TU München

Lidl stiftet 20 Professuren

published: 05.01.2018

Der Gründer der Lidl-Discounter schenkt der TU München 20 Professuren. Kritiker sorgen sich um die Unabhängigkeit der Lehre (Foto: r.classen / Shutterstock.com) Der Gründer der Lidl-Discounter schenkt der TU München 20 Professuren. Kritiker sorgen sich um die Unabhängigkeit der Lehre (Foto: r.classen / Shutterstock.com)

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Unternehmen oder Vereine Professoren bezahlen und damit Universitäten finanziell entlasten — Stiftungsprofessur nennt man diese monetäre Förderung durch Dritte. Doch ein aktueller Fall erscheint durchaus neu: Lidl-Gründer Dieter Schwarz schenkt der TU München 20 Stiftungsprofessuren für den Fachbereich Betriebswirtschaftslehre. Dies ist gleich in mehreren Hinsichten ziemlich ungewöhnlich.

Jede dritte Professur von Lidl

Stiftungsprofessuren sind eigentlich Einzelfälle und werden singulär vergeben, gleich 20 auf einmal gab es bisher noch nicht. Damit wächst die Fakultät der Wirtschaftswissenschaften der TU München abrupt von 34 auf 54 Professuren — damit ist mehr als jede dritte Professur stiftungsfinanziert. Ungewöhnlichkeit Nr. 2: Stiftungsprofessuren sind normalerweise zeitlich auf ein paar Jahre begrenzt — die von Discounter-Gründer Schwarz finanzierten Professuren gelten allerdings bis zur Emeritierung der Lehrenden. Kein Mindesthaltbarkeitsdatum wie bei Käse oder so.
 

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Zudem sollen 13 der 20 Professuren nicht in München, sondern an einem Campus in Heilbronn, Schwarz' Heimatstadt, angesiedelt werden. Damit erweitert die TU München ihren Wirkungsbereich zum ersten Mal in ein anderes Bundesland. Schwarz' Ziel: seine Heimatstadt damit zu einer "Wissensstadt" zu machen. Das Ziel der TU München: ihre Forschung weiter zu verbreiten und neben bestehenden Kooperationen mit Großkonzernen nun in Heilbronn auch neue, lokale und vor allem technikaffine Unternehmen hinzuzugewinnen mit dem nicht geringen Anspruch, dort zu einem "Technik-Hot-Spot“ zu werden. Das Silicon-Valley Baden-Württembergs?

Berechtigte Kritik?

Die Liaison von Discounter und Exzellenz-Uni sorgt nicht bei allen für Euphorie: Es wird eine Beeinflussung der Lehre durch Wirtschaft befürchtet und damit ein Interessenkonflikt. Es ist vor allem das Ausmaß der Stiftungsförderung, das die Kritik befeuert. Konstantin Korn, Vorstandsmitglied des Freien Zusammenschlusses der Studierendenschaften (fzs), beschreibt in einem Interview mit "Spiegel Online" anschaulich, welche möglichen Risiken für die Lehre bestehen.

Wie begründet die Sorgen sind, ist bisher nicht klar: Bis dato liegt nur ein Eckpunktepapier vor, der finale Vertrag wird noch ausgehandelt. Doch die Verhandlungen dürften nicht mehr lange dauern: Bereits zum kommenden Wintersemester 2018/19 soll die erste Lehrveranstaltung starten.
 

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Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.

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Links

Mehr Infos zu Stiftungsprofessuren
Die TU München im Web
Zum Artikel "Professuren vom Discounter" auf Spiegel Online
Der Freie Zusammenschluss der Studierendenschaften (fzs) im Web

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