Studie

Jüngere Geschwister studieren seltener "Karriere-Fächer"

published: 22.11.2017

Zuerst geborene Kinder wählen für ihr Studium häufiger angesehene Fächer wie Medizin oder Ingenieurwesen und verdienen später mehr Geld als ihre jüngeren Geschwister (Foto: Di Studio/Shutterstock.com) Zuerst geborene Kinder wählen für ihr Studium häufiger angesehene Fächer wie Medizin oder Ingenieurwesen und verdienen später mehr Geld als ihre jüngeren Geschwister (Foto: Di Studio/Shutterstock.com)

Soso, ältere Geschwister sind in Sachen Studienwahl also seriöser unterwegs als die jüngeren. Denn: Zuerst geborene Kinder wählen für ihr Studium offenbar häufiger Prestige-trächtige Fächer wie Medizin oder Ingenieurwesen. Die später geborenen Geschwister entscheiden sich dagegen öfter für Kunst, Journalismus oder Lehramt. Zu diesem Ergebnis sind jetzt Forscher vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock gekommen. Zusammen mit Martin Hällsten von der Universität Stockholm veröffentlichten die Bevölkerungsforscher Kieron Barclay und Mikko Myrskylä ihre Erkenntnisse jetzt im Wissenschaftsjournal "Social Forces“.



Aus früheren Studien anderer Forscher sei bereits bekannt gewesen, dass nachfolgende Geschwister eine schlechtere Ausbildung bekommen und langfristig weniger Geld verdienen als zuerst geborene Kinder. Die neue MPIDR-Veröffentlichung belegt nun erstmals Unterschiede in den Vorlieben für bestimmte Studienfächer. Die Forscher untersuchten für ihre Studie schwedische Familien. Sie fanden heraus, dass die Wahl des Fachs die Hälfte der langfristigen Einkommensunterschiede unter den Geschwistern ausmacht. "Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Eltern mehr in ihre zuerst geborenen Kinder investieren als in die folgenden", sagt MPIDR-Demograf Kieron Barclay. "Dies scheint Unterschiede in den Fähigkeiten und Ambitionen der Kinder sogar innerhalb der Familie zu bewirken."

Welches Studienfach wählen die jüngeren Geschwister? (Foto: Max-Planck-Institut für demografische Forschung)Welches Studienfach wählen die jüngeren Geschwister? (Foto: Max-Planck-Institut für demografische Forschung)


Dabei unterscheide sich nicht lediglich das erste Kind von allen darauffolgenden, sagt Barclay. Vielmehr nähmen die Verschiedenartigkeiten mit dem Rang in der Geburtenreihenfolge zu: "Zum Beispiel ist relativ gesehen die Wahrscheinlichkeit für ein zweites Kind, Medizin zu studieren, um 27 Prozent kleiner als für das erste Kind. Und der Unterschied zwischen dem ersten und dem dritten Kind beträgt sogar 54 Prozent."

Ebenso fanden die Forscher heraus, dass die Wahrscheinlichkeit zweiter Kinder, Kunst zu studieren, 27 Prozent höher ist als die des ersten Kindes, während der Unterschied zwischen dem als drittes geborenen Kind und dem ältesten Geschwister schon 36 Prozent beträgt.

Erste Kinder haben bessere Schulnoten. Aber daran liegt es laut Barclay nicht. Auch als die Wissenschaftler den Einfluss der Schulnoten herausrechneten, blieben die unterschiedlichen Neigungen bei der Studienfachwahl unter den Geschwistern bestehen. "Die häusliche Umgebung scheint die Einstellungen und Vorlieben der Kinder jenseits der schulischen Begabung zu prägen", so der Bevölkerungsforscher.

warum die Vorlieben der Geschwister so verschieden sind, wenn es um das Studienfach geht, haben die Rostocker Forscher in ihrer Studie nicht untersucht. Eine entscheidende Rolle scheint allerdings die Fürsorge der Eltern zu spielen. "Zuerst Geborene profitieren exklusiv von der vollen Aufmerksamkeit der Eltern, so lange sie noch das einzige Kind sind", sagt MPIDR-Direktor Mikko Myrskylä. "Das gibt ihnen schon früh einen Vorsprung."


Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher Daten aus schwedischen Verwaltungsregistern. Sie bezogen alle Familien mit ein, in denen sich mindestens zwei Geschwister für ein Fach an einer Hochschule eingeschrieben hatten. Insgesamt untersuchte die Studie 146.000 Studenten, die zwischen 1982 und 1990 geboren wurden und sich zwischen 2001 und 2012 an einer Hochschule eingeschrieben hatten.

[PA]

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Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR)

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