Wichtige Grundkenntnisse fehlen vor dem Studium noch? Dann hilft ein Propädeutikum weiter (Foto: Robert Kneschke/Shutterstock.com)Diesen Ausweis sollte man als Studierender immer dabeihaben (Foto: Delpixel/Shutterstock.com)Für ein postgraduales Studium muss man den ersten Hochschulabschluss schon in der Tasche haben (Foto: Creativa Images/Shutterstock.com)Ein Bett und ein paar Schränke: viel mehr passt in ein Wohnheimzimmer nicht rein (Foto: Radu Razvan/Shutterstock.com)Das Graecum ist ein Nachweis für Sprachkenntnisse im Altgriechischen (Foto: Yilmaz Uslu/Shutterstock.com)Das Latinum ist ein Nachweis für Lateinkenntnisse (Foto: IG-Photo/Shutterstock.com)Kennt jeder Studierende: Stress während der Klausurenphase. Pointer hat zehn Tipps, um am Ende nicht in komplette Prüfungspanik zu verfallen (Foto: Krivosheev Vitaly/Shutterstock.com)

EU-Austritt

Was der Brexit für Studis bedeutet

published: 01.07.2016

Welche Konsequenzen hat der Brexit für Studierende aus Deutschland? Pointer klärt auf (Foto: phenyx7776/Shutterstock.com) Welche Konsequenzen hat der Brexit für Studierende aus Deutschland? Pointer klärt auf (Foto: phenyx7776/Shutterstock.com)

Boom: Das Vereinigte Königreich hat für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt. Mit 51,9 Prozent entschied dies insgesamt eine knappe Mehrheit der Bevölkerung in England, Wales, Schottland und Nordirland. Well, hello Brexit. Das hat auch für Deutschland Folgen. Wird das englische Weingummi im Supermarkt nebenan teurer? Okay, damit könnten wir leben. Gibt ja immer noch Haribo. Doch mit welchen Konsequenzen müssen Studierende in Deutschland rechnen, die einen Abstecher nach Großbritannien oder Nordirland machen wollen? Pointer gibt einen kurzen Überblick über mögliche Folgen des Brexit.


Alles noch Spekulation

Erstmal durchatmen: Genaue Aussagen über Folgen des Brexit können noch nicht getroffen werden. Sich irgendwelche Horrorszenarien auszuspinnen, ist also sinnlos. Dazu ist die Sache zu frisch, die Zukunft zu ungewiss. Erstmal muss nun die Regierung in London formell den Austritt aus der EU beantragen, dann beschließen die verbleibenden EU-Mitgliedstaaten die Rahmenbedingungen für den Austritt. Ach ja, und der Premierminster-Posten wird neu besetzt werden.

Es gibt also einiges zu tun. Der endgültige Austritt wird somit erst 2018 erwartete. Und obwohl unklar ist, wie der Brexit genau aussehen wird, ist klar: Er wird Folgen haben. Klar. Folgen für britische Universitäten und den europäischen Hochschulraum. Folgen für Studierende in Deutschland.

Denn: Großbritannien ist eines der beliebtesten Auslandssemester-Ziele deutscher Studis – 2013 gingen laut Statistischem Bundesamt knapp 15.700 Studierende auf die Insel, um dort Credit Points zu sammeln. Das sind rund 12 Prozent aller deutschen Auslandsstudierenden. An dem bisher leichten Austausch wird sich wohl bald einiges ändern. Vor allem in finanzieller Hinsicht.



1. Goodbye, Erasmus?

Auslandsaufenthalt geplant? Da denkt wohl jeder Studierende zuerst an Erasmus – das Förderprogramm der Europäischen Union für Studis, die gern für eine Zeit lang fernab der Heimat studieren wollen. Pro Jahr gehen knapp 3140 deutsche Austausch-Studierende über Erasmus nach Großbritannien – es ist damit eins der beliebtesten Ziele des Förderprogramms.

Nach dem Brexit ändert sich höchstwahrscheinlich etwas in Sachen Erasmus-Förderung. Was genau, das ist nicht klar. Bisher bekommen Studierende in Deutschland, die in Großbritannien studieren wollen, finanzielle Unterstützung durch das Programm. Ob diese Finanzspritze zukünftig komplett wegfällt oder nur gekürzt wird, ist unsicher. Gute Nachricht: Eine Teilnahme eines Landes am Erasmus-Programm ist grundsätzlich nicht an eine Mitgliedschaft in der EU gekoppelt. Vielleicht bleibt also auch alles wie gehabt. Man darf hoffen.


