USA

College schafft getrennte Toiletten ab

published: 17.04.2016

Die Wahl der Toilette kann schnell zur Identitätsfrage werden. Die Cooper Union (USA) hat deshalb genderneutrale WCs eingeführt (Foto: Kanok Sulaiman/Shutterstock.com) Die Wahl der Toilette kann schnell zur Identitätsfrage werden. Die Cooper Union (USA) hat deshalb genderneutrale WCs eingeführt (Foto: Kanok Sulaiman/Shutterstock.com)

Können wir das schaffen? – Yo, wir schaffen das. An der Cooper Union, einem privaten College in New York, gibt es neuerdings keine Männer- und Frauentoiletten mehr. Die WC-Schilder sind der Toleranz gewichen. Die geschlechterneutralen Toiletten sollen transsexuellen Studierenden das Leben auf dem Campus einfacher machen und zeigen ganz deutlich: Wenn Menschen zusammenhalten, können sie Berge versetzen. Oder eben Toilettenschilder.


Allgegenwärtiger Geschlechterzwang

Für viele Transsexuelle ist der Gang zur Toilette mehr Belastung als Erleichterung – die Wahl der Damen- oder Herrentoilette ist eine Frage der Identität. Eine Grauzone zwischen persönlichem Empfinden und gesellschaftlichen Normen. Das merkten auch die Studierenden der Cooper Union, einem privaten College in Manhatten, New York. Um ihren transsexuellen Kommilitonen das Studentenleben leichter zu machen und dem allgegenwärtigen Geschlechterzwang ein Ende zu setzten, entfernten sie auf eigene Faust die Männer- und Frauenschilder vor den WCs der Uni.

Und dann geschah das, womit niemand gerechnet hat: nichts. Die fehlenden Schilder wurden nicht ersetzt. Ärger gab's auch keinen. Stattdessen aber eine Mail des Hochschulpräsidenten Bill Mea im März dieses Jahres, in der er allen Studierenden schrieb: "I cannot change the outside world and how it treats transgender and gender non-conforming people. But I can change the Cooper Union environment to help everyone feel safe when they are inside our buildings.". Alle Schilder, die noch nicht von den Studierenden beseitigt wurden, entfernte die Uni selbst. Was für ein Move.


Was an der Cooper Union passiert ist, ist ein Zeichen von Toleranz und Offenheit. Durch die geschlechterneutralen Toiletten werden die Studierenden nicht mehr in Frauen und Männer geteilt, sondern zu Mitmenschen gemacht. Bye-bye, Dichotomie. Rio Sofia, eine Studentin der Cooper Union sagte theguardian gegenüber, dass eine Toilette nicht fragen sollte, ob jemand Mann oder Frau ist – "It should just ask, do you need to pee or poop?". Irgendwie richtig.


 
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Die Cooper Union ist kein Einzelfall in den USA: An der University of California – eine Uni mit zehn Einzelhochschulen und insgesamt 238.000 Studierenden – wurde 2014 der Plan verabschiedet, alle Toiletten genderneutral umzugestalten. In Deutschland gibt es solche konkreten Pläne noch nicht – laut Gesetz müssen Toiletten für Frauen und Männer getrennt sein. Doch auch hier fühlen sich Menschen durch geschlechtergetrennte Toiletten diskrimiert. Das zeigt z.B. die "Aktionswoche all gender welcome toiletten“ aus dem letzten Jahr – an zahlreichen deutschen Hochschulen und anderen öffentlichen Einrichtungen wurden die Toilettenschilder kurzerhand überklebt.

Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.

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Links

Die "Aktionswoche all gender welcome toiletten“ im Web
Der Artikel "New York college moves to strip gender markings from all bathrooms" auf theguardian.com

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