Proteste in Frankreich

Studis blockieren Uni-Gebäude

published: 14.04.2018

Blockierte Hörsäle, Proteste, Polizei: In Frankreich herrscht an vielen Unis Ausnahmezustand - wegen einer geplanten Bildungsreform (Foto: vvital/Shutterstock.com) Blockierte Hörsäle, Proteste, Polizei: In Frankreich herrscht an vielen Unis Ausnahmezustand - wegen einer geplanten Bildungsreform (Foto: vvital/Shutterstock.com)

Streiken statt studieren, protestieren statt pauken: In vielen Universitäten in Frankreich ist momentan nicht viel mit Studieren, denn Hörsäle und Seminare werden blockiert. Blockiert von Studis, die gegen eine geplante Bildungsreform von Präsident Emmanuel Macron protestieren. Diese soll neue Zugangsregeln zu Hochschulen festlegen. Der Protest hat mittlerweile solche Ausmaße angenommen, dass Unis die Polizei um Hilfe baten.

Klausuren müssen online geschrieben werden

Viele Unis in Frankreich sehen sich durch die Proteste mit einem Ausnahmezustand konfrontiert. An der seit Wochen verbarrikadierten Universität Paul-Valéry in Montpellier werden Klausuren nun online geschrieben, da die Räumlichkeiten nicht mehr betretbar sind. Und erst vor wenigen Wochen musste die Uni in Montpellier einen weiteren Vorfall verkraften: Vermummte stürmten einen Hörsaal, schlugen gewaltsam auf die sich darin befindenden Studis ein und trieben sie nach draußen.
 

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Hunderte Polizisten stürmten Uni in Nanteresse

So wie in Montpellier geht es auch Unis in Toulouse, Paris, Nantes, Nizza, Straßburg und Tours – und das bereits seit Wochen. Am 9. April kam es an der Universität Nanteresse in Paris dann zum Höhepunkt, als Hochschulpräsident Jean-François Balaudé die Polizei rief, um eine Versammlung von Studis zu verhindern. Hunderte Bereitschaftspolizisten enterten den Campus und nahmen sieben Personen wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt fest. Die Folge: Aufwind für die Protestierenden. Die Uni wurde am nächsten Tag komplett blockiert, und hunderte Studis wie auch Personal der Uni diskutierten im Hörsaal. Ihre Forderung: Balaudé solle zurücktreten. Der Dekan der Universität Paul-Valéry trat bereits zurück.


 
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Warum sind die Studis sauer?

Was empört die Studis an der geplanten Bildungsreform? Bisher war es in Frankreich allen Schülern möglich zu studieren, wo und was sie möchten. Die Folge: Heillos überfüllte Unis und ein immenser Andrang. Um dies zu ändern, will Präsident Macron zukünftig, dass Studienplätze verlost werden und sich Abiturienten mit Schulnote, Motivationsschreiben, Klassenlehrerempfehlung und Lebenslauf bewerben müssen. Den Universitäten soll freigestellt sein, auf welche Kriterien sie am meisten achten.

Für Studis in Deutschland mag das gar nicht so schlimm klingen, sind wir doch an das NC-System gewöhnt. In Frankreich ist die Empörung allerdings groß, denn es wird befürchtet, dass durch die neue Regelung die Ungleichheiten im Bildungssystem vertieft, Unterschiede in der Gesellschaft verstärkt werden und durch die Reform Bildungsungleichheit gepushed wird – die Gefahr einer Elitenbildung liegt für die Protestierenden auf der Hand. Wird eine Bewerbung mit einem arabisch klingenden Name wirklich gleich behandelt werden wie die, deren Absender Franzose ist?
 

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Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.

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