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"Journal of Interrupted Studies"

Zeitschrift für geflüchtete Akademiker

published: 13.05.2016

Paul Ostwald ist 19 Jahre alt, studiert in Oxford und hat vor Kurzem eine Zeitschrift für geflüchtete Akademiker gegründet (Foto: Mark Barclay) Paul Ostwald ist 19 Jahre alt, studiert in Oxford und hat vor Kurzem eine Zeitschrift für geflüchtete Akademiker gegründet (Foto: Mark Barclay)

Couchsharing, Kleiderkammer, Dolmetschen – an allen Ecken und Enden packen Studierende an, um Flüchtlingen zu helfen - #refugeeswelcome. Und dann gibt es da noch Paul Ostwald. Der gebürtige Kölner studiert in Oxford und hat seinen ganz eigenen Weg gefunden, Refugees zu unterstützen: Er hat eine Zeitschrift gegründet. Alles begann beim Fernsehgucken: Paul nahm die Medienberichterstattung als überwiegend einseitig wahr – geflüchteten Menschen wurden verallgemeinert als hilflos und arm dargestellt. Also TV aus und es besser machen, dachte er sich. Was dagegen tun. Und das hat Paul getan. Aus seiner Kritik ist mittlerweile ein handfestes Projekt mit dem Titel "Journal of Interrupted Studies“ geworden. Im Juni erscheint die erste Ausgabe – und die Begeisterung der Presse zeigt: Da könnte was echt Großes entstehen. Pointer hat mit Paul über sein Projekt, Medien und Unistress gesprochen.


Alles begann in den Semesterferien

Während sich andere 19-Jährige mit Schmink-Tutorials und Proll-Rapp beschäftigen, interessiert sich Paul Ostwald für Politik und das aktuelle Zeitgeschehen. Es sind die Semesterferien vor knapp einem Jahr, als das "Bundesamt für Migration und Flüchtlinge“ (BAMF) die ersten Schätzungen über die Anzahl geflüchteter Menschen veröffentlicht, die nach Deutschland kommen werden. "Ich habe mich damals gefragt: Wer sind diese Menschen, was wissen wir eigentlich über sie?", erinnert sich Paul.

"Die Medien waren sehr mitfühlend, zurecht, aber dafür haben sie meist den Flüchtling als armen Menschen dargestellt, der unsere Hilfe braucht. Aber bei über einer Million Menschen ist das eine ziemliche Verallgemeinerung“, stellt Paul fest. Er fasste den Entschluss, dieser Verallgemeinerung irgendwie entgegenwirken zu müssen. Aus Flüchtlingen sollten endlich wieder Menschen werden – Menschen mit eigener Identität, Persönlichkeit und Vergangenheit. "Einige davon sind Akademiker, Professoren oder Journalisten. Ich wollte eine Plattform schaffen, um ihnen einen Ort für eine Veröffentlichung und zum Diskutieren zu geben“, sagt Paul. So entstand letztlich die Idee, eine Zeitschrift zu gründen.


Viel ungenutztes Wissen

Seitdem ist viel passiert. Die Zeitschrift erhielt einen Namen: "Journal of Interrupted Studies“. Paul, der in Oxford Philosophie und Politikwissenschaften studiert, hat aus seiner fixen Idee mittlerweile ein handfestes Projekt gemacht, das kurz vor der Veröffentlichung steht. Im Juni soll die erste Ausgabe, bestehend aus ca. 50 Seiten, erscheinen. Doch was ist das Ziel der Zeitschrift? Was kann sie, was andere nicht können?

Für Paul geht es darum "eine Plattform für geflüchtete Akademiker, Studenten und Journalisten zu schaffen, um Zugang zu den Gedanken und dem Wissen dieser Menschen zu erhalten und der Öffentlichkeit ihr großes Potential aufzuzeigen“. Dieses geballte und vorhandene Wissen der Geflüchteten sollte nicht verloren gehen, "während sie in Essensschlangen stehen und auf Godot - oder die Europäische Union - warten". Also hat Paul das Ganze lieber selbst in die Hand genommen. Sicher ist sicher.


Von Molekularbiologie bis Autobiographie

Ein syrischer Doktorand, der seine Forschung aufgrund der Flucht unterbrechen musste, kann im "Journal of Interrupted Studies“ so seine bisherigen Erkenntnisse veröffentlichen und mit der Öffentlichkeit teilen. Gleiches gilt für angefangenen Bachelor- oder Masterarbeiten, aber auch für fiktionale oder journalistische Texte. Um die Einreichungen angemessen redigieren und bewerten zu können, wurde an der Universität Oxford ein extra Beratergremium ins Leben gerufen – schließlich kann man als Philosophiestudent nicht mal eben die Abhandlung eines syrischen Professors zur Molekularbiologie korrekturlesen.

Das kostet natürlich viel Zeit und Mühen: Neben Studium in Oxford und dem wöchentlichen Schreiben für das "Handelsblatt Orange" hat sich Paul mit dem Journal viel Arbeit aufgehalst. "Das wird schon manchmal sehr viel, aber es funktioniert, weil ich alles so gerne mache. Außerdem habe ich tolle Leute, die mit mir an diesem Projekt arbeiten, das macht dann umso mehr Spaß". Davon sollte man sich wirklich nicht nur eine, sondern am besten eine Familienpackung an Scheiben abschneiden. Chapeau, lieber Paul.


Lust bekommen mitzumachen?

Pauls Motivation und das Herzblut, das in der Zeitschrift steckt, sind kaum zu übersehen - #lovewhatyoudo. Diese Leidenschaft ist ansteckend - man möchte sofort selbst mit anpacken und helfen. Das Tolle: Unterstützung ist jederzeit wilkommen. Der erste Schritt zu helfen ist, Freunden, Kommilitonen etc. vom "Journal" zu erzählen und es so zu verbreiten. Denn nur wenn geflüchtete Akademiker, Studierenden und Autoren von dem Projekt erfahren, können sie ihre Texte einreichen. Klaro. Um ständig auf dem Laufenden zu bleiben, hat die Zeitschrift mittlerweile einen eigenen Twitter-Account.



Aber du kannst noch mehr tun und Vertreter des "Journal of Interrupted Studies" an deiner Uni werden, indem du Interessierte zu Schnittstellen weiterleitest und ihnen bei der Organisation und dem Einreichen und Texten hilfst. Und na klar: Geld wird immer gebraucht. Paul und sein Team sind noch auf der Suche nach Sponsoren, die die Veröffentlichung der Zeitschrift ermöglichen. Je mehr Geld zusammenkommt, desto höher die Auflage. Egal ob Universitäten, Stiftungen, Privatpersonen oder Studierende – jede (finanzielle) Unterstützung ist willkommen. Alle Sponsoren werden im Heft namentlich erwähnt.

Sicher ist: Es gibt zu viele Missstände und Ungerechtigkeiten, die tagtäglich um uns herum geschehen. Paul macht mit dem "Journal of Interrupted Studies" deutlich, dass es nur einen einzigen Weg gibt, etwas dagegen zu tun: indem man etwas tut. Auf welche Weise dies dann letztlich passiert, das entscheidet jeder für sich. Denn nur dann, und mit diesem Fazit trifft Paul nicht nur den Nagel auf den Kopf sondern uns alle auch mitten ins Herz, "kann auch aus Immigration eine Integration werden". True!

Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.

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Links

Das "Bundesamt für Migration und Flüchtlinge“ (BAMF) im Web
Das "Journal of Interrupted Studies" im Web
Das "Handelsblatt Orange" im Web
Tonbandgerät im Web
Das "Journal of Interrupted Studies" auf Twitter

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