Neue Studie

Studierende ohne Abi sind genauso erfolgreich

published: 20.12.2017

Studierende ohne Abitur kommen an den Hochschulen in etwa so gut zurecht wie ihre Kommilitonen (Foto: Antonio Guillem/Shutterstock.com) Studierende ohne Abitur kommen an den Hochschulen in etwa so gut zurecht wie ihre Kommilitonen (Foto: Antonio Guillem/Shutterstock.com)

Studenten, die mit einer beruflichen Qualifizierung ein Studium beginnen, haben keinen schlechteren Notendurchschnitt als ihre Kommilitonen, die direkt nach dem Abitur ein Studium aufgenommen haben. Allerdings zeigt sich bei ihnen ein höheres Abbruchrisiko wie auch bei anderen Gruppen mit beruflicher Qualifikation. Dies sind zwei Ergebnisse einer Studie, die die Humboldt-Universität zu Berlin (HU Berlin) und das Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) in den vergangenen Jahren durchgeführt haben. Anlass für die Studie ist die weitere Öffnung des Hochschulzugangs für beruflich Qualifizierte ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung - sogenannte nicht-traditionelle Studierende. Inzwischen nehmen jährlich etwa 13.000 davon ein Hochschulstudium auf. Das sind etwa 3 Prozent aller Studienanfänger. Die Studie "Nicht-traditionelle Studierende zwischen Risikogruppe und akademischer Normalität" wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.
 

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Erfolgreich akademisch integriert

Das Forscherteam hat nicht-traditionelle Studis zu verschiedenen Zeitpunkten im Studienverlauf mit anderen Gruppen wie Abiturienten oder Studierenden des Zweiten Bildungswegs verglichen. In den Vergleich wurden verschiedene Studienfächer einbezogen. Dabei stehen Studenten im Präsenzstudium im Vordergrund. Der Gruppenvergleich zeigt: Nicht-traditionelle Studenten werden den spezifischen Anforderungen ihres Studienfachs in ähnlicher Weise gerecht wie andere Studierende. Sie können sich an ihrer Hochschule erfolgreich akademisch integrieren. "Bereits im dritten Semester erreichen die Studiennoten ein annähernd gleiches Niveau, und bis zum fünften Semester haben die Studierenden ohne Abitur ähnlich viele Leistungspunkte gesammelt wie die Vergleichsgruppen", erläutert Gunther Dahm vom DZHW. Er hat für die Studie die Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) ausgewertet.

Das Ausmaß der Unterschiede zwischen den Studienleistungen von nicht-traditionellen und traditionellen Studierenden bleibt auch bis zum siebten Hochschulsemester gering. Erste hochschul- und fachbezogene Auswertungen der Hochschulstatistik zeigen außerdem, dass auch bei den Examensnoten die Abstände zwischen nicht-traditionellen und traditionellen Studierenden klein sind. Damit gelangen Studenten ohne (Fach-)Abitur zu Studienleistungen, die ihre eigenen Erwartungen vor Studienbeginn weit übertreffen.
 

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Lebenserfahrung als Wettbewerbsvorteil

Eine Erklärung für diesen Befund sieht das Forscherteam in den Bildungs- und Erwerbsbiografien. Die Werdegänge der Studenten zeichnen sich u.a. dadurch aus, dass sie in Schule, Berufsausbildung, Erwerbstätigkeit und Weiterbildung umfangreiche Studienvoraussetzungen erworben haben und über eine klare Studienmotivation verfügen. Beides befähigt sie zu einem erfolgreichen Studieren. "Viele Studierende haben uns berichtet, dass sie ihre persönlichen und beruflichen Erfahrungen als wichtige Ressourcen zur erfolgreichen Bewältigung des Studiums ansehen. Dabei spielen aus ihrer Sicht vor allem Ziel- und Leistungsorientierung, Organisationsfähigkeit und Fachinteresse eine entscheidende Rolle. Einige nehmen ihre Lebenserfahrung sogar als eine Art 'Wettbewerbsvorteil’ gegenüber anderen Studierenden wahr", kommentieren Caroline Kamm und Alexander Otto von der HU Berlin die Studienergebnisse.

Die Studie zeigt aber auch, dass die Abschlussquoten bei den nicht-traditionellen Studenten unter dem Wert der Studis aus der gymnasialen Oberstufe liegen. "Ursachen für die geringere Abschlussquote liegen beispielsweise in der schwierigeren Vereinbarkeit zwischen Studium, Beruf und Familie oder in finanziellen Problemen", erklären die Projektleiter Andrä Wolter (HU Berlin) und Christian Kerst (DZHW).

[idw/PA]

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