Nicht jeder schafft es, dem Teufelskreis "Aufschieberitis" zu entkommen. Prokrastination ist eine Krankheit (Foto: ArtOfPhotos/shutterstock.com) Nicht jeder schafft es, dem Teufelskreis "Aufschieberitis" zu entkommen. Prokrastination ist eine Krankheit (Foto: ArtOfPhotos/shutterstock.com)
Teufelskreis Prokrastination

Aufschieben als Krankheit

Das Wort "Prokrastination" wird unter Studierenden oft scherzhaft verwendet in Sätzen wie: "Ich habe keine Lust auf die Hausarbeit, also schaue ich Netflix". Genau darin liegt das Problem: Prokrastination wird gern auf die leichte Schulter genommen. Unter dem Begriff versteht man das ständige Aufschieben wichtiger Aufgaben. Das Verhalten kann sich jedoch zu einer ernstzunehmenden Krankheit entwickeln, wie Forschungen der Prokrastinationsambulanz Münster ergeben haben. Besonders Studis sind davon betroffen. Gut gemeinte Ratschläge wie "Räum deinen Schreibtisch auf und schreibe eine To-Do-Liste" helfen da nicht weiter.




Negative Folgen

Eine wissenschaftliche Studie der Universität Münster belegte, dass 20 bis 70 Prozent der Studierenden regelmäßig zum Aufschieben neigen. So gut wie jeder Studi kennt also das Dilemma. Wenn jedoch Stress, Angst oder Depressionen ins Spiel kommen, kann es gefährlich werden. Von einer Krankheit könne man dann sprechen, wenn das Verhalten "zu Leiden und zu Beeinträchtigungen im Studium, Beruf oder anderen Lebensbereichen führt", erklären Experten der Prokrastinationsambulanz Münster. Trotz weitreichender negativer Konsequenzen halten die Betroffenen an ihrem Verhalten fest. Sie finden sich in einem Teufelskreis wieder, ohne zu wissen was ihr Problem ist.




Perfektionismus und Ängste als Auslöser

Laut der Prokrastinationsambulanz Münster gibt es viele Studierende, die dieses Problem so stark haben, dass eine Behandlung lohnenswert wäre. Doch warum ausgerechnet die Studis? Das liege daran, dass gerade bei ihnen bestimmte Faktoren krankheitsfördernd wirken. Dazu zählen unter anderem die Angst vor Kritik oder Versagen, hohe Erwartungen von anderen sowie Fehleinschätzung der eigenen Fähigkeiten und Belastungstoleranz. Studierende von kreativeren oder unstrukturierten Studiengängen seien häufiger betroffen. Dort bieten flexible Fristen viel Raum für langes Aufschieben mit spät einsetzenden Konsequenzen.
 


Kein neuer Trend

Nicht nur Studis kämpfen mit diesem Problem. In Foren tauschen sich Geplagte aller Altersgruppen über Symptome aus. Viele von ihnen schweigen, weil sie befürchten, als faul zu gelten. "Man muss den Betroffenen erklären, dass Prokrastination nichts mit Faulheit oder Dummheit zu tun hat. Es ist ein Problem der Selbststeuerung", erklärt Stephan Förster, Diplom-Psychologe, auf "zeit.de". Die Krankheit der Prokrastination wird erst seit wenigen Jahren intensiv erforscht. Bislang war es für Betroffene schwierig, ihrem Leiden einen Überbegriff zu geben. Häufig wurde und wird bei ihnen fälschlich AD(H)S oder eine Depression diagnostiziert. Experten wie Förster setzen sich dafür ein, dass Prokrastination offiziell als psychische Störung klassifiziert wird. So könnten spezielle Therapien von Krankenkassen gefördert werden.



AufschiebenAufschieberitisProkrastinationTeufelskreisStudiumStudierenStudentenStudierendeKrankheit

Die Autorin: Aleksandra Janevska
Die Autorin: Aleksandra Janevska

Die Autorin: Aleksandra Janevska

Im kahlen Ruhrgebiet aufgewachsen, ging es fürs Jurastudium ins grünere Münster. Dort angekommen, stellte Aleksandra fest, dass sie doch lieber raus in die Welt möchte, um Journalistin zu werden. Daher hieß es nach dem Staatsexamen: Ab in den Norden! Wo sonst lassen sich lange Spaziergänge am Wasser, Besuche in vegetarischen Restaurants und spannende Geschichten am Puls der Zeit besser verbinden? Bei Pointer und in der größten Hafencity Deutschlands fühlt sie sich seit der ersten Minute pudelwohl.