Studierende simulieren die UN

"Man tut so, als wäre man Isländer"

published: 12.02.2008

Jedes Jahr stellen Jugendliche aus aller Welt in New York Treffen der Vereinten Nationen (UN) nach (Foto: shutterstock.com/kaarste) Jedes Jahr stellen Jugendliche aus aller Welt in New York Treffen der Vereinten Nationen (UN) nach (Foto: shutterstock.com/kaarste)

Ihr findet Politik eigentlich spannend, aber Fernsehberichte über Konferenzen und Tagungen der Vereinten Nationen immer unglaublich trocken? Ihr wollt lieber live und in Farbe miterleben, wie ein Treffen von Delegierten aus 192 Mitgliedsländern abläuft? Ihr seid neugierig auf den Alltag eines hochrangigen Politikers?

Rund 3000 Schüler und Studierende bekommen solche Einblicke jedes Jahr bei der Konferenz National Model United Nations in New York. Dort stellen Jugendliche aus aller Welt Treffen der Vereinten Nationen (UN) nach. Jede Delegation übernimmt die Rolle eines bestimmten Mitgliedslandes der UN. Auch Delegationen verschiedener deutscher Universitäten, Fachhochschulen und Organisationen nehmen teil.

Die Mathematik-Studentin Julie Meißner hilft als eine der beiden Chef-Delegierten bei der Organisation (Foto: YFU)Die Mathematik-Studentin Julie Meißner hilft als eine der beiden Chef-Delegierten bei der Organisation (Foto: YFU)

Eine der Delegationen stammt vom deutschen Ableger der Schüleraustausch-Organisation Youth For Understanding (YFU), der bereits zum 13. Mal teilnimmt. Seit September letzten Jahres laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Studierenden organisieren sich selbst und besprechen sich in regelmäßigen Konferenzen.

Julie Meißner ist 19 Jahre alt und hat vor kurzem ihr Mathematik-Studium in Berlin begonnen. Im März wird sie als eine der beiden Chefinnen der YFU-Delegation an einem simulierten UN-Treffen in New York teilnehmen. Sie und ihre zwölf Mitstreiter werden vom 17. bis 22. März Island vertreten. "Der Unterschied zum Rollenspiel ist, dass man nicht weiß, was genau passieren wird. Man muss dann reagieren und improvisieren", erklärt Julie.

In den letzten Monaten verschafften sich die Teilnehmer zunächst einen allgemeinen Überblick über Island. Danach recherchierten sie Positionen und Stellungnahmen zu speziellen Themen des Landes. Bei der inszenierten UN-Konferenz sitzen die Mitglieder der deutschen Island-Delegation dann in acht Komitees. Es geht um Abrüstung und internationale Sicherheit, um Soziales, um die Frauenvertretung der UN, die Atomenergiebehörde und die NATO.
"Island ist wegen seiner starken Positionen zu Frauenrechten besonders interessant", begründet Julie ihre Vorliebe für die skandinavische Insel. "Außerdem ist Island nicht in der EU, aber in der NATO. Island hat Verbindungen zu den USA und Europa. Für mich ist es auch spannend zu sehen, wie sich ein Staat in einem Militärbündnis verhält, der gar kein Militär hat."

Aber warum steckt die Studentin so viel Zeit in ein Projekt, bei dem alles nur simuliert ist, man also in Wirklichkeit nichts bewirken kann? "Für mich ist es wichtig, Erfahrungen zu sammeln", sagt Julie. "Ich lerne viel über Teamwork und Organisation, über die Vereinten Nationen, politische Abläufe und ein fremdes Land."

Auch Diplomatie, internationale Kontakte und die Fremdsprache Englisch spielen eine Rolle. Und auf einer Versammlung von 300 bis 400 Leuten frei zu sprechen, ist nicht ohne. Ob sie selbst einmal Politikerin werden möchte, weiß die Studentin noch nicht. "Es ist nicht mein Traumberuf, aber komplett ausschließen möchte ich es auch nicht." Vorerst plane sie, nach ihrem Mathematikstudium in der Wirtschaft oder der Forschung zu arbeiten.

Ende Februar treffen sich die Hobby-Skandinavier in der isländischen Botschaft in Berlin, um mit gebürtigen Isländern die politischen Positionen des Inselstaates zu besprechen. Später in New York werden die YFU-Delegierten selbst in die Rolle der Skandinavier schlüpfen. "Man tut so, als wäre man Isländer", so Julie Meißner.

Im Sommer wählen die diesjährigen "Hobby-Politiker" die Delegation für das nächste Jahr aus. Per Fragebogen und Motivationsschreiben kann man sich bis Juni über die Website der Delegation bewerben. Ehemalige Teilnehmer von Schüler- und Studierenden-Austauschprogrammen werden wegen ihrer Sprachkenntnisse und Erfahrungen bevorzugt.

[Marlene Hofmann]

Links

www.nmun.yfu.de

Gefällt's? Teile es.

Das könnte dich auch interessieren:

Services
Service

Hochschulkarte

Suche

Mimadeo / shutterstock.com
Über 19.000 Studiengänge an 747 Hochschulstandorten
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung