Streit um digitales Lernmaterial

Vorerst doch kein "Papierkrieg" an den Unis

published: 29.12.2016

Kiloweise Bücher schleppen? Am Kopierer Schlange stehen? Bis Herbst 2017 bleibt dies Studis vorerst erspart (Foto: debasige/Shutterstock.com) Kiloweise Bücher schleppen? Am Kopierer Schlange stehen? Bis Herbst 2017 bleibt dies Studis vorerst erspart (Foto: debasige/Shutterstock.com)

Wer sich zu Weihnachten einen extra großen Rucksack zum Bücher-Schleppen oder ein Kopier-Guthaben in Höhe eines Jay-Z-Jahresgehalts gewünscht hat, der war voreilig, denn: Bis September 2017 wird es Studis doch noch möglich sein, digitale Seminarliteratur - wie bisher gewohnt - aus dem Internet herunterzuladen. Die Länder-Bildungsminister, die Hochschulen und die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) habe sich vorerst auf einen neuen Rahmenvertrag geeinigt. Also doch keine Rückkehr ins prädigitale Zeitalter mit meterlangen Schlangen vor den Bib-Kopierern.

Studierende und Lehre würden leiden

Anfang Dezember hat Pointer in diesem Artikel bereits über den Streit zwischen der Kultusministerkonferenz und der VG Wort berichtet — dabei ging es darum, dass Online-Semesterliteratur nicht mehr pauschal, sondern jeder Text einzeln abgerechnet werden soll. Während pro Jahr derzeit rund 2,1 Millionen Euro von den Bundesländern an VG Wort bezahlt werden — ganz egal, wie viele Texte von den Dozenten nun wirklich für die Studierenden auf Lernplattformen hochgeladen werden — kritisierte der Bundesgerichtshof diese Pauschal-Lösung.


 
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Die Konsequenz wäre gewesen, dass es teurer und umständlicher wird, Studierenden Semesterliteratur digital bereitzustellen. Dozenten würden dann weniger Texte für die Studierenden hochladen, die stattdessen wieder mehr aus Büchern herauskopieren bzw. teure Literatur kaufen müssten. Darunter würden nicht nur die Studierenden leiden, sondern letztlich auch die Lehre an den Unis. Der heftige Protest gegen diese Entwicklung, der z.B. durch eine Online-Petition mit knapp 90.000 Unterschriften unterstützt wurde, scheint geholfen zu haben: Bis Herbst 2017 wird es vorerst keinen Papierkrieg geben — ein Weihnachtsgeschenk, über das sich viele Studis wirklich freuen dürften.
 

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Hier kannst du die Grundsatzvereinbarung zwischen der VG Wort, der Kulturministerkonferenz (KMK) und Hochschulrektorenkonferenz (HRK) einsehen, in der die vorübergehende Lösung bis September 2017 genau festgehalten ist.

Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.

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Links

Zum Pointer-Artikel "Papierkrieg an der Uni?"
Zur Grundsatzvereinbarung zwischen KMK, VG Wort und HRK
Zur Online-Petition "Stoppt die Versetzung der Hochschulen ins prädigitale Zeitalter!"

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