2. Goodbye, "Home fees"?

Und was ist mit den EU-Menschen, die ohne ein Erasmus-Programm im Inselstaat studieren? Die zahlen Studiengebühren genau wie die einheimischen Studierenden – sogenannte "home fees". Die gleichen Kosten ergeben sich momentan noch aus Artikel 18 des "Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union". Dieser besagt, ganz platt gesagt, dass innerhalb der EU niemand aufgrund seiner Nationalität diskriminiert werden darf. Sprich: Für Studierende aus anderen EU-Ländern darf ein Studium in Großbritannien nicht mehr kosten als für dort geborene Studierende. Gleiche Rechte und Kosten für alle also.

Studierende, die nicht aus der EU kommen, müssen hingegen die deutlich teureren "overseas fees" berappen. Die belaufen sich für ein Semester schnell mal auf 40.000 Euro #katsching. Dies könnte nach dem Brexit auch für deutsche Studierende der Fall sein. Könnte, muss aber nicht. Mut macht das Beispiel Schweiz: Obwohl das Land nicht zur EU gehört, dürfen Studierende aus der Schweiz in Großbritannien zu "home fees"-Konditionen studieren. Eine Erhöhung der Studiengebühren für deutsche Studierende in Großbritannien ist deshalb spekulativ.


3. Goodbye, Freizügigkeit - hello, Visum?

Nope, hier ist nicht die Art von Freizügigkeit gemeint, bei der die Queen rot anläuft. Sondern: In der EU gilt laut Artikel 21 des "Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union" Freizügigkeit in dem Sinne, dass sich Staatsangehörige eines Mitgliedstaates frei in der EU bewegen dürfen, in jeden Mitgliedstaat einreisen und sich dort aufhalten dürfen. In Bezug auf Erwerbstätigkeit in der EU bedeutet Freizügigkeit, dass Unionsbürger das Recht haben, sich in jedem anderen Mitgliedstaat unter gleichen Voraussetzungen wie Inländer wirtschaftlich zu betätigen.

Nach dem Brexit könnte sich das ändern. Und zwar in so fern, als dann ein kurzer Städtetrip ins Vereinigte Königreich nicht mehr so easy zu organisieren wäre. Für Studierende könnte es weiterhin einen Bürokratie-Albtraum bedeuten. Denn: Nicht-EU-Studierende müssen bereits jetzt für ein Studium im Inselstaat das sogenannte "Tier 4 student visa“ beantragen. Das kostet nicht nur eine Menge Geld (400 Euro aufwärts), sondern auch Nerven und Zeit bei der Beantragung. Dies könnte bald auch deutschen Studierenden blühen. Schwierig wird es zudem für alle, die nach dem Studium in Großbritannien arbeiten wollen.


4. Einfach nur Urlaub machen

Es müssen ja nicht unbedingt die Credit Points sein, die Studis ins United Kingdom (UK) ziehen. Kann auch eine gechillte Tea Time sein. Oder die Aussicht, einfach mal vor dem Palast der Queen rumzulungern. Was der Brexit für einen Kurzurlaub auf der Insel bedeutet, ist ebenfalls nicht genau absehbar. Momentan sieht es aber gut aus: In UK zu urlauben, dürfte für Reisende aus EU-Ländern erstmal günstiger werden. Der Grund ist der sinkenden Kurs des britischen Pfunds. Sonst wird sich hier wohl nicht groß was tun. Da das Vereinigte Königreich kein Mitglied des Schengen-Raums ist, muss schon jetzt jeder einreisende EU-Besucher Personalausweis oder Reisepass vorzeigen.

Nicht warten, sondern Tea trinken

Wie schlimm die Auswirkungen des Brexit letztlich sein werden, das kann niemand sagen. Nicht mal Wahrsagerinnen auf ominösen Fernsehsendern nachts um halb fünf. Sicher ist: England, Wales, Schottland und Nordirland sind definitiv einen Besuch wert. Egal ob vor oder nach dem Brexit. Um aber nichts zu riskieren und einem möglichen Bürkoratie-Albtraum samt Visum und teuren Studiengebühren aus dem Weg zu gehen: Am besten bald rüber auf die Inseln – egal ob fürs Studium oder den Urlaub. Denn jetzt gilt: Nicht warten, sondern Tea trinken. Am besten mit Blick auf den Big Ben.





Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.

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Links

Artikel 18 des "Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union“
Artikel 21 des "Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union“
"Tier 4 student visa“ im Web
Der "Vertrage über die Arbeitsweise der Europäischen Union" im Web

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