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London

Studentenstreik mit 1.270.000 Euro Schaden

published: 11.05.2016

Steigende Mieten, ungleiche Bildungschancen, Rattenplagen: In London gehen Studierende mit Plakaten und Parolen auf die Straßen (Foto: Sarah Benamar) Steigende Mieten, ungleiche Bildungschancen, Rattenplagen: In London gehen Studierende mit Plakaten und Parolen auf die Straßen (Foto: Sarah Benamar)

"Work hard, strike harder" und "Fuck the rent" – diese Parolen hängen momentan in Londoner Universitäten. Gekritzelt auf Post-its und Plakate von wütenden Studierenden. Wütend, weil die Preise für die Wohnheime ins Unermessliche steigen. Mittlerweile hat sich eine richtige Protestbewegung formiert: Über 1000 Studierende weigern sich, das Geld für ihre Zimmer zu zahlen — über eine Million Pfund an Miete stehen somit aus. Das sind knapp 1.270.000 Euro. Die Universitäten stehen unter Druck. Und der Streik, der unter dem Hashtag #rentstrike die ganze Welt erreicht, kann für die teilnehmenden Studierenden harte Konsequenzen haben.


Mieten um 40 Prozent gestiegen

Rattenplagen, Lärmbelästigung, steigende Mieten — die Studierenden an Londoner Universitäten haben allen Grund, sich über ihre Wohnheime zu beschweren. Und das tun sie, lauthals und medienwirksam. Studierenden der vier Universitäten University College London (UCL), Goldsmiths, Roehampton und Courtauld Institute haben sich solidarisiert und weigern sich gemeinsam, die ausstehenden Mieten zu zahlen. Der bisher entstandenen Schaden beläuft sich auf einen Millionensumme.

Teurer Wohnraum ist in London aber nicht nur für Studierenden ein Problem, sondern für die gesamte Bevölkerung. So gab ein Sprecher der UCL der Zeitschrift "The Guardian" gegenüber zwar zu, dass die Wohnheimpreise seit 2010 um 40 Prozent gestiegen seien. Dieser Wert liege aber unter dem generellen Mietpreisspiegel in London — 2.000 Euro für eine Durchschnittswohnung seien dort normal, so ein Artikel der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Eine Kürzung der Mietkosten um 40 Prozent, wie es die Protestler fordern, sei deshalb unmöglich für die Universität zu stemmen.


Bildung für alle? Das war einmal

Den Protestlern geht es um mehr als nur steigende Mieten — sie sprechen von einem "social cleansing", einer "sozialen Säuberung". Shelly Asquith, Vizepräsidenten der Abteilung Sozialpolitik bei der National Union of Students (NUS) , erklärte "The Guardian" gegenüber, dass die hohen Mieten dafür sorgten, dass es sich nur wohlhabende Kinder ein Studium leisten könnten Bildung für alle? Schon lange nicht mehr.

Ähnliches bestätigt ein Dozent der Goldsmith, der gegenüber "The Guardian" anonym bleiben will: Die Studenten arbeiteten in zwei oder drei Jobs, einige bis zu 40 Stunden pro Woche, prangerte er an. Die Studenten kämen nicht zu den Vorlesungen, schon gar nicht morgens. Die Hörsäle seien halbleer. Viele Studenten hätten bis in die frühen Morgenstunden im Catering gearbeitet und seien einfach zu erschöpft um zu studieren. All dies beeinträchtige die Qualität der Lehre.


Unterstützung auf der ganzen Welt

Aus dem anfänglichen Verweigern der Mietzahlungen ist mittlerweile eine große Protestbewegung geworden. Studierende der UCL haben unter dem Slogan "Cut the Rent“ eine Kampagne ins Leben gerufen, die über Social Media auf der ganzen Welt Menschen erreicht — vor allem Studierende. Angus, ein Student der UCL und Sprecher der Kampagne, sagte gegenüber Pointer.de stolz: "Wir erhalten eine Menge Aufmerksamkeit aus ganz Europa. Das zeigt, wie wichtig diese Themen für Studierende überall sind."

Unter dem Hashtag #rentstrike werden auf Twitter Bilder von heruntergekommenen Wohnheimzimmern, Kampfparolen oder Bilder gepostet, die zum Nachdenken anregen sollen. Die National Union of Students, die den Streik unterstützt, plant den Protest demnächst von der Hauptstadt aus auf ganz England zu übertragen. Protestanhänger sollen landesweit in Universitäten geschickt werden und dort helfen, ähnliche Kampagnen zu initiieren.


Protest mit ernsthaften Konsequenzen

Doch hinter all der Wut, den bunten Protestplakaten und Parolen verbergen sich für die streikenden Studierende schwere Konsequenzen. Dadurch, dass sie ihre Miete nicht zahlen, drohen sie ihre Wohnung zu verlieren. Ob es ihnen dann möglich sein wird, ihr Studium weiterzuführen, ist fraglich. Doch diese Gefahr scheinen die Protestler gerne in Kauf zu nehmen; zu groß ist ihre Wut auf das System. Zwar versicherte ein Sprecher der Goldsmith, dass die Uni alles versuche, um die Mieten möglichst gering zu halten und dass über 100 Zimmer dort bis zum nächsten Akademischen Jahr nicht teurer werden würden — doch was danach kommt, bleibt unklar.

Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.

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Links

Der Hashtag #rentstrike auf Twitter
Der Artikel "University students across London take part in rent strike" auf theguardian.com
Die National Union of Students (NUS) im Web
Der Artikel "Guardian Students London students refuse to pay rent and demand 40% cut" auf theguardian.com
Die Kamapgne "Cut the Rent" auf Facebook
Der Artikel "2000 Euro Miete für die Durchschnittswohnung" auf faz.net

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