Studie zum Medizinstudium

Hausarzt-Karriere wieder beliebter

published: 26.07.2017

Studierende der Medizin können sich laut einer Umfrage durchaus wieder vorstellen, Haus- oder Landärzte zu werden (Foto: lenetstan/Shutterstock.com) Studierende der Medizin können sich laut einer Umfrage durchaus wieder vorstellen, Haus- oder Landärzte zu werden (Foto: lenetstan/Shutterstock.com)

Erinnerst du dich noch an die Hausärztin deiner Kindheit? Die im Nachbardorf. Da, wo man nach der Impfung für seine Tapferkeit mit Gummibärchen belohnt wurde. Oder an den Hausarzt, der dir mit einem zugedrückten und einem zwickernden Auge das Attest für den Sportunterricht ausstellte? Ja, Hausärzte sowie Hausärztinnen sind was Tolles. Dementsprechend erfreut die Nachricht: Immer mehr junge Medizin-Studierende können sich vorstellen, später als Haus- und Landärzte zu arbeiten. Lange Zeit ging der Trend in eine andere Richtung. Umso mehr: Yeah!

Die Ergebnisse stammen aus einer neuen Umfrage der Techniker (TK) gemeinsam mit dem Hartmannbund (HB), in der Medizinstudierende aus Baden-Württemberg befragt wurden. Die Umfrage zeigt zudem, welche Voraussetzungen für die Studis gegeben sein müssten, um später Hausärztin bzw. -arzt zu werden und welche Vorurteil sie bisher noch davon abhalten. Wir haben die wichtigsten Ergebnisse im Überblick.
 

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Allgemeinmedizin? Bloß nicht!

Bisher galt das Berufsbild Hausärztin bzw. -arzt als wenig attraktiv – das zeigten Studien wie das bundesweite Berufsmonitoring Medizinstudenten 2014: So konnten sich nur 10 Prozent der befragten Medizin-Studis 2014 defintiv vorstellen, später Allgemeinmedizin als Spezialisierung zu wählen und damit Hausarzt bzw. -ärztin zu werden. Als Gründe dafür wurden Vorurteile wie die als wenig anspruchsvoll angenommene Tätigkeit sowie mangelnde Abwechslung im Berufsalltag angegeben. Medizinische Forschung klingt für die meisten deutlich spannender.

Allgemeinmedizin? Warum eigentlich nicht?

Die Ergebnisse der neuen Umfrage von TK und HB machen jetzt aber Hoffnung: Studis finden wieder Gefallen an der Allgemeinmedizin – jedenfalls im Befragugsgebiet Baden-Württemberg. Knapp 50 Prozent der Befragten können sich vorstellen, später Hausarzt bzw -ärztin zu werden. 58 Prozent von ihnen ziehen sogar den Beruf Landärztin bzw. -arzt in Erwägung. Während 31 Prozent der Studis die Allgemeinmedizin unattraktiv finden, gibt es immerhin 20 Prozent, die sich bisher nicht entschieden haben und eine Karriere auf dem Land nicht ausschließen.

Aber klar: Vorurteile gibt es noch immer. 55 Prozent der Befragten finden, dass hausärztliche Tätigkeiten zu schlecht vergütet werden, 39 Prozent fürchten ein zu geringes Ansehen in der medizinischen Fachwelt und 31 Prozent empfinden den Job als Hausarzt bzw. -ärztin als Einzelkämpferjob. Zudem denken 28 Prozent der Studis, dass man in der Allgemeinmedizin zu sehr vom medizinischen Fortschritt abgekoppelt sei.
 

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Vorteile statt Vorurteile

Den Vorurteilen stehen aber viele positive Argumente gegenüber: So sehen 89 Prozent der Studis den Vorteil, als Hausarzt bzw. -ärztin Patienten langfristig betreuen zu können, 82 Prozent reizt das große medizinische Spektrum der Tätigkeit und 51 Prozent sehen den Beruf als wichtige Schaltstelle im Gesundheitswesen. Und immerhin: 19 Prozent der Studis überzeugt das hohe Ansehen, das Hausärzte ihrer Einschätzung nach in der breiten Bevölkerung haben – im vermeintlichen Gegensatz zum Image in der medizinischen Fachwelt.

Wichtig bei der Entscheidung für eine Hausarztkarriere auf dem Land oder in der Kleinstadt ist 73 Prozent der Studis eine gute Kinderbetreuung sowie gute Schulangebote. Für 58 Prozent müssen genug Freizeit- und Kulturangebote vorhanden sein. Und es spielen auch die Finanzen eine Rolle: 55 Prozent legen Wert auf kostenlose Bereitstellung von Praxisraummöglichkeiten, 49 Prozent auf Prämienzahlungen durch z.B. Krankenkassen und Politik. 38 Prozent ist finanzielle Unterstützung beim Grundstückskauf wichtig.
 

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Woher kommt der Wandel?

Dass sich immer mehr Studis eine Karriere in der Allgemeinmedizin vorstellen können, kommt nicht von ungefähr: Sowohl an den Unis als auch in der Politik wurde hart gearbeitet, um das Hausarzt-Image aufzubessern und finanzielle Anreize zu schaffen, z.B. durch das Aktionsprogramm "Landärzte“ oder das Projekt "Ziel und Zukunft" (ZuZ), welches Praxisneugründungen und -übernahmen in Fördergebeiten mit bis zu 60.000 Euro bezuschusst.

Und auch die Unis geben ihr Bestes: So gibt es für 93 Prozent der befragten Studis an ihrer Uni genug Möglichkeiten, Praktika bei Hausärzten zu absolvieren. 79 Prozent sehen genug Lehr- und Informationsangebot zur Allgemeinmedizin im Studium.


 
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Sei mutig – geh aufs Land

Auch wenn man letztlich nicht vergessen darf, dass sich die Studie leidiglich auf Studis in Baden-Württemberg bezieht, macht der Aufwärtstrend Hoffnung. Hoffnung, dass wir auch in Zukunft genug Hausärztinnen haben werden, die Tapferkeit mit Gummibärchen belohnen und Hausärzte, die Schüler vor dem verhassten Handball-Training retten. Wir brauchen euch, wir wollen euch und wir schätzen euch. Also, Studis: Mut zur Karriere auf dem Land!
 

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Wer die gesamten Studienergebnisse lesen möchte, findet diese hier. Zudem gibt es hier noch ein interessantes Interview der "ÄrzteZeitung" mit dem Medizinnachwuchs.

Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.

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Links

Die Techniker (TK) im Web
Der Hartmannbund (HB) im Web
Die Ergebnisse des Berufsmonitoring Medizinstudenten 2014 im Web
Weitere Infos zum Aktionsprogramm "Landärzte" im Web
Weitere Infos zum Projekt "Ziel und Zukunft" (ZuZ) im Web
Zum Intreview "Allgemeinmedizin – ist aus sich heraus attraktiv" auf aerztezeitung.de
Die "ÄrzteZeitung" im Web

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