Uni Bochum

Studierende wollen Leichen zurück

published: 27.06.2016

Kann man ohne Präparierkurse ein guter Arzt werden? Medizin-Studierende der Uni Bochum fürchten um die Qualität ihrer Ausbildung (Foto: Jasminko Ibrakovic/Shutterstock.com) Kann man ohne Präparierkurse ein guter Arzt werden? Medizin-Studierende der Uni Bochum fürchten um die Qualität ihrer Ausbildung (Foto: Jasminko Ibrakovic/Shutterstock.com)

Bei den Medizinstudierenden an der Ruhr-Universität Bochum herrscht dicke Luft. Schuld daran: schlechte Luft. Die Räume der Uni weisen eine zu hohe Konzentration an Formaldehyd auf, das als krebserregend gilt. Formaldehyd ist auch der Stoff, mit dem die Leichen von Körperspenden für die medizinische Lehre konserviert werden. Die Konsequenz: Keine Leichen mehr für die Studierenden. Die finden das wiederum gar nicht gut und setzen ihre Uni mit einem offenen Brief an die Landesregierung nun ordentlich unter Druck.



Beschwerde ganz nach oben

Medizin studieren, ohne an menschlichen Körpern zu lernen? Ein Unding, finden die Studierenden an der Ruhr-Universität Bochum. Doch für sie ist dies momentan Realität. Im Januar 2016 trat ein Gesetz in Kraft, das neue Richtwerte der Formaldehydkonzentration vorschreibt, die nicht überschritten werden dürfen. Zum Leidwesen der Studierenden in Bochum. Denn als im Sommer 2015 Tests an der Uni durchgeführt wurden, zeigte sich, dass diese Grenzwerte überschritten werden. In den Präpariersälen lag zu viel Formaldehyd in der Luft. Als Folge wurden sofort alle laufenden Präp-Kurse abgebrochen. Die Studierenden können jetzt diese wichtigen Anatomiekurse nicht mehr besuchen. Aus Protest wenden sich die angehenden MedizinerInnen nun mit einem offenen Brief an die Landesregierung Nordrhein-Westfalens.

Angst um schlechte Ausbildung

Das Problem an der Sache: Es passiert einfach nichts. Die nötigen Umbaumaßnahmen der Räumlichkeiten werden nicht vorgenommen und keine Übergangslösungen gefunden. Das macht die Studierenden sauer. Denn statt der mikroskopischen Anatomie müssen sie nun einen vierstündigen theorielastigen Kurs belegen — "der in keiner Weise an die Erfahrung eines klassischen Präparierkurses heranreicht", wie sich die Studierenden in dem offenen Brief beschweren.


Sie fürchten nun um die Qualität ihrer Ausbildung und den Ruf des Studienstandortes Bochum, denn, so heißt es im offenen Brief weiter: "Wir sind der Meinung, dass das Lehren und Lernen am menschlichen Körper im Fach Anatomie essentiell für unsere medizinische Ausbildung ist. Als Grundlage für die Ausbildung zu einer kompetenten Ärztin/einem kompetenten Arzt stellt der Präparierkurs für uns Studierende eine unverzichtbare Bedingung dar, um den Körper des Menschen in seiner Topographie, Individualität und Beschaffenheit hinsichtlich Haptik und Optik kennenzulernen. Auch die beste Lehrbuchabbildung kann diese reale Erfahrung nicht ersetzen."


 
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Jetzt wird protestiert

Weil weder kurz- noch langfristige Lösungen ergriffen würden, die es sehr wohl gebe, formiert sich zunehmend Protest seitens der Studierenden. Der offene Brief war nur der Anfang. Auf Facebook wurde mittlerweile die eigene Seite "Bring back the Präp!" gegründet, die zu Demonstrationen und Unterschriftenaktionen aufruft. Der Druck auf die Uni steigt also zunehmend. Denn eins ist sicher: Bei ihrer Ausbildung verstehen angehenden MedizinerInnen keinen Spaß. Und das ist für uns, ihre künftigen Patienten, ja auch irgendwie beruhigend.

Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.

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Links

"Offener Brief zur Wiedereinführung des klassischen Anatomie-Präparierkurses an der Ruhr-Universität Bochum" im We
Die Ruhr-Universität Bochum im Web
Facebook-Gruppe "Bring back the Präp!"

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