und Jugendlichen über Themen wie Sexualität, Liebe und auch über eigene Erfahrungen zu sprechen", betont Lisa.

bvmd-Projekt Mit Sicherheit Verliebt: Movember MSV Lübeck


Keine Angst vor Fehlern

Bevor es richtig losgeht, findet an einem Wochenende ein Schulungsseminar statt, an dem die Interessierten ihre theoretische Ausbildung erhalten. Dabei geht es sowohl um Präventionsthemen wie sexuell übertragbare Krankheiten und Verhütung als auch um wichtige Grundsätze und Einstellungen. Dazu gehören Leitgedanken aus der Sex-Positivity- und Pro-Choice-Bewegung sowie die Unterstützung queerer Lebensentwürfe. Stichwort: sexuelle Vielfalt. Methoden wie das Sex-ABC, rechtliche Informationen und die Abläufe der Schulbesuche kommen ebenfalls zur Sprache.

Um sich an das Gespräch mit den Schülern zu gewöhnen, besteht für Neulinge die Möglichkeit, zunächst einmal im Rahmen einer Hospitanz mitzukommen. Man entwickele jedoch schnell ein Gespür dafür, wie man mit den Kindern umgehen sollte, da man nach und nach durch die Erfahrenen an die Abläufe der Schulbesuche herangeführt werde, so Klara. "Man muss keine Angst haben", fügt Lisa hinzu.
 

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#Repost @bvmd_sexpraev ??? Heute, am 17. Mai, ist der IDAHOT oder auch IDAHOBIT! Das ist die Kurzform für den "Internationalen Tag gegen Homophobie, Transphobie, Biphobie und Interphobie". Das Datum ist kein Zufall, sondern erinnert an den 17. Mai 1990, an dem die World Health Organization (WHO) beschloss, Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel für Krankheiten zu streichen. Unsere heutige Flagge ist die Regenbogenflagge. Die Regenbogenflagge steht in vielen Kulturen seit jeher für Frieden, Hoffnung, Akzeptanz und Vielfalt. Seit 1974 ist sie das Symbol der LGBT+ Bewegung. Rot steht dabei für das Leben, Orange für Heilung, Gelb für das Sonnenlicht, Grün für die Natur, Blau für Harmonie und Lila für Geist und Spirtualität. #IDAHOT #IDAHOBIT #lovewins #pride #queer ?????????????????

— mitsicherheitverliebtgoe May 17, 2019

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Aufklärung auf Augenhöhe

Im Gegensatz zum schulischen Sexualkundeunterricht finden die Schulbesuche von MSV im Peer-Education-Style statt. Hier steht nicht das Unterrichten, sondern das gemeinsame Finden von Antworten im Vordergrund. "Wir wünschen uns für die Schulbesuche freie Gesprächsrunden, in denen die Kinder auf freiwilliger Basis mitarbeiten und voneinander lernen können", sagt Klara. Gleichzeitig nehmen die MSVler den Lehrauftrag den Schülern gegenüber ernst und bereiten jeden Schulbesuch gewissenhaft vor und nach. So trifft sich die jeweilige Gruppe im Vorhinein, um durchzusprechen, was man von den Lehrern über die Klasse erfahren hat, und welche Themen für die Schüler relevant sein könnten. Davon ausgehend, entwerfen die Studierenden einen Plan für den Tag mit verschiedenen Methoden, Spielen und Gesprächsrunden. Auf unverkrampfte Art und Weise wollen sie vermitteln, dass es absolut in Ordnung ist, über vermeintliche Tabu-Themen zu sprechen. "Es ist immer wieder schön zu sehen, wie die Kinder während der Schulbesuche auftauen und erkennen, dass andere Mitschüler ähnliche Probleme haben", sagt Lisa.

CampusTV Mainz 244 - Mit Sicherheit Verliebt


Schulbesuche

Der Tag gliedert sich meistens in zwei Teile. Zunächst beschäftigt sich das Team, das in der Regel aus zwei MSVlerinnen und zwei MSVlern plus Hospitant besteht, damit, was die Klasse weiß und was sie interessiert. Auch werden vorab gewisse Regeln festgelegt. "Diese beinhalten beispielsweise, dass alles gefragt werden darf, aber niemand ehrlich auf alles antworten muss, dass niemand ausgelacht wird und wir nichts aus den Schulbesuchen an andere Kinder oder die Lehrkräfte weitertragen. Mit einigen Aufwärmspielen versuchen wir dann die Scheu, über die Themen Liebe, Sexualität und Pubertät zu sprechen, zu überwinden. Das klappt meistens ziemlich gut", erzählt Klara.

Im zweiten Teil wird die Klasse in Klein- oder geschlechtergetrennte Gruppen aufgeteilt. "So wollen wir den Schülern die Chance bieten, in einem geschützten Rahmen Fragen, zum Teil auch sehr persönliche, zu stellen", so Lisa. Wer lieber ganz anonym bleiben möchte, kann seine Fragen in die sogenannte "Blackbox" werfen, die am Ende des Tages geleert wird.
 

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Das Memo zur Dienstkleidung hat leider nur einer bekommen... ???? #sextalk #aufklärung #msvgoettingen #students

— mitsicherheitverliebtgoe January 27, 2019

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Mitmachen?

Wer bei MSV mitmacht, erlebt viel. MSV besucht nicht nur Schulen, sondern ist auch mehrmals im Jahr bei Veranstaltungen für Studierende und Interessierte aktiv, zum Beispiel am Welt-Aids-Tag oder am Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie. "Wir sind eine super-nette, lustige und vielseitige Gruppe", schwärmt Lisa. "Man kann die verschiedensten Aufgaben übernehmen, je nachdem, worauf man Lust hat." Ob du nun dein pädagogisches Potenzial ausschöpfen willst, ein Organisationsfreak bist oder dir mehr daran liegt, die Botschaft von MSV zu verbreiten - es ist wahrscheinlich etwas für dich dabei. "Außerdem kann man zu internationalen Workshops und Konferenzen fahren und dort Menschen treffen, die in anderen Ländern Teil von ähnlichen Projekten sind", sagt Klara. Neugierig geworden? Dann informiere dich doch im Internet über die Lokalgruppe in deiner Stadt. Auf der Seite der bvmd findest du eine Übersicht mit den entsprechenden Kontaktdaten.

Die Autorin: Lena Toschke

Die Autorin: Lena Toschke

Hobby-Autorin, Philosophie-Nerd, Sportfanatikerin, Zeichenfreak: Lena kann sich nur schwer für eine Sache entscheiden. In San Francisco geboren, in Köln, Bremen und Hamburg aufgewachsen, studiert sie nun in Münster Medizin. Sie liebt die Nordsee, ihre Familie, gute Gespräche, vegetarisches Essen und das Gefühl, durch Eigeninitiative etwas erreicht zu haben. Auf Pointer schreibt Lena über aktuelle Themen und Trends rund ums Studium.

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