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Türkei

Repressionen gegen Akademiker

published: 21.07.2016

Säuberung? Machtergreifung? Auf alle Fälle Recep Tayyip Erdogan... Orlok / Shutterstock.com Säuberung? Machtergreifung? Auf alle Fälle Recep Tayyip Erdogan... Orlok / Shutterstock.com

Es ist längst kein Geheimnis mehr: In der Türkei läuft momentan einiges schief. Nach dem gescheiterten Putschversuch müssen jetzt die Akademiker und Hochschulen dran glauben. Entlassungen von mehr als 1500 Dekanen, Suspendierungen und Generalverdacht gegen Hochschulangehörige – so sieht die Realität in der Türkei gerade aus. Eine unerträglicher Status Quo, findet der Präsident der Hochschulkonferenz (HRK) Prof. Dr. Horst Hippler. Und legt jetzt wortgewaltigen Protest ein.



Ausreiseverbot für Wissenschaftler

Betrachtet man die aktuelle Lage in der Türkei, kann man vor lauter Kopfschütteln vorsorglich schon einen Termin bei der Physiotherapie machen. So hat Präsident Recep Tayyip Erdoğan die türkischen Universitäten angewiesen, keine Akademiker mehr ausreisen zu lassen. Zudem sollen alle Wissenschaftler, die sich momentan im Ausland befinden, zurückgerufen werden. So die neusten Informationen der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

Die Suspendierungen und Entlassungen von tausenden Dekanen, Verhaftungen und ausgehängte Generalverdachte gegen Hochschulangehörige sollen mögliche Regime-Gegner und Putschisten treffen. Laut Angaben der Regierung wurden seit dem Wochenende mehr als 7500 Menschen inhaftiert – die Zahl steigt stetig. In einem nächsten Schritt soll das gesamte wissenschaftliche sowie administrative Personal, das an den Hochschulen beschäftigt ist, auf mögliche Verbindungen zu Prediger Fethullah Gülen untersucht werden. Grund dafür ist, dass Erdoğan die Anhänger von Gülen hinter dem Putschversuch vermutet. Laut Anadolu sollen die Ergebnisse der Überprüfung zum 5. August vorliegen.



Eine "Vernichtung des freien Geistes"

"Die Nachrichten deuten darauf hin, dass es um systematische Einschüchterung und um die Vernichtung des freien Geistes geht“, schreibt HRK-Präsident Prof. Dr. Horst Hippler in einer Pressemitteilung vom 20. Juli – die Hochschulkonferenz fühle tiefe Verbundenheit zu allen Betroffenen in der Türkei und versichere ihnen ihre Solidarität.

An den türkischen Univesitäten herrscht Angst und Ungewissheit wie niemals zuvor – Orte der freien Meinungsbildung sind sie schon lange nicht mehr. Die deutschen Hochschulen sehen die aktuellen Entwicklungen in der Türkei deshalb mit Entsetzen entgegen, so Hippler: "Die tiefen, offenbar skrupellosen Einschnitte in die akademischen Freiheiten durch die türkische Regierung machen uns alle fassungslos. Wir protestieren gegen dieses Vorgehen auf das Schärfste."



Der Druck steigt

Obwohl die Türkei und Deutschland traditionell durch eine gute Wissenschaftsbeziehungen verbunden sind, ist die Kritik an dem Umgang der türkischen Regierung mit den Hochschulangehörigen nicht neu. Bereits im Januar hatte Hippler in einer Pressemitteilung öffentlich die Repressionen gegen Wissenschaftler an türkischen Hochschulen kritisiert und gemeinsam mit internationalen Partnern einen offenen Brief an den türkischen Staatspräsidenten verfasst. In diesem forderten sie geschlossen den Schutz der akademischen Freiheiten.

Wie es weitergeht, bleibt abzuwarten. Der Aufschrei um die Missstände in der Türkei wird immer größer. Mal sehen, wie lang Erdoğan sich noch die Ohren zuhalten kann. Auch die europäische Rektorenkonferenz EUA (European University Association) hat gestern deutlich Stellung bezüglich der Repressionen gegen die Akademiker bezogen.

Und Erdoğan? Ließ am Mittwoch vom nationalen Sicherheitsrat einen dreimonatigen Ausnahmezustand verhängen – nach seinen Worten eine "wichtige Entscheidung". Schade, dass wichtig nicht gleich richtig bedeutet.

Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.

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Links

Informationen der Nachrichtenagentur Anadolu
Stellungnahme der European University Association (EUA) im Web
Die Pressemitteilung "Rektorenkonferenzen: Kritik am Umgang mit regierungskritischen Wissenschaftlern in der Türkei" der HRK im Web
Die Pressemitteilung "HRK-Präsident protestiert gegen Umgang mit Hochschulangehörigen in der Türkei" der HRK im Web

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