Facebook

Hass-Kommentare oft manipuliert

published: 21.02.2018

Ist der Hass auf sozialen Netzwerken zum großen Teil koordinierter Hype? Eine Studie hat herausgefunden, dass Manipulationen im Spiel sind (Foto: Lina_R/shutterstock.com) Ist der Hass auf sozialen Netzwerken zum großen Teil koordinierter Hype? Eine Studie hat herausgefunden, dass Manipulationen im Spiel sind (Foto: Lina_R/shutterstock.com)

Es könnte noch Hoffnung geben, dass die digitale Welt nicht verloren ist: Offenbar ist nur eine verschwindende Minderheit der Facebook-Profile für einen großen Teil rechtsextremen Hasses verantwortlich. Dies hat eine wissenschaftliche Analyse herausgefunden, wie der NDR berichtet. Konkret stellte sich heraus, dass im Januar 2018 nur fünf Prozent der Accounts für 50 Prozent der Likes bei Hass-Kommentaren verantwortlich waren. Für die Studie untersuchte IT-Experte Philip Kreißel mehrere tausend Kommentare, die unter Beiträgen von Medien wie "Bild", "Focus-Online", "Spiegel Online", "Welt" und "ZDF heute" standen. Die Studie erfolgte in Kooperation mit dem Institute for Strategic Dialogue (ISD).
 

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Kleine Minderheit prägt Diskurs
Kreißel entwickelte für die Untersuchung ein Instrument, den sogenannten "Hate-Finder". Hierdurch identifizierte er Profile, die oft Hass-Kommentare liken. Er beobachtete, wo diese wieder aktiv wurden. Die vermeintlich tatsächlich existierenden Profile agierten oft gemeinsam und waren generell deutlich aktiver als normale Nutzer. Das galt allerdings nur für Diskussionen mit Hass-Inhalten. Die meisten dieser hochaktiven Profile konnte er Anhängern der AfD und sogenannten "Identitären" zuordnen.

Facebook macht simulierte Hetze einfach
Rechtsextreme schafften es auf diese Weise, gesellschaftliche Mehrheiten zu simulieren. Das größte Problem: die Funktionsweise von Facebook. Durch den Facebook-Algrotithmus sorgten die koordiniert ausgelösten Debatten für eine höhere Reichweite als sachliche Diskussionen. "Dazu einigen sich rechte Gruppierungen auf Uhrzeiten und Hashtags, um diese in die TopTrends zu katapultieren", erklärte Julia Ebner vom ISD gegenüber dem NDR. Kreißel und Ebner betonten, wie wichtig es sei, dass Medien die Diskussionen zu ihren Inhalten moderierten.
 

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Manipulierte Debatten bereits vor Bundestagswahl
Forscher untersuchen seit Monaten solche Aktivitäten in den Netzwerken. Kurz vor der Bundestagswahl im September 2017 stellten Wissenschaftler aus Oxford in einer Untersuchung fest, dass die AfD das dominierende Thema auf Twitter war. Die Forscher fanden vollautomatische Bots, die eine immense Zahl von Tweets zugunsten der AfD abgaben. Diese Bots hätten immer wieder Hashtags wie #TraudichDeutschland und #Merkelmussweg aufgegriffen und verstärkt. Hinzu kam das Netzwerk "Reconquista Germanica". ISD fand in Zusammenarbeit mit ARD, WDR, NDR und "Süddeutsche Zeitung" heraus, dass sich darin vor den Wahlen um die 5000 Nutzer organisiert hatten. In Offizierssprache gingen die Beteiligten kommandomäßig vor: Ihr erklärtes Ziel war, eine hohe Sichtbarkeit rassistischer Inhalte zu erzielen, Gegner einzuschüchtern und Politiker zu beschimpfen.
 

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#ichbinhier als Gegenbewegung?
Als Reaktion darauf beteiligen sich viele Social-Media-User an der Initiative "#ichbinhier". Mit einer Facebookgruppe und Tweets unter diesem Hashtag möchten sie ein Zeichen gegen manipulierte Debatten, Beleidigungen und Hass im Netz setzen. Ein genauer Blick auf diesen Hashtag zeigt (leider), dass er mit Vorsicht zu genießen ist. Bei auffällig vielen Posts wird er erneut für Propagandasprache und Hetze verwendet.

Die Autorin: Aleksandra Janevska

Die Autorin: Aleksandra Janevska

Im kahlen Ruhrgebiet aufgewachsen, ging es fürs Jurastudium ins grünere Münster. Dort angekommen, stellte Aleksandra fest, dass sie doch lieber raus in die Welt möchte, um Journalistin zu werden. Daher hieß es nach dem Staatsexamen: Ab in den Norden! Wo sonst lassen sich lange Spaziergänge am Wasser, Besuche in vegetarischen Restaurants und spannende Geschichten am Puls der Zeit besser verbinden? Bei Pointer und in der größten Hafencity Deutschlands fühlt sie sich seit der ersten Minute pudelwohl.

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Links

Institute For Strategic Dialogue im Web
NDR über die Studie zur Facebookmanipulation
Untersuchung zu Manipulationen durch Bots vor den Bundestagswahlen 2017
Die "SZ" zu Manipulationen durch "Reconquista Germanica"

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