Uni Kassel

AfD-Ableger zieht ins Studierenden-Parlament ein

published: 15.07.2016

Ende Juni wurde an der Uni Kassel das Studierendenparlament gewählt  - mit 113 Stimmen erhielt die Junge Alternative zum ersten Mal einen Sitz (Foto: Alexandru Nika/Shutterstock.com) Ende Juni wurde an der Uni Kassel das Studierendenparlament gewählt - mit 113 Stimmen erhielt die Junge Alternative zum ersten Mal einen Sitz (Foto: Alexandru Nika/Shutterstock.com)

An der Universität Kassel hat die rechtspopulistische Partei Alternative für Deutschland (AfD) Grund zu feiern. Ja, richtig gelesen — kein Scherz. Leider. Zum ersten Mal in Deutschland ist es der Junge Alternative (JA), der Jugendpartei der AfD, gelungen, an einer Universität einen Sitz im Studierendenparlament zu bekommen. Und so könnte es an anderen Unis weitergehen.



Problem: Geringe Wahlbeteiligung

Hochschulpolitik interessiert nicht jeden Studenten. Nur wenige nutzen die Möglichkeit, über Wahlen ihre Uni mitzugestalten. So weit, so schlecht. Den Salat hat man spätestens dann, wenn diese geringe Wahlbeteiligung dazu führt, dass rechtspopulistische Parteien Einzug in Studierendenparlamente erhalten.

Dieser Fall ist nun an der Uni Kassel eingetreten. Die Beteiligung an der dorten Wahl zum Studierendenparlament Ende Juni lag bei lediglich 13,4 Prozent — von 22.906 Studierenden haben nur 3070 ihre Stimme abgegeben. Diese Zahlen veröffentlichte jetzt der AStA der Uni Kassel. Davon profitierte die JA: Ihr genügten 113 Stimmen und damit vier Prozent, um einen Sitz im 25 Sitze umfassenden Parlament zu ergattern — und damit in Zukunft an der Gestaltung der Hochschulpolitik mitzuwirken.



"Der Political Correctness eine Absage erteilen!"

Doch mit welchen Versprechen hat die JA es geschafft, die nötigen Stimmen zu bekommen? Was sind ihre Ziele, ihre Slogans? Auf ihrer Facebook-Seite hat die JA den Flyer samt ihrer wichtigsten Standpunkte veröffentlicht. Dies wären zum Beispiel: "Die Gender-Ideologie in die Schranken weisen!", "Meinungsfreiheit statt Denkverbote", "Der Political Correctness eine Absage erteilen!". Weiterhin fordert die JA mehr Sicherheit auf dem Campus durch Wachpersonal und Notrufsäulen. 113 Studierende hat dies überzeugt. Weitaus mehr votierten allerdings für die Jusos (26 Prozent, sieben Sitze), die Grünen (25 Prozent, sieben Sitze) sowie weitere fünf Listen und Initiativen, die nun jeweils zwei Sitze erhalten.


 
Über 19.000 Studiengänge, 300 Orte, 747 Hochschulstandorte

HOCHSCHULKARTE

HOCHSCHULKARTE

Mimadeo / shutterstock.com
 


Wie geht es weiter?

Nicht nur an der Uni Kassel bekommen rechtspopulistische Parteien zunehmend die Möglichkeit, an der Politik der Hochschulen mitzuwirken. Auch an der Fernuni Hagen ist dies einer politischen Gruppe gelungen. Sie trägt den gleichen Namen wie die JA, ist aber kein offizieller Ableger der AfD. Wie es bundesweit weitergeht mit der JA — wie auch der AfD — ist unklar. Gerade herrschen parteiintern Chaos und Unmut, nachdem der einstige Parteichef Jörg Meuthen eine neue Fraktion gegründet hat und innerhalb der Fraktion in Baden-Württemberg ein Machtkampf entbrannt ist. Es bleibt zu hoffen, dass diese Schwierigkeiten der JA vielleicht den rechten Wind aus den Segeln nehmen — damit an anderen Universitäten bei den Studierendenparlament-Wahlen "Nein“ zur JA gesagt wird. Bitte.

Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.

Mehr

René Adler trainiert Torwart-Nachwuchs
Mietpreise steigen weiter
Die deutsche Adele?

Links

Die Facebook-Seite der Jungen Alternative (JA)
Der AStA der Uni Kassel im Web
Der Artikel "JETZT ERHÄLTLICH AN ALLEN GUTEN UNIS!" auf dradiowissen.de
Der Artikel "Jörg Meuthen gründet "Alternative für Baden-Württemberg"" auf zeit.de
Die Junge Alternative Kassel im Web
Der Wahl-Flyer der Jungen Alternative Kassel auf Facebook

Das könnte dich auch interessieren:

Hochschulkarte

Suche

Mimadeo / shutterstock.com
Über 19.000 Studiengänge an 747 Hochschulstandorten
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung