Studie zu Studierenden

Lieber Pizza als Datenschutz

published: 18.08.2017

Eine neue Studie aus Stanford zeigt: Viele Studierende würden private Daten sogar schon für eine kostenlose Pizza preisgeben (Foto: g-stockstudio/Shutterstock.com) Eine neue Studie aus Stanford zeigt: Viele Studierende würden private Daten sogar schon für eine kostenlose Pizza preisgeben (Foto: g-stockstudio/Shutterstock.com)

Oft steht man im Leben vor Entscheidungen, die schwerfallen — Karriere oder Familie, Lernen oder Netflix? Die Frage "Datenschutz oder Pizza?“ zählt nicht dazu, sollte man meinen. Immerhin ist Datenschutz ein aktuelles und immens wichtiges Thema, oder? Gerade für junge Menschen. Doch anscheinend nicht, wie eine neue Studie aus Stanford zeigt: Für die Mehrheit der befragten Studierenden reichte bereits eine Gratis-Pizza als Anreiz aus, um persönliche Daten zu verraten — und sogar die von Freunden. Doch woran liegt das?


Eine simple Frage — überraschende Antworten

Wie leicht geben junge Menschen ihre Daten preis? Mit dieser Frage begann Susan Athey, Wirtschaftswissenschaftlerin und Professorin am Stanford Institute for Economic Policy Research, gemeinsam mit zwei Co-Autoren eine Untersuchung, an der über 3.000 Studis teilnahmen. Während Forschung oft kompliziert ist, gingen Athey und ihre Kollegen simpel vor: In einem Teilexperiment der großangelegten Untersuchung boten sie den Studis eine kostenlose Pizza an, wenn diese im Gegenzug drei E-Mail-Adressen von Freunden preisgeben würden. Die Überraschung: Eine überwältigende Mehrheit entschied sich gegen die Privatsphäre der Freunde und tauschte die Daten bereitwillig gegen die versprochene Pizza.

Das Privacy Paradox

Dieses Ergebnis machen deutlich: Bereits ein kleiner Anreiz reicht aus, damit junge Menschen ihre privaten Daten preisgeben. Es herrscht ein großer Unterschied zwischen der grundsätzlichen Einstellung zum Datenschutz und den tatsächlichen Handlungen. Sprich: Jeder wünscht sich Datensicherheit — doch die wenigstens tun etwas dafür. Sogar diejenigen, die generell Angst um ihre Daten haben und frustriert sind, wie es um den Schutz dieser steht, handeln entgegen ihrer gedanklichen Haltung. Dieses Phänomen, in der Theorie bereits bekannt als Privacy Paradox, wird nun durch die Erkenntnisse von Athey und Co. empirisch bestätigt.


Warum ist uns Datenschutz so unwichtig?

Für diese grundsätzliche Daten-Gleichgültigkeit sieht Athey mehrere Gründe: So ist es zum einen die ständige Bombardierung mit Datenschutzerklärungen, Cookie-Zustimmungen etc., die die Menschen abstumpfen und lesefaul werden lässt. Zudem denken viele, dass sie sich den Bedingungen eh nicht entziehen können und zwangsweise zustimmen müssen — wer auf Social Media unterwegs sein möchte, müsse sich den Richtlinien eben beugen. Ein weiterer Grund sei, dass man in Sachen Sicherheit oft ganz genau hinschauen müsse, um die Unterschiede beispielsweise zwischen E-Mail-Programmen zu erkennen. Für den normalen User sei dies kaum möglich, weshalb dieser sich nicht weiter mit dem Thema Datenschutz auseinandersetze.

Kein Anreiz für Unternehmen

Wodurch sich das Verständnis junger Menschen für den Schutz ihrer eigenen Daten ändern könnte? Indem Unternehmen besser auf ihre Datenschutzrichtlinien hinweisen, diese z.B. prominenter auf ihren Websites platzieren und dem Nutzer transparenter machen, was genau mit den Daten geschieht. Doch dafür besteht, so Athey, momentan noch kein marktwirtschaftlicher Anreiz — die Unternehmen bekommen ihre User ja eh. Und so wird die Entscheidung vieler junger Leute wohl auch noch in Zukunft lauten: Pizza.


Die beschriebene Pizza-Untersuchung ist lediglich ein Teilexperiment — die Studie von Athey und ihren Co-Autoren ist größer angelegt und beschäftigt sich mit dem Thema Internet-Währung Bitcoin. Wer gerne mehr über die gesamte Studie lesen möchte, findet diese hier.

Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.

Mehr

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Links

Weitere Informationen zu Susan Athey
Das Stanford Institute for Economic Policy Research im Web
Mehr Infos zum Privacy Paradox
Zum Artikel "Pizza over privacy? Stanford economist examines a paradox of the digital age"

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