Tschechien

Wehrunterricht in der Schule?

published: 04.03.2018

In Tschechien fordert die rechtpopulistische Partei ANO, Wehrunterricht an Schulen wieder einzuführen (Foto: Yuganov Konstantin/Shutterstock.com) In Tschechien fordert die rechtpopulistische Partei ANO, Wehrunterricht an Schulen wieder einzuführen (Foto: Yuganov Konstantin/Shutterstock.com)

Vor 17 Jahren wurde an tschechischen Schulen der verpflichtende Wehrunterricht abgeschafft — das soll sich nun wieder ändern. Für die Schülerinnen und Schüler sollen wieder Grundlagen über Themen wie die Armee, Erste Hilfe und Verhalten bei Terrorangriffen auf dem Lehrplan stehen. Ein Vorhaben, das hierzulande wie ein verfrühter Aprilscherz klingt — nur leider keiner ist.
 

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Lernen "was es heißt, Tscheche zu sein"

Hinter der Bestrebung, Wehrunterricht wieder in die Schulen zu integrieren, steckt die rechtspopulistische Partei "Aktion unzufriedener Bürger" (ANO) von Milliardär Andrej Babiš, die im Herbst des letzten Jahres die Parlamentswahl gewann. Das Ziel dabei scheint den Verantwortlichen ganz klar: Die jungen Schüler sollen wieder lernen, "was es heißt, ein Tscheche zu sein“. Dies sagte Verteidigungsministerin Karla Slechtova gegenüber der tschechischen Zeitung "MF Dnes" (zum Original-Artikel).

Wie man sich richtig bei einem Terroranschlag verhalte, das wüssten die Schüler heute nicht mehr, so Slechtova weiter. Das Interesse an der Wehrpflicht scheint grundsätzlich zu sinken: Seit ihrer Abschaffung 2015 hat die tschechische Armee starke Probleme, junge Menschen zu rekrutieren — aktuell sind nur rund 23.000 Soldaten bei der Wehrmacht tätig.
 

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Angst vor Militarisierung der Gesellschaft

Wenn immer weniger junge Menschen zur Wehrmacht wollen, muss die Wehrmacht eben zu ihnen kommen — das ist offenbar der Gedanke hinter der Lehrplanänderung. Dabei werden Schüler in Tschechien bereits im regulären Lehrplan über Landesverteidigung unterrichtet. Nicht verwunderlich also, dass Kritiker bezüglich des Vorhaben der verpflichtenden Wehrkunde eine "Militarisierung der Gesellschaft“ vorhersagen.

Diesen kritischen Stimmen zum Trotz ist es jedoch gar nicht unwahrscheinlich, dass diese Pläne durchgehen: Zwar ist die Regierung in Prag momentan aufgrund einer verlorenen Vertrauesnabstimmung nur geschäftsführend im Amt. Das Vorhaben könnten aber mit Unterstützung anderer Parteien im Parlament durchaus durchgesetzt werden.

Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.

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Links

Die Zeitung "MF Dnes" im Web
Zum tschechischen Original-Artikel zur Wehrunterrichtseinführung

